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"Blutverschmierte Kanacken" - eine Sprachnachricht aus Chemnitz schildert krasse Gewalt

Gab es am vergangenen Sonntag eine Hetzjagd auf Migranten in Chemnitz? Immer mehr rechte Medien und rechte Politiker bestreiten das.

In einer Sprachnachricht, die offenbar in Chemnitzer Whatsapp-Gruppen kursiert und watson vorliegt, ist hingegen von "blutverschmierten Kanacken" und einem "gesäuberten Zentrum" die Rede.

Seit den Protesten und Gewalttaten vom Sonntag schaut das ganze Land auf Chemnitz. Weniger als einen Tag, nachdem ein 35-Jähriger am Rande des Chemnitzer Stadtfestes erstochen wurde, gingen bis zu 1000 Menschen in der sächsischen Stadt auf die Straße. Einige von ihnen lieferten sich dabei nicht nur Auseinandersetzungen mit der unterbesetzten Polizei. Es kam mehrfach zu Angriffen auf Migranten. Beobachter sprechen von regelrechten Jagdszenen.

Rechte Medien und Politiker spielen die Gewalt herunter

Vor allem rechte Medien wie die "Junge Freiheit" oder der Blog der ehemaligen Grünen- und CDU-Politikerin Vera Lengsfeld, aber auch rechte Politiker wie der AfD-Parteivorsitzende Jörg Meuthen, behaupten dennoch mit großer Überzeugung, es habe keine Hetzjagd gegeben.

Mitunter beziehen sie sich dabei auf eine Aussage des Chefredakteurs der Lokalzeitung "Freie Presse", Torsten Kleditzsch. Der sagte in einem fast zehnminütigen Gespräch mit dem Deutschlandfunk mehrere Sätze, die seit Mittwoch vermehrt von rechten Medien zitiert werden:

Diese Aussagen tätigte er auf die Frage hin, wie überregionale Medien über den Fall berichtet hätten. Die "Freie Presse" berichtet selber von "Jagdszenen".

Die Aussage von Kleditzsch benutzen nun aber rechte Medien und rechte Politiker, um die Gewalt komplett herunterzuspielen.

Vera Lengsfeld veröffentlichte in ihrem Blog einen anonymen "Augenzeugenbericht". Darin heißt es, Migranten, die angegriffen worden seien, seien daran selber Schuld gewesen:

Diese Sprachnachricht kursiert

Eine Sprachnachricht, die offenbar in Chemnitzer Whatsapp-Gruppen kursiert, zeichnet jedoch ein anderes Bild. Ein offensichtlich rechtsextremer Augenzeuge schildert darin, was er am Sonntagnachmittag in der Stadt erlebt habe. "Jeder Ausländer" habe von der Polizei die Anweisung bekommen, sofort das Stadtzentrum zu verlassen. Der Mann berichtet:

Am Ende habe er selbst wegrennen müssen, weil er Pfefferspray von der Polizei abbekommen habe.

Die Sprachnachricht wurde watson zugespielt - zusammen mit weiteren Sprachnachrichten, in denen die gewalttätigen Proteste befürwortet oder Falschnachrichten über das vorangegangene Tötungsdelikt verbreitet werden. Die Nachrichten, die verschiedene Personen aufgenommen haben, verbreiteten sich offenbar über private Whatsapp-Gruppen. Die Echtheit der Nachrichten lässt sich bislang nicht unabhängig bestätigen.

Watson veröffentlicht die Sprachnachricht hier im Original. Lediglich die Stimme des Sprechenden ist verzerrt:

So werden Whatsapp-Gruppen benutzt:

Die Schilderungen des Mannes klingen etwas übertrieben, decken sich aber grundsätzlich mit weiteren Berichten von vor Ort. Der freie Journalist Johannes Grunert, der die Proteste am Sonntag beobachtet hat, berichtete im Interview mit watson:

Auf Twitter berichtete Grunert auch davon, dass Polizisten Migranten am zentralen Karl-Marx-Monument in der Chemnitzer Innenstadt weggeschickt hätten, was die Polizei auf Twitter dementiert hatte.

Ein Video vom Sonntagnachmittag zeigt, wie eine Gruppe Rechtsextremer zwei Männer gewaltsam über eine befahrene Straße jagt.


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