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AZ-Autotest : Tesla Model S - elektrisch in die Zukunft - Abendzeitung München

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Ein Bild von einem Auto - das Model S von Tesla. Außen wie innen (am Riesen-Touchscreen) zeigt es, wie die Autozukunft ausschauen kann. Foto: Rudolf Huber

Drei Tage mit dem Tesla Model S: 442 PS, 217 km/h Spitze und über 400 Kilometer am Stück - und das alles mit einem reinen Elektroauto.

Wenn sich so die Autozukunft anfühlt, dann soll sie lieber früher als später kommen: Drei Tage im Elektro-Flitzer Model S von Tesla stellen auch bei einem altgedienten Autotester sämtliche abgespeicherte Werte-Parameter auf den Kopf. Luxus und feines Design, kombiniert mit atemberaubenden Fahrleistungen und einer - endlich - alltagstauglichen Reichweite: Der schicke Kalifornier hat alles, was ein Traumauto ausmacht.

Außer dem bisher gewohnten Sound.

Aber von Anfang an: Als Testgerät stand ein Model S mit dem größeren Akku-Pack zur Verfügung: 85 Kilowattstunden fassen die rund 700 Kilo schweren Lithium-Ionen-Akkus, die Tesla geschickt im Wagenboden verstaut hat.

Das hat zwei eklatante Vorteile: Der S liegt dank des niedrigen Schwerpunkts phänomenal satt auf der Straße. Und er hat wegen der Batterien keinerlei räumliche Einschränkungen für Passagiere oder deren Gepäck.

Im Gegenteil: Mehr Platz ist in der Klasse der sehr sportlichen Luxus-Limousinen nirgends. Der Innenraumboden ist komplett eben, die Kofferräume vorne (150 Liter) und hinten (435 bis 1290 Liter) ergänzen sich zu einem unschlagbaren Raumtransporter - hinten lassen sich auf Wunsch auch noch zwei umklappbare Kindersitze montieren.

Überhaupt der Innenraum: Vom ersten Moment an fällt der riesige Touchscreen auf. Über ihn läuft so gut wie die gesamte Bedienung von Navi, Heizung/Lüftung/Sitzheizung, die Einstellungen fürs Fahrwerk oder Telefon, Radio und Akku-Management, damit kann man Kofferraumdeckel oder Sonnendach betätigen. Zunächst wirken der Bildschirm und seine Bedienung noch ein bisschen irritierend - auch optisch. Aber die Gewöhnungsphase ist kurz. Es bleibt die Gewissheit, dass das wohl bald Standard sein wird bei neuen Autos.

Der Rest des Interieurs ist geschmackvoll und stylish ausgefallen, die Lederausstattung fühlt sich angenehm an, die Hebel und Griffe etwa für die Türen verströmen High-End-Aroma. Die Sitze vorn sind aus einem Guss mit fest montierten Kopfstützen, hinten sind die Kopfhalter ein bisschen arg niedrig ausgefallen. Die Hebel für Blinker/Scheibenwischer und Automatik sind vertraut: Sie stammen von Entwicklungs-Partner Mercedes.

So, jetzt aber genug vom Drumherum. Jetzt geht es ums Entscheidende. Nämlich ums elektrische Fahren. Zunächst ein paar Eckdaten, die dieses spannende Thema abstecken: 422 PS, 600 Nm Drehmoment ab der ersten Umdrehung, 4,4 Sekunden von 0 auf 100. Und bei 217 km/h wurde beim Testauto sanft abgeregelt. Nicht vergessen: Es geht um ein reines Elektro-Auto.

Wie sich das auf freier Wildbahn anfühlt, lässt sich nur schwer beschreiben. Ein Versuch: Der 2,1-Tonner geht ab, dass Beifahrer Panikattacken riskieren und dicke Autos an der Ampel zu lahmen Krücken mutieren. Der Tesla ist derartig dynamisch, dass das dicke Grinsen beim Fahrer dauerhaft ins Gesicht gemeißelt ist.

Diese fulminanten Fahrleistungen werden übrigens nicht durch die oft beschworene „sportliche Härte" ermöglicht. Die Elektronik sorgt für ein vergleichsweise sanftes Gleiten, die Lenkung ist angenehm direkt, das Gesamtpaket konkurrenzlos leise, ehe etwa ab 160, 170 Sachen die Windgeräusche stärker werden. Und über 200 dann doch ziemlich laut.

Also düsen wir lieber mit 140, 150 Sachen über die Autobahn. Das sorgt für reichlich Reichweite. Wer sich zurückhält, schafft mit dem 85 kWh-Akku gute 400 Kilometer. Mehr als 400 Kilometer mit einem E-Auto! Das ist angesichts der bisher üblichen Radien von gerade mal 130 bis 150 Kilometern ein absoluter Quantensprung.

Wie viel CO2 der S dabei pro Kilometer ausstößt, hängt von der Stromquelle ab. Am feinsten wäre Öko-Strom, dann geht der Ausstoß gegen null.

In Euro und Cent lässt sich der Energie-Konsum natürlich auch ausrechnen. Etwa 5,50 bis 6,50 Euro pro 100 Kilometer sind es bei normaler Fahrweise, im Alltagsbetrieb. Damit können nur extrem sparsame Diesel mithalten - aber nicht in dieser Wagenklasse.

Allerdings ist der Anschaffungspreis natürlich eine Sache für sich: Die 60 kWh-Version kostet ab 71 400 Euro, mindestens 95 900 Euro sind für die 85er-Performance-Version fällig, mit ein paar netten Extras ist man schnell über der 100 000er-Marke.

Kleiner Trost: Auf die Akkus gewährt Tesla acht Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung.

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