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Warum die AfD in Brandenburg so stark werden konnte

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AfD-Fraktionschef und Ehrenvorsitzender Alexander Gauland (l.) und Landeschef Andreas Kalbitz beim Parteitag der Brandenburger AfD. In Umfragen lag ihre Partei zuletzt gleichauf mit der SPDFoto: Julian Stähle / dpa


Umfrage-Paukenschlag zum Auftakt des Super-Wahljahres: 2019 könnte Brandenburg ein AfD-Beben drohen! 


▶︎ Am 1. September entscheiden die Brandenburger über ihre (neue) Landesregierung. Acht Monate vor der Landtagswahl liegt die AfD in der Wählergunst bei 20 Prozent – und damit gleichauf mit der SPD. 


Das ergab eine Forsa-Umfrage für die „Märkische Allgemeine“. Für die repräsentative Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut zwischen dem 17. und 20. Dezember 1005 zufällig ausgewählte wahlberechtigte Brandenburger befragt.


Nichtwähler stärken die AfD


Bis September regiert in Potsdam noch ein Bündnis aus SPD und Linke. Seit den Landtagswahlen von 2014 hat die AfD im Heimatland des Bundesvorsitzenden Alexander Gauland allerdings deutlich aufgeholt: Während die SPD etwa ein Drittel der ehemaligen Wählerstimmen in der Forsa-Umfrage eingebüßt hat, legten die Rechtspopulisten um 7,8 Prozent zu.


Dennoch: Dass die AfD noch stärker wird und womöglich sogar Chancen auf eine Machtübernahme hätte, sehen Wahlforscher derzeit nicht. 


„In Brandenburg hat die AfD ein festes Wählerpotential und liegt deshalb konstant bei Werten um die 20 Prozent“, erklärte Forsa-Geschäftsführer, Manfred Güllner, das AfD-Hoch gegenüber BILD. „Aber das führt nicht dazu, dass das politische System auseinandergesprengt wird.“

Das Problem sei vielmehr, dass etablierte Parteien ihre Wähler enttäuschen und nicht mehr an sich binden können. „Oft wird dann davon gesprochen, dass Parteien Wähler an die AfD verlieren, aber das ist ein Missverständnis“, so Güllner. Stattdessen gehen viele gar nicht mehr zur Wahlurne. So auch bei der letzten Landtagswahl. In 2014 blieben zehnmal so viele Brandenburger Wähler zu Hause wie für die AfD stimmten. 


„Genau hier sehe ich Potential für die SPD und die CDU. Wenn es ihnen gelingt, die Nichtwähler zurückzugewinnen, sinkt der AfD-Anteil automatisch“, so Güllner. 

Der Forsa-Chef gibt Entwarnung: Ein stärkerer Aufwärtstrend der Rechtspopulisten sei nicht zu befürchten.

Grüne profitieren von Wählerwanderung

Doch nicht nur die AfD ist im Aufwind: Die Brandenburger Grünen haben sich seit der letzten Landtagswahl stark gesteigert und ihren damaligen Wert von 6,2 Prozent fast verdoppelt. Mittlerweile liegt die Partei in den Umfragen bei 12 Prozent – und folgt damit dem bundesweiten Aufwärtstrend.

Ihr Wahlerfolg in Brandenburg sei auch eine Folge enttäuschter Wähler der anderen Parteien. „Die Grünen profitieren bundesweit und natürlich auch in den einzelnen Ländern von der Schwäche der SPD teilweise auch von einem erwarteten Rechtsruck der CDU“, so Güllner.

Bei der Wahl im September dürften daher auch die Grünen eine Rolle für mögliche Regierungskoalitionen spielen:

► Den aktuellen Umfragewerten zufolge könnte die SPD als ehemals stärkste Partei ihre Regierung mit der Linken nicht halten. Laut dem ersten „Brandenburg-Barometer“ des Jahres hat das rot-rote Regierungsbündnis unter Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) Zustimmungswerte von 46 Prozent.

► Nur eine Koalition aus Rot-Rot-Grün würde das Bündnis erhalten und eine relative Mehrheit von 49 Prozentpunkten bringen. Die CDU, die laut Forsa mit 19 Prozent knapp hinter SPD und AfD liegt, würde mit der AfD dann aber eine starke Opposition von 39 Prozent bilden.

► Holt die SPD die Christdemokraten und die Grünen für eine gemeinsame Regierung ins Boot, hätte sie mit 51 Prozentpunkten die absolute Mehrheit erreicht. Eine Koalition von SPD, CDU und Linke würde mit 56 Prozentpunkten die stärkste Mehrheit bringen. Eine Koalition mit der CDU könnte allerdings intern zu politischen Spannungen führen.

CDU-Landeschef bereit zu Gesprächen mit Linken

Von Seiten der brandenburgischen CDU stehen die Chancen für eine Koalition gut. Erst Ende Dezember verkündete CDU-Landeschef Ingo Senftleben das Ziel seiner Partei in 2019 sei, in die Landesregierung zu kommen. Auch eine Zusammenarbeit mit der Linken schließe er dabei nicht aus.

Senftleben hatte in der Vergangenheit auch eine Koalition mit der AfD nicht ausgeschlossen. Unter AfD-Landeschef Andreas Kalbitz gebe es allerdings keine Gemeinsamkeiten sagte er vor Kurzem. Eine Annäherung von Christdemokraten und AfD als konservativer Flügel, machen die Vorbehalte deshalb unwahrscheinlich.


Neben Brandenburg wählen auch Thüringen und Sachsen 2019 einen neuen Landtag. In allen drei Bundesländern hat die AfD besonders starke Umfrageergebnisse und könnte eine größere Rolle für die künftige Landesregierungen spielen.
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