1 subscription and 2 subscribers
Article

Wittener trainieren Umgang mit rechten Parolen

Auch das Künstlerduo Karin Kettling und Jürgen Albrecht traten mit ihrem Programm „Zuvielcourage“ auf. Die beiden Schauspieler empfehlen humorvollen Umgang mit Rassismus. Archivfoto: Franz Naskrent

Konferenz gegen Rassismus

Thuy-An Nguyen

Witten. Auf einer Fachtagung „Rechtspopulismus und Rassismus" klären Experten über den Umgang mit Parolen auf. Sie raten dazu, ins Gespräch zu kommen.

Eine geschlossene Einheit ist von außen schwer zu durchdringen. Populistische Weltanschauungen sind geschlossene Einheiten - und deshalb so problematisch, sagt der Wissenschaftler Marcel Lewandowsky. Denn: Die Idee der Einheit lässt nur wenig Austausch zwischen Positionen zu, die sich außerhalb befinden. Aber Austausch ist wichtig. Eine Fachtagung zum Thema „Rechtspopulismus und Rassismus" hat sich daher am gestrigen Donnerstag mit der Frage beschäftigt, wie im Alltag mit Meinungsverschiedenheiten umgegangen werden kann.

Rund 100 Teilnehmer kamen zu der Tagung

Die Integrationsagentur des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und die Evangelische Erwachsenenbildung Ennepe Ruhr hatten die Fachtagung gemeinsam organisiert. Rund 100 Haupt- und Ehrenamtliche, die sich in ihrer Arbeit mit dem Thema Rassismus und Rechtsextremismus beschäftigen, nahmen an der Veranstaltung im Martin-Luther-Zentrum teil, bei der Wissenschaftler und Experten verschiedener Organisationen Vorträge und Workshops hielten.

Zu den Rednern gehörten neben Lewandowsky, der zu populistischen Parteien in Europa forscht, unter anderem Wolfgang Grenz, der ehemalige Generalsekretär von Amnesty International Deutschland. „Mit der Veranstaltung wollen wir eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen", sagt Katharina Arnoldi von der Ev. Erwachsenenbildung.

„Oft zeigen die Leute Unverständnis"

Die Teilnehmerin Brigitte Obenaus begleitet sechs Flüchtlinge aus Syrien und Nigeria ehrenamtlich. Sie hilft ihnen bei Behördengängen, und das bereits seit Juli 2015. Auf den Bescheid ihrer Asylanträge warten die von ihr betreuten Flüchtlinge bis heute. „Oft zeigen die Leute in meinem Umkreis Unverständnis dafür, dass ich mich für diese Menschen einsetze und fragen: ,Was hast du mit diesen Flüchtlingen?'", erzählt die 62-jährige Wittenerin. Manche Leute zeigten auch positive Reaktionen. Aber bei negative Äußerungen wisse Obenaus meistens nicht, wie sie reagieren soll.

Ähnlich sieht das ihr Ehemann Eckard. Das Ehepaar hatte im Jahr 2015 gemeinsam Flüchtlinge aus dem Erstaufnahmelager in der Jahnstraße unterstützt. Auch der 67-Jährige weiß oft nicht, was er Leuten sagen soll, wenn sie Argumente bringen wie: „Ich habe jahrelang für mein Geld gearbeitet und die Flüchtlinge bekommen es einfach so..."

Ein Austausch auf persönlicher Ebene kann helfen

Leroy Böthel von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus rät in seinem Workshop, einen sachlichen und ruhigen Umgang bei derartigen Begegnungen. „Es ist wichtig, dabei nicht in einen vorwurfsvollen Tonfall zu geraten", sagt der 28-jährige Soziologe. Man könnte je nach Situation auf einer persönlichen Ebene das Gespräch suchen. Auf einer Familienfeier wäre das zum Beispiel denkbar.

Auch der Referent Armin Langer setzt auf Austausch. Der 27-jährige Sohn ungarischer Migranten gründete die Initiative „Salaam-Schalom", die sich mit Antisemitismus und Islamfeindlichkeit zwischen unterschiedlichen Religionsgruppen beschäftigt. Die Gruppenmitglieder gehen in orthodoxe Synagogen oder konservative muslimische Moscheen, um Austausch zwischen den verschiedenen Religionsgruppen zu schaffen. Langer: „Begegnungen sind das Einzige, was gegen Rassismus wirken."

Original