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10 Jahre DocsDF: Auf der Leinwand spielt das wahre Leben

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Bei Dokumentarfilmen hat man wohl zuerst putzige Tierfilme oder die schönsten Bahnstrecken vor Augen. Dass das Genre viel mehr zu bieten hat, beweist seit nunmehr zehn Jahren das „Festival Internacional de Cine Documental" in Mexiko-Stadt. Zum Jubiläum präsentiert das Festival ein Best-Of aus seinem Filmarchiv: von Straßenmusikern in Chile bis zu Straßendieben in Mexiko.

Von Daniel Schlicht


Als im Jahr 2006 das Festival Internacional de Cine Documental de la Ciudad de México an den Start ging, waren Dokumentarfilme eher etwas für leicht verschrobene Liebhaber. In Mexiko gab es kein einziges Forum, das sich der Gattung widmete. Mittlerweile, zehn Jahre später, hat das Genre seinen Nischenplatz längst verlassen und lockt mit Produktionen wie „Unsere Erde" oder „Eine unbequeme Wahrheit" weltweit Tausende in die Kinosäle.

In Mexiko haben das jährliche Internationales Dokumentarfilmfestival, kurz „DocsDF" genannt, und das reisende Filmfestival „Ambulante" eine große Fangemeinde gefunden. „DocsDF" gilt dank der Förderung und Verbreitung zeitgenössischer Dokumentarfilme, aber auch aufgrund seiner Unterstützung von Filmprojekten in Mexiko und ganz Lateinamerika als eines der wichtigsten Festivals seiner Art auf dem amerikanischen Kontinent.

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Festivals haben die Kuratoren ihr Filmarchiv geöffnet und eine Auswahl der besten Dokumentarfilme aus den vergangenen Jahren zusammengestellt. Vom 9. April bis zum 24. September wird jede Woche donnerstags im Goethe-Institut in Mexiko-Stadt ein Dokumentarfilm zu sehen sein.

Die Themen sind dabei ebenso vielfältig wie die Länder, aus denen die Filme stammen: Von Menschenrechten in Turkmenistan, über Straßenmusiker in Santiago de Chile, bis hin zur Geschichte des Weltklasseboxers Kassim Ouma aus Uganda bietet die Filmreihe dem Publikum eine faszinierende und abwechslungsreiche Reise um die Welt. Den Auftakt der Reihe machte am 9. April der Film „Last train home" des Regisseurs Lixin Fan, der die größte Massenmigration der Welt schildert: die jährliche Heimreise von 130 Millionen Wanderarbeitern in China anlässlich des chinesischen Neujahrs.

Am 7. Mai steht die mexikanische Produktion „En el hoyo" von Juan Carlos Rulfo auf dem Programm, die einer sonderbaren Legende auf den Grund geht. In Mexiko erzählt man sich, dass der Teufel für jede Brücke, die gebaut wird, eine Seele als Nahrung verlangt, damit er diese nicht einstürzen lässt. Wie viel Seelenfutter wohl im täglichen Leben mit allen kleinen Momenten, Träumen, Wünschen dem Teufel zum Opfer fällt? Dem geht der Film auf mal nachdenkliche, mal humorvolle Art und Weise am Beispiel von verschiedenen Brückenarbeitern in Mexiko-Stadt nach.

Neben einem weiteren mexikanischen Dokumentarfilm, „ Los ladrones viejos: las leyendas del artegio" (23. Juli), ein beindruckendes Porträt über die Lebenswelt von Straßendieben in den 1960ern, warten Dutzende internationale Produktionen aus den USA, Kanada, Frankreich und natürlich auch aus Deutschland. (dmz/ds)

Das vollständige Programm mit allen Informationen zu den Filmen findet sich hier auf der Website des Goethe-Instituts. 


Zuerst erschienen am 7. Mai 2015 

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