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Dauersingles: Gibt es wirklich immer mehr Singles? | Wunderweib

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Wie Dauersingles sich selbst in der Liebe blockieren, das erläutert hier Eric Hegmann, Parship-Coach und Paarberater. Dauersingles: Warum so viele Menschen lange Single bleiben


Der Wunsch nach Verbindung mit einem Menschen, für den wir die wichtigste Person sind, ist ganz tief in uns verankert. Der Fachbegriff lautet Bindungsverhalten. In der sogenannten Bindungstheorie wurde untersucht, woher diese Sehnsucht nach Liebe, nach Zuneigung, Anerkennung und Austausch stammt. Die Ursache ist wohl, dass wir als Babys alleine nicht überleben können. Das bedeutet, kaum können wir die ersten Gedanken fassen, erfahren wir uns sofort als ein Wesen, das nur in einer Gruppe bestehen kann, und deshalb suchen wir unser Leben lang nach Bindung. Die Erfüllung finden wir, wenn wir die eine Person finden, mit der wir uns vorstellen können, das ganze Leben zu teilen.


Alleine durchs ganze Leben zu gehen, ist ein eher seltener Wunsch

Zwar benötigen wir wohl alle auch einmal unsere Ruhe, wollen selbstbestimmt Entscheidungen treffen, uns nicht abstimmen und ganz autonom sein, doch gleichzeitig sehnt sich unser Gehirn nach Austausch, es will neue Erfahrungen machen und lernen. Dabei möchten wir auch die Bestätigung erleben, dass wir angenommen werden und die älteste Form der Anerkennung, aus einer Zeit, in der wir noch nicht sprechen konnten, war es, angefasst, berührt und umarmt zu werden.


Singlesein ist kein Makel

Kein Wunder also, dass für viele Singles das Alleinsein eine Qual ist. Sie sind frustriert von der Partnersuche, von den Zurückweisungen, den Dates voller Versprechungen, die nicht eingelöst werden und den Enttäuschungen auf dem Weg des Kennenlernens.

Einige Singles entscheiden sich ganz bewusst für ein Leben ohne Partner, andere warten ab, bis der Passende kommt; andere führen alternative Beziehungsmodelle wie Freundschaft Plus und wieder andere leiden ernsthaft unter erfolgloser Partnersuche.

Nach einer gemeinsamen Studie von Parship und ElitePartner sehnen sich über 80 Prozent der beinahe 17 Millionen Singles in Deutschland nach einem Partner an ihrer Seite.

Bei so vielen Suchenden fragen die sich, warum finden wir uns eigentlich nicht?

Eine häufige Klage ist: „ Ich gerate immer an die Falschen." Oft heißt es auch: „ Ich bleibe lieber alleine, als dass ich meine Ansprüche herunterschraube und zu viele Kompromisse mache." Immer wieder fällt auch der Vorwurf: „ Singles heute sind viel zu unverbindlich! "

An all diesen Gründen ist durchaus etwas dran. Mein Eindruck ist, wenn ich mich mit Singles unterhalte, dass die hohen Ansprüche häufig eine Schutzstrategie darstellen. Wir führen heute viel mehr Beziehungen im Leben, als jemals zuvor, seien sie auch noch so kurz. Jede Trennung, jedes Beziehungsaus hinterlässt schmerzhafte Erinnerungen.

Heute machen Menschen mehr schlechte Dating-Erfahrungen als jemals zuvor. Jede Zurückweisung verletzt den Selbstwert. Eine Kündigung im Job geht nahe, aber eine Trennung ist oft eine traumatisch erlebte Katastrophe. Diese Erlebnisse steigern Verlust- und Bindungsangst. Das führt dazu, dass sich immer mehr Singles selbst diagnostizieren und fragen: Was stimmt nicht mir?


Schutzstrategien vor Verletzungen boykottieren die Partnersuche Es ist nur menschlich, dass man die Schmerzen einer Trennung nicht wiederholen möchte. Deshalb entwickeln wir Schutzstrategien gegen Verletzungen. Sie können sich beispielsweise darin ausdrücken, dass wir beinahe unerreichbare Erwartungen stellen, nur um eben nicht wieder enttäuscht werden zu können und ein Risiko eingehen zu müssen. Nur verhindert diese Strategie nicht nur schlechte Entscheidungen, die man später bereut, sie verhindert überhaupt eine Entscheidung. Unverbindlichkeit ist oft weniger die Suche nach etwas Besserem, sondern die Angst vor erneuter Enttäuschung. Liebe benötigt Mut und ist nichts für Feiglinge, das ist nicht neu. Wer sich eine Beziehung wünscht, monogam und exklusiv, eine Familie und ein gemeinsames Leben bis der Tod scheidet, der trifft die weitreichendste Entscheidung seines Lebens. Die will und muss wohl überlegt sein. Je konkreter und dauerhafter die Vorstellung von Partner und Beziehung, umso schwerer fällt diese Entscheidung. Diese Entwicklung geht zusammen mit dem gesellschaftlichen Drang und Zwang zur Selbstoptimierung. Ein Blick in Instagram, Facebook und jedes Sportstudio zeigt ja: Fühle ich mich nicht gut genug für den vermeintlichen Traumpartner, strebe ich nach einer verbesserten, möglichst perfekten Version meiner selbst. Doch das ist andauernder Stress und viele Singles verlieren gehetzt das Wichtige aus den Augen, nämlich die Liebenswürdigkeit und den optimistischen Blick auf die Zukunft - also alles, was landläufig sympathisch macht. Partnersuche ist schwer geworden heute, trotz aller Hilfsmöglichkeiten

Es ist leicht geworden, neue Kontakte zu knüpfen. Online Dating macht es einfach. Letztlich sind viele Dating-Services nichts weiter als eine erleichterte Form der Kontaktaufnahme und vielleicht ist der Gedanke sehr pragmatisch, aber viel mehr müssen sie auch nicht leisten. Dass aber aus einem Kontakt ein Kennenlernen wird, das die ersten Wochen und Monate Interesse und vielleicht sogar Verliebtheit übersteht, erleben immer mehr Menschen als zunehmend schwieriger.


Je mehr Furcht wir vor falschen Entscheidungen haben, umso mehr Garantien wünschen wir uns in der Liebe. Und das in einer Zeit, in der wir alle die Freiheit haben, Leidenschaft und Intimität zu entdecken und mit unserer Lust und unseren Bedürfnissen zu experimentieren. Also wird gleichzeitig mit dieser Freiheit die Verlustangst größer denn je, weil frei verfügbare Pornografie ebenso wie Sex-Partys und Seitensprung-Portale unsere Sicherheit bedrohen.


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