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Review

Konzert: 20 Jahre MIA

20 Jahre MIA. sind 20 Jahre Kontroversen, sind 20 Jahre Stilwechsel, sind 20 Jahre schrill. Doch die Katze lässt das Mausen nicht, und deswegen versetzt die Berliner Formation um Maria Mummert mit ihren 20 Jahren Bühnenerfahrung den Hirsch quasi mit einem Ärmelschütteln in diesen einen speziellen Zustand, der einem das Gefühl gibt, das Konzert finde einzig und allein deinetwegen statt. Für mindestens zwei Besucher wird das für drei Minuten Wirklichkeit, finden sich doch Agi und Phillip unversehens auf der Bühne wieder und bekommen zwar nicht den kurz angedrohten neuen Haarschnitt, wohl aber quasi eine Exklusivperformance. Man muss halt auf alles gefasst sein bei so einem MIA.-Konzert, das als große Geburtstagsparty angekündigt war. Dafür gibt es ein bisschen Luftballons und Lampions, auch, obligatorisch mittlerweile, Seifenblasenkanonen dürfen nicht fehlen, ansonsten halten sich Mieze & Co. aber beinahe überraschend zurück, was die Optik betrifft. Klar: Es werden Outfits gewechselt wie Rhythmen, mal gibt’s Mieze im blähenden Fallschirm, mal im spiegelverbrillten Büßergewand, vor allem aber ist es die inhaltliche Reminiszenz an sich selbst, die MIA. zur Feier mit nach Nürnberg bringen. Gespickt mit dem lustigen Kniff, die eigenen Lieblingslieder von anderen Künstlern wie Gregor Meyle oder Madsen covern zu lassen und diese Neuinterpretationen selbst wieder zu spielen, ergibt sich eine ziemlich abwechselnde Mischung aus Katzenjammer und Hymne, aus schrill und hart, aus leise und Gänsehaut, die sich vor allem bei der laut eigener Aussage verselbstständigten Ballade „Hoffnung“ einmal von vorn nach hinten über alle Arme und Kopfhäute zieht, wenn der Saal einstimmig das Lied singt, dem er sich anvertraut. Ein Gefühl, sagt Mieze, das kann man sich nicht runterladen, das war einfach da. MIA. tanzt, MIA. lacht, MIA. ist ausgezogen, um hungrige Herzen zu suchen, routiniert sich Hieb und Stichfest als gar nicht Stille Post durch Zirkus und Club, spricht Tacheles und ist Mode, vor allem aber live sehr viel poppiger, glatter und eingängiger als die Alben es vielleicht befürchten, mindestens erwarten lassen, und damit man nicht zwischendurch versehentlich vergisst, dass MIA. nicht Mieze ist, sondern auch Andi, Bob und Gunnar, dürfen die Jungs gelegentlich eine außerinstrumentale Aufgabe oder gar mal kurz aber ambitioniert das Mikro übernehmen. Die Besucher (weiblich, vielleicht ledig, nicht mehr ganz jung) singen glücklich mit, haben vielleicht ein bisschen mehr Protest erwartet von der Band, die 2013 die Echo-Nominierung verweigerte und Frei.Wild zum Kotzen findet, verzeihen, so es etwas zu verzeihen gibt, freilich alles spätestens beim ewigglücklichen Tanz der Moleküle. Ihr seid so schön, wenn ihr lacht, singt Mieze, lass deine Monster frei, du bist nicht allein, und auch „das Feuilleton zerreißt mich.“ Ach nein, keine Sorge. Heute mal nicht. Es ist was es ist.