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Bernies Buddy

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Foto: Jen Osborne für der Freitag

Ethan Young ist ein Wortführer der Neuen Linken in den USA. Von Brooklyn aus kämpft er engagiert für Bernie Sanders. Über sich selbst schweigt er lieber


Schon als Teenager war Ethan Young, Jahrgang 1952, in sozialen Bewegungen aktiv. Seit Jahren engagiert sich der in Brooklyn lebende Autor etwa im Left Labour Project, einem Zusammenschluss New Yorker Gewerkschafter. Außerdem schreibt er für linke Magazine und Webseiten. Gerade in diesen Wochen ist Young besonders viel unterwegs: als glühender Unterstützer der Präsidentschaftskampagne von Bernie Sanders, in der Initiative People for Bernie. Für die Rosa-Luxemburg- Stiftung verfasste er jüngst das Dossier Risse im Beton über linke Wahlerfolge in den USA.


Wir trafen Young während seiner Lesereise in Berlin - und er ließ uns gleich wissen, dass er über sich selbst nur sehr ungern spricht. Ganz ernsthafter Polit-Aktivist, blockte er alle Fragen nach Privatem ab. Glücklicherweise gibt es derzeit ja genug andere spannende Themen. Und so sprachen wir mit ihm über die Renaissance linker Ideen, über die Notwendigkeit sozialer Bewegungen, über feministische Hoffnungen und vor allem eben über: Bernie.


der Freitag: Herr Young, Sie machen seit Monaten Wahlkampf für Bernie Sanders. Wie wahrscheinlich ist es, dass er gewinnt?

Ethan Young: Sehr unwahrscheinlich. Ich finde das aber auch zweitrangig. Das Bemerkenswerte an Bernie ist nicht, dass er Präsident werden könnte, sondern dass er jetzt schon die Spielregeln amerikanischer Politik verändert hat.

Das Ziel der Sanders-Wahlkämpfer ist also gar nicht der Sieg?

Doch, natürlich. Die Menschen, die für ihn Wahlkampf machen, wollen, dass er Präsident wird. Ich glaube aber nicht, dass er es schaffen kann, die Hürden, die jetzt noch kommen, zu überwinden.

Welche Hürden?

In den USA glauben wir, dass wir die großartigste Demokratie der Welt sind. Das Gegenteil ist der Fall. Unsere Wahlen sind wie ein Labyrinth, mit verschiedenen Ebenen, und die sind am Ende nicht mal entscheidend. Die Wähler bestimmen nicht selbst, sie wählen auch wieder nur Wahlmänner, also ein Gremium, das schließlich über den neuen Präsidenten abstimmt. Zudem ist Korruption normal: Seit kurzem gibt es etwa elektronische Wahlmaschinen, die man sehr leicht manipulieren kann.

Warum engagieren Sie sich, bei diesen grundlegenden Zweifeln, dennoch in diesem Spiel?

Der aktuelle Wahlkampf hat etwas wahrlich Revolutionäres. Wegen Bernie Sanders. Wir haben es hier mit einer Bewegung zu tun, die sich klar gegen neoliberale Politik engagiert. Damit hatte niemand gerechnet. Das ist ein Neustart für die amerikanische Linke.

Sie haben keine Angst, dass diese Frische im Wahlkampf gleich wieder aufgerieben wird und sich daran erschöpft?

Nein. Es sind doch nur drei Monate. Die amerikanische Linke hat Schlimmeres erlebt als einen verlorenen Wahlkampf.

Was zum Beispiel?


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