Danke für ... Zeit.

von Eva Helfrich

Danke für ... Zeit.
Dass man nie so viel Zeit hat, wie man denkt, wird einem meist dann bewusst, wenn die Uhr aufgehört hat zu ticken. Kürzlich ist der Vater einer guten Freundin gestorben, völlig unerwartet. Zu dem Schmerz, einen geliebten Menschen verloren zu haben, kamen auch noch Gedanken hinzu wie „Ich hätte ihn öfter besuchen sollen“, oder „Hoffentlich wusste er, wie lieb ich ihn habe“. Hätte, könnte, sollte, wollte ... nichts tut mehr weh als der Konjunktiv, wenn die Zeit abgelaufen ist. Worauf warten wir also so oft im Leben? Um jemandem etwas zu sagen. Um sich etwas zu trauen, das man schon lange im Kopf hat. Um glücklich zu sein. Der ideale Zeitpunkt dafür wäre nämlich: Jetzt.

Jean-Baptiste Massillon bezeichnete die Dankbarkeit einmal als das „Gedächtnis des Herzens“. Unser Alltag ist durchzogen von unerwarteten Gesten, ehrlichem Lob, Trost und Mitgefühl. Von der Freiheit, zu tun, was man kann. Von so etwas wie Verzeihen, einem Lächeln, echter Freundschaft, Musik und dem hohen Himmel im Herbst. Auch wenn man sich im Leben stets vorwärtsbewegen soll, schadet es manchmal nicht, stehen zu bleiben und noch einmal zurück zu schauen. Sich die Arme in Erinnerung zu rufen, die einen getragen haben, wenn man schwach war. Die Momente, in denen jemand einen zum Lachen gebracht hat, wenn man eigentlich schreien wollte. Ein Religionslehrer hat uns in der Schule einmal die Frage gestellt, was das Kostbarste auf der Welt ist. Wir tippten auf Liebe, Familie, Freunde – und natürlich auch auf Geld. Wir waren damals so jung, dass wir auf „Zeit“ gar nicht kamen. Aber in Wahrheit ist es so: Das einzige, das uns unter Garantie einmal ausgeht, ist die Zeit. Vielleicht sollten wir uns deshalb gut überlegen, was wir damit anstellen. Ob es wirklich so wichtig ist, der Beste im Job oder der Reichste am Friedhof zu sein. Der Vater meiner Freundin war übrigens der beste, den ich kannte.

Quelle: Apropos März 2014
Porträt von Eva Helfrich

Eva Helfrich

Linz

Zur Person

Eva Helfrich

Über mich

Schrecklich. Da bezeichnet man sich als Journalistin und dann ist man plötzlich gefordert, die eigene Biografie aufzuschreiben. Weil ich Sie hier nicht langweiligen will, fasse ich mich ausnahmsweise kurz. Versprochen.

Ich war und bin für Frauenzeitschriften, Lokalmagazine, ein Wiener Kulturportal, einen Blog und eine Salzburger Straßenzeitung tätig. Print und Online. Klingt nach einer ziemlichen Grätsche, ergänzt sich aber in Wahrheit gut. Zusätzlich schreibe ich für Mitarbeitermagazine und Advertorials, wenn mir die Auftraggeber sympathisch sind. Ich mag Reportagen und Porträts, gut gesetzte Pointen und Zwischen-den-Zeilen-Leser, die sie zu schätzen wissen.

Mein Metier sind Menschen. Ich interessiere mich für ihr Leben, ihre Leidenschaften und sogar für ihre Essensgewohnheiten. Um ehrlich zu sein bin ich nur Journalistin geworden, um einen Grund für meine Fragen zu haben. Ich schätze Begegnungen, den Austausch mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten und freue mich, wenn ich ihre Erlebnisse zu Wort bringen darf.

Auftraggeber

Apropos , WOMAN , miss , schaumedia