1 subscription and 1 subscriber
Article

Martin Kruse: Auf Kultour zu Bagger und Kran

23 101730841 23 101730843 1538928014

Erste Station der diesjährigen Kult(o)ur-Reise führte die Teilnehmer zu Martin Kruse in Schinkel.

Erschienen am 08. Oktober 2018 in der Eckernförder Zeitung.


Schinkel | Ein Bagger, ein alter Hafenkran, eine Dampfmaschine – bei Martin Kruse in Schinkel stehen allerlei alte Maschinen und Werkzeuge. Der gelernte Feinmechaniker hat sein Herz an solche historischen Maschinen verloren. Er sammelt und restauriert sie, alles soll später funktionstüchtig sein. Seine Maschinenwerkstatt ist in einem ehemaligen Raiffeisenlager untergebracht. Diese kauften der freischaffende Künstler und seine Frau Insa Hein 1989 und bauten sie um.

Über sein Schaffen konnte sich am Sonnabend eine Gruppe Interessierter informieren, denn der Besuch bei Martin Kruse war die erste Station der diesjährigen Kult(o)ur-Reise durch den Kreis Rendsburg-Eckernförde. Organisiert und begleitet wurde der Tag von Reinhard Frank, dem Kreisbeauftragten für Kulturangelegenheiten.

Kruse führte durch seine Werkstatt und konnte zu jedem Fahrzeug und jeder Maschine etwas erzählen. So auch zu einem Hanomag, der mal ein Polizei-Landschaftswagen war und jetzt restauriert wird. Vor der Tür steht ein zugelassener Hanomag, Baujahr 1957, sein Transportfahrzeug. 


Sein aktuellstes Projekt: Ein alter Hafenkran, das Baujahr datiert auf 1913. „Der Kran hat früher in Hamburg-Harburg Braunkohle gebaggert. Dann stand er zur Verschrottung rum und ich habe ihn als Schwertransport hierher geholt.“ Kruse hat die Überlegung, dass der Kran nach der Restaurierung zur touristischen Aufwertung am Lade- und Löschplatz am Nord-Ostsee-Kanal stehen könnte: „Die Idee wäre eine Ausstellung zum Kanal.“ Dafür erhofft er sich finanzielle Hilfe, weiß aber auch: „Viele denken, dass ich einen an der Flinte habe.“

Neben dem Hafenkran steht ein restaurierter Bagger, den Kruse in diesem Jahr fertig gebaut hat. „Der Bagger wurde im Jahr 1938 bis nach Stalingrad gebracht.“ Später kam er wieder zurück nach Deutschland, wo er nach dem Krieg zum Räumen von Trümmerschutt eingesetzt wurde, bis er 1960 zum Betrieb nach Preetz gebracht wurde. „Dort stand der Bagger 30 Jahre, bis ich ihn 1991 für den Schrottpreis bekommen habe“, erklärt der Feinmechaniker. „Er war in einem fürchterlichen Zustand, da hat sich gar nichts mehr bewegt.“ Bis zu diesem Jahr hat er mehrere Monate im Jahr daran gearbeitet und alles neu gemacht. Jetzt ist die Maschine funktionstüchtig, was Kruse seinen Besuchern direkt vorführte. 


Die Kult(o)ur-Reisenden hatten auch einige Fragen, die der Restaurator gerne beantwortete. Woher er denn seine Aufträge bekomme? „Gar nicht. Die mache ich mir selber.“ Auch die Frage, wie das zu finanzieren sei, kam auf. Kruse verwies auf seine in Vollzeit arbeitende Ehefrau. Er habe sich um die beiden Kinder (heute 20 und 11 Jahre alt) gekümmert. Außerdem nehme er Aufträge für Metallbauten an. Das kam bei den Gästen an: „Es ist ja toll, wenn man sich so begeistert kann“, sagt eine Seniorin. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so interessant ist“, eine andere.

Nach dem Besuch bei Martin Kruse machte sich die Reisegruppe auf, um das Gut Ludwigsburg bei Waabs, die Mühle Anna in Rieseby und das Mühlenstumpf-Atelier von Jörn Brede in Osterby zu besichtigen.


– Quelle: https://www.shz.de/21264337 ©2019


Original