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Horst P. Horst: Der Lichtmeister

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„Die Eleganz seiner Bilder lässt einen zu einem fernen Ort und zu einer Sicht entschweben, die Menschen schöner macht. Du wunderst Dich, wer diese Personen sind und Du willst sie kennen lernen und Dich in sie verlieben", beschreibt der Promi-Fotograf Bruce Weber die Bilder eines der wichtigsten Fotografen des zwanzigsten Jahrhunderts: Horst P. Horst. 1906 als Horst Paul Albert Bohrmann im sächsischen Weißenberg geboren, begann der gelernte Möbeltischler Anfang der Dreißigerjahre als Assistent bei der Architektur-Legende Le Corbusier in Paris seine Laufbahn. Doch der große Meister trennt sich vom „deutschen Wilden", als dieser sich ihm weigert, zwei Bidets nebeneinander einzubauen. Horst beharrte darauf, diese sich gegenüber aufzustellen.

Horst P. Horst ließ sich nicht verbiegen, er suchte einen Weg für sein künstlerisches Schaffen. Er brauchte jemanden, der dies erkannte und ihm die Plattform dafür bot. Diesen jemand fand er an einem Spätnachmittag in einem Pariser Café. Baron George Hoyningen-Huene, Zeichner und Fotograf der französischen VOGUE sah in ihm seinen Fotoassistenten. Horst war sofort von der neuen Kunstform Fotografie fasziniert. Seine Ausbildung zum Möbeltischler und die Lehrjahre bei der Bauhaus-Gruppe beeinflussten sein Schaffen von eleganten Fotografien. Mit geringen Mitteln und idealer Belichtung schaffte er es, die Motive perfekt in Szene zu setzen. Und er ließ sich von keinem davon abbringen. Filmdiva Marlene Dietrich weigerte sich zunächst, sich nach seiner Art von Licht fotografieren zu lassen. Es kam zu einer Auseinandersetzung, die Horst gewann. Als sie die Fotos sah, auf denen sie aufgrund Horsts Machart weicher wirkte, war sie begeistert. Er hatte sie noch oft vor der Linse.

In den 1930ern zählte er zu den Starfotografen der französischen VOGUE. Das Motiv „The Mainbocher Corset" wurde später zum Symbol seiner Werke. Eine junge Frau mit Rückenansicht, die ein Korsett trägt. „Das Mädchen weinte die ganze Zeit. Deshalb habe ich es von hinten aufgenommen." Der Ausbruch des zweiten Weltkriegs war in Paris spürbar und so verließ er 1939 fluchtartig Europa und wanderte nach Amerika aus.

In den USA änderte er seinen Namen in Horst P. Horst. Seine Begabung blieb auch in der Neuen Welt nicht unentdeckt. Berühmt sind seine Porträts von Prominenten wie Steve McQueen, Herbert von Karajan, Andi Warhol. Seinen Freundeskreis, nicht nur beruflich, bilden Coco Chanel, die nach seiner Aussage einen schlechten Teint hat, Elsa Schiaparelli, Salvador Dali. Bis in die späten Achtziger arbeitet er ununterbrochen. Er starb am 18. November 1999.

Nun widmet das Victor & Albert Museum in London Horst P. Horst eine Ausstellung. Während seiner 60-jährigen Karriere entstanden etwa 22.000 Werke. Davon sind in London 250 Fotos ausgestellt. Das Highlight bilden mehr als 90 VOGUE-Cover. Neben seinen Modefotografien sind Porträts von Prominenten, darunter auch das berühmte von Marlene Dietrich, ausgestellt. Doch seine Kunst ist weitereichender. Weniger bekannte Ausstellungsstücke zeigen seine Leidenschaft für den Bauhausstil wie für antike Kunst und den Surrealismus. Dazu zählen Aktstudien, Reisefotografie und Studien von Naturformen. „Fotos sind für mich Überraschungen und keine Berechnungen", hat er einmal gesagt. Eine schöne Überraschung, die er der Nachwelt hinterlassen hat.

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