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Pack deine Sachen und geh auf Weltreise. Jetzt!

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© Christoph Beier und Mathias Rhode

Die Berliner Christoph Beier und Mathias Rhode reisen aktuell in 202 Tagen um die Welt. Wie sie sich darauf vorbereitet haben - und was sie anderen raten, die es in die Ferne zieht.

Von Maria Ugoljew

Tipp 1: Verreise mit der richtigen Person.
Christoph und Mathias kennen sich seit vier Jahren. Sie waren vor ihrer Weltreise schon mehrmals miteinander unterwegs. Mit einem VW-Bus bereisten sie gemeinsam Polen, Dänemark sowie Nordamerika und Kanada. „Ein Bulli ist nicht sonderlich groß, man hockt da ziemlich dicht aufeinander", sagt Mathias. „Da kann man sehr gut testen, ob man zusammen passt oder nicht." Das Ergebnis ihrer bis zu dreiwöchigen Trips war: Ja, es passt. Let's do the Weltreise together!

Allein, ohne Begleitung, hunderte Tage zu verreisen - das war für beide keine Alternative. „Zwei Personen, das ist eine gute Anzahl", sagt Mathias. „Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden", meint Christoph. Beide finden, es sei ein großer Vorteil, sich austauschen zu können. „Man trifft zwar viele Menschen, mit denen man sich unterhält. Aber im Grunde bleibt es immer beim Smalltalk mit den selben Fragen wie 'Wie heißt du?', 'Wo warst du?' und 'Wo fährst du als nächstes hin?'", sagt Mathias.

Tipp 2: Wähle die Route sorgfältig aus.
Vor dem Abflug wussten Christoph und Mathias genau, welche Länder sie bereisen wollen. Die Route stand fest. Ein Jahr lang haben sie sich darüber Gedanken gemacht. „Wir mussten genau planen, weil wir mit dem halben Jahr nur ein kleines Zeitfenster zur Verfügung haben", sagt Mathias, „wer eineinhalb Jahre reist, kann das noch mal ganz anders angehen."

Während der Vorbereitung wurde ihnen klar, dass für sie ein „All-Around-The-World-Ticket" nicht in Frage kommt. „Das war uns nicht flexibel genug", sagt Mathias. Sie entschieden sich, jeden Flug einzeln zu buchen. Bei der Festlegung der Route berücksichtigten sie vor allem eines: das Wetter. „Myanmar wollten wir nun nicht ausgerechnet während der Regenzeit besuchen, Buenos Aires nicht im tiefsten Winter. Und in Alaska gibt es sowieso nur ein kleines Reise-Zeitfenster", sagt Christoph. Doch nicht jeder reist so weitsichtig, wie die beiden. „Wir sind schon vielen Leuten begegnet, die ganz überrascht waren vom Wetter", ergänzt Christoph.

Während die Flugroute von Anfang an feststand, haben sie sich vor Ort eine gewisse Flexibilität gelassen: Unterkünfte suchen sie erst bei der Ankunft, auch wie sie das Land erkunden wollen - ob per Auto, Bus oder Bahn - entscheiden sie spontan. „Einige Eintrittskarten zu Sehenswürdigkeiten haben wir uns aber schon vorab bestellt", sagt Christoph. Für Alcatraz sei das zum Beispiel zu empfehlen. Auch das Mietauto in Alaska müsse man Monate vorher reservieren: „Wir haben das sieben Monate vorher gebucht - und da meinten die trotzdem zu uns, wir seien schon ganz schön spät dran." Wer nach Japan reist, dem empfehlen sie vorher den „Japan Rail Pass" zu kaufen. „Denn den gibt es nicht vor Ort", sagt Mathias.

Tipp 3: Vermeide Streit.
Mathias und Christoph haben bisher keine größeren Konflikte ausgefochten. Das größte Potential für Auseinandersetzungen sehen sie in der Route. „Aber die haben wir ja vorher sorgfältig bestimmt", sagt Mathias. Außerdem sollte es auch über die Art der Unterkunft Einverständnis geben. „Für uns war von Anfang an klar, dass wir nicht in Mehrbettzimmern schlafen wollen. Wenn man nicht lange unterwegs ist, geht das ja noch, aber nicht bei einem halben Jahr", sagt Christoph.

Mit der Zeit werden beide jedoch anspruchsloser. „Hauptsache es gibt ein Bett, vier Wände und es ist sauber", sagt Mathias, und ergänzt: „Man wird da immer gelassener." Geschlafen wird abwechselnd in Hotels, Hostels, Zelten oder privaten Wohnungen.

Tipp 4: Vor der Abreise: Checkliste machen
Ohne Checkliste keine Chance: „Da waren wir wirklich ganz spießig", sagt Mathias. Alles wurde dort bis ins kleinste Detail festgehalten: Ob eine längerfristige Auslandskrankenversicherung abgeschlossen wurde, die richtige Kreditkarte vorhanden ist, alle Impfungen eingeholt oder die notwendigen Visen beantragt wurden.

„Mit einem deutschen Pass hat man es wirklich leicht, durch die Welt zu reisen", sagt Christoph, „wir haben nur zwei Visen benötigt - eines für Myanmar und ein zweites für Bhutan." Vor ihrer Abreise haben die beiden Weltreisenden auch alle ihre Dokumente eingescannt. „Entweder man schickt sie sich dann per Email oder lädt sie in eine Cloud. Wir haben uns für letzteres entschieden", erklärt Mathias.

Tipp 5: Packe nur das Nötigste in den Koffer.
Die goldene Regel der beiden jungen Männer lautet: So wenig wie möglich mitnehmen. „Man kauft sich vor Ort immer was und wäscht sowieso zwischendurch", sagt Mathias. 15 Kilo seien das Maximum. Am besten sei man mit einem Reiserucksack unterwegs. Vom Rollkoffer raten sie dringend ab. „Es gibt nicht überall asphaltierte Straßen", sagt Christoph. Außerdem haben sich bisher auch folgende Utensilien als sehr nützlich erwiesen: eReader statt zahlreiche Reiseführer in gedruckter Form Wäscheleine, eine Reiseapotheke Sonnencreme („Die ist überall teuer, weil die meistens nur von Touris verwendet wird", sagt Mathias) Taschenlampe („Es war echt sehr dunkel in Alaska", so Mathias) Taschenmesser („Aber nicht ins Handgepäck!", warnt Christoph) Kissen („Ich lege mir das auch gern mal unter den Po, wenn der Sitz im Bus zum Beispiel zu hart ist", sagt Christoph) Seiden-Schlafsack („In den Tropen super praktisch, aber auch dann, wenn das Bett eklig ist. In den USA hatten wir so einen Fall", sagt Christoph) kleiner Laptop - zum Beispiel fürs Bloggen auf Traveler Story, der Blog der beiden Jungs

Tipp 6: Rede mit deinem Chef.
Vor ihrer Weltreise waren Mathias und Christoph Angestellte. Mathias arbeitete im Online-Marketing, Christoph an der Universität in Potsdam. Beide haben mit ihren Chefs im Vorfeld über ihre Idee gesprochen. Doch nicht beide Arbeitgeber haben sich darauf eingelassen, einen Kompromiss zu finden. Mathias hat seinen Job gekündigt. „Sechs Monate am Stück zu verreisen, das war in der Firma nicht möglich. Deshalb gibt's bei mir nun erstmal einen großen Cut, und klar, auch eine gewisse Unsicherheit ", sagt er.

Christoph ist für das halbe Jahr hingegen beurlaubt worden. Er bekommt in der Zeit zwar kein Gehalt, seine Stelle bleibt jedoch erhalten. „Ich weiß, wann ich dort wieder anfange zu arbeiten", sagt er.

Tipp 7: Habe genug Geld.
„Man braucht ein klares Konzept darüber, wieviel Geld man benötigen wird", sagt Mathias. 3000 Euro - rund 100 Euro pro Tag - stehen ihnen monatlich gemeinsam zur Verfügung. „Das reicht extrem gut, wir müssen nicht sparen oder hungern. Wir können gut essen und Schönes erleben", sagt Mathias. Das Geld haben sie nicht bar dabei, sondern auf einem Gemeinschaftskonto, das sie vor der Reise eröffnet haben.

Nicht jeder Monat kostet genauso viel. Asien sei um einiges günstiger als die USA oder Alaska beispielsweise. „Auch in Brasilien war es aufgrund der Wirtschaftskrise recht günstig. Der Real ist dort total abgestürzt", sagt Christoph. Und wenn sie während eines Monats doch mal mehr ausgeben, dann wird im nächsten eben gespart.

Tipp 8: Informiere dich genau über die Länder, in die du reist.
Schon im Vorfeld haben sich Christoph und Mathias über ihre Reiseziele informiert. Geschichte, Politik, Alltagskultur - all das sei wichtig zu wissen, meinen sie. „Man versteht mehr und erträgt kulturelle Unterschiede auch besser", sagt Christoph. „Außerdem versuchen wir uns vor Ort immer eine englischsprachige Tageszeitung zu besorgen, die gibt es fast überall", ergänzt er. Nur diejenigen, die sich gut vorbereiten, werden hinter die Standard-Touri-Fassade blicken können, meinen Christoph und Mathias. Was darüber hinaus auch immer möglich sei: Offen sein - und mit den Menschen vor Ort sprechen. „Die wissen am besten Bescheid", sagt Mathias.

Ihre Reise-Taktik habe sie schon mehrfach an ungewöhnliche Orte und zu einzigartigen Veranstaltungen geführt. So erlebten sie in Alaska beispielsweise das dreitägige Salmonfest. „Das ist das größte Fest der Alaskaner mit etwa 3000 Menschen", sagt Christoph, „die bemalen sich dort, laufen in Bathik-Klamotten rum, essen Fisch. Es war toll, auch wenn die Musik eigentlich nicht unsere war."

Größere Kultuschocks blieben den Beiden bisher erspart. „Wir würden nie sagen, dass etwas per se blöd war, weil es zum Beispiel dreckig war auf der Straße oder so", sagt Christoph. Es gebe nunmal in jedem Land Eigenheiten. „Dhaka war so eine Müllhölle", ergänzt er, „ich möchte zwar nicht unbedingt noch mal dort hin, aber missen möchte ich es auch nicht. Es war sehr spannend."

Tipp 9: Egal was passiert - immer die Ruhe bewahren.
Sobald auf der Reise etwas schiefgeht, sollte man vor allem eines tun: Ruhe bewahren und einen neuen Plan zurechtbasteln. „Man entwickelt eine gewisse Entspanntheit. Aber uns ist bisher auch nie etwas wirklich Schlimmes passiert. Vielleicht wurde mal ein Flug storniert oder wir haben den Bus verpasst oder unser Hotelzimmer nicht bekommen", sagt Mathias. Das seien alles Kleinigkeiten.

Auch, als sie eines Morgens in Peru feststellten, dass sie im Hotel eingeschlossen waren. „Wir wollten um 4.30 Uhr los, um rechtzeitig nach Machu Picchu (Ruinenstadt der Inkas, Anm. d. Red.) zu kommen, also mussten wir das Hotel eben durch das Fenster verlassen", sagt Christoph.

Auf was sie bisher immer wieder zählen konnten, war die Hilfe der Einheimischen. „Es gibt so viele Menschen, die einem vor Ort helfen, das ist echt cool", sagt Mathias, „außerdem muss man sich immer wieder vergegenwärtigen: Wir erleben hier gerade wirklich ein Privileg. Die meisten Menschen können nicht einfach mal eine Weltreise machen."

Tipp 10: Bleibe in Kontakt mit deiner Familie.
Deutschland vermissen Christoph und Mathias nur ganz selten. Wenn, dann nur Kleinigkeiten - wie im Fall von Mathias, der Airwaves-Kaugummis oder Club-Mate vermisst. Christoph würde gern mal wieder in eine frisch gebackene Scheibe Sauerteig-Brot beißen: „Es gibt fast überall nur Weißbrot. Die Brotkultur, wie sie es in Deutschland gibt, findet man so gut wie nirgendwo." Mit Freunden und der Familie stehen beide stets in Kontakt. „Das ist heutzutage wirklich kein Problem", sagt Mathias. Eine E-Mail sei schnell geschrieben. So hat er auch kurzfristig davon erfahren, dass seine Schwester die Geburt ihres zweiten Kindes gut überstanden hat. „Ich war sozusagen live dabei - obwohl ich gerade in New York bin." Auf ihrer Reise durch Peru, Bolivien und Indonesien haben sie derweil Verstärkung bekommen: Freunde aus Berlin besuchten sie dort. „Das hilft natürlich auch gegen Heimweh", sagt Mathias, „und es ist eine willkommene Abwechslung." Christoph und Mathias erzählen auf Instagram von ihrem Leben als Weltreisende.

(VÖ 2.11.2015, www.bento.de)
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