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Wie gefährlich ist sie jetzt noch? - Le Pen plant schon ihre nächste Attacke

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Trotz Wahlschlappe gibt Le Pen sich nicht geschlagen, denn ein Drittel der Wähler stimmte für die RechtspopulistinFoto: LANGSDON/EPA/REX/Shutterstock

Nach der Wahl ist vor der Wahl! Mit 33,9 Prozent unterlag die Rechtspopulistin Marine Le Pen (48) in der französischen Präsidentschaftswahl deutlich hinter Favorit Emmanuel Macron (39). Europa atmet auf, Frankreich hat sich gegen den Front National und damit gegen den EU-Ausstieg entschieden.

Le Pen hat nach der Schlappe von Sonntag aber schon wieder die nächste Wahl im Blick: Am 11. und 18. Juni wählen die Franzosen ihr neues Parlament.

Die Wut ist nicht gebannt

Zwar hat Emmanuel Macron mit über 65 Prozent der Stimmen deutlich gewonnen. Doch eine Liebeserklärung der Franzosen an ihren neuen Präsidenten drückt diese Zahl nicht aus: Sie haben mehrheitlich gegen Marine Le Pen gestimmt und nicht unbedingt für Emmanuel Macron.

Nicht zu vergessen: Mehr als 40 Prozent der Franzosen stimmten in der ersten Wahlrunde für Wutparteien der extremen Rechten und Linken. Besonders links hat Frankreich einen neuen Polit-Star: Jean-Luc Mélenchon mit seiner Bewegung La France Insoumise („das unbeugsame Frankreich"). Er kam mit 19,58 Prozent der Stimmen in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl auf Platz 4.

Nur etwa ein Drittel der Wähler, die in der ersten Runde für Mélenchon gestimmt haben, haben Macron ihre Stimme gegeben - der Rest enthielt sich oder gab ungültige Wahlzettel ab, weil für sie Macron ein Kandidat des „Systems" ist und mit seinen Reformplänen für die Wirtschaft aus ihrer Sicht ein Sozialabbau droht.

Besonders bei den jüngeren Franzosen (rund 25 Prozent von ihnen sind arbeitslos) konnten die extremen Parteien punkten. Le Pen will neuen Namen für Front National

Ernst trat Marine Le Pen am Sonntagabend im Châlet du Lac vor die Mitglieder des Front National. Eigentlich hatten sich die Parteimitglieder dort zur Wahlparty versammelt. Doch nach der deutlichen Niederlage gegen Emmanuel Macron hielt sich die Feierstimmung in Grenzen: Der parteilose Kandidat zog mit zwei Dritteln aller Stimmen klar an FN-Chefin Le Pen vorbei.

Gedrückte Stimmung auf der Wahlparty der Front National am Sonntag - Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen konnte nur ein Drittel der Wähler überzeugenFoto: LANGSDON/EPA/REX/Shutterstock

Zwar räumte Le Pen die Niederlage gegen Macron ein, Grund zum Optimismus hatte die 48-Jährige aber dennoch: Ihr Wahlergebnis bezeichnete sie als „historisch und massiv". Das Ergebnis in der Präsidentschaftswahl sei das beste, das die Partei bisher erzielt habe.

Ihr Blick ist daher auf die Zukunft gerichtet - und damit auf eine Weiterentwicklung der Front National. Nach Meinung der Partei-Chefin müsse sich die Partei tiefgreifend erneuern. Damit will Le Pen eine neue politische Kraft schaffen, „die zahlreiche Franzosen erwarten und die mehr denn je nötig zur Sanierung des Landes ist." Dazu gehört für die 48-Jährige auch eine Umbenennung des Front National.

Bei einer Namensänderung der Partei muss Le Pen allerdings mit heftigem Widerstand von ihrem Vater rechnen. Jean-Marie Le Pen kritisierte die Idee postwendend: „Die Entscheidung [zur Umbenennung] wird vom Parteikongress abhängen. Sie hängt weder von Marine Le Pen noch von Florian Philippot ab", sagte Le Pen der Zeitung „Le Monde" am Sonntag. Schon am Wahltag sagte Le Pen gegenüber Agenturen, seine Tochter Marine habe nicht das Zeug zur Präsidentin.

Zuspruch von anderen Rechtsaußen-Parteien Europas Rechtspopulisten werten Le Pens Wahlergebnis dagegen durchaus als Erfolg.

►Der niederländische Populist Geert Wilders twitterte tröstend: „Du gewinnst nächstes Mal - und ich auch".

►Heinz-Christian Strache, der Chef der rechtspopulistischen FPÖ lobte, mit Le Pens Wahlergebnis hätten die Rechtspopulisten in Frankreich eine „exzellente Ausgangsposition" für die in wenigen Wochen stattfindende Parlamentswahl.

►AfD-Chefin Frauke Petry gratulierte Le Pen ebenfalls, bedauerte die Wahlniederlage aber auch. Petry hatte Le Pen schon während der Kandidatur offen unterstützt. Die Niederlage in der Stichwahl sei „umso bedauerlicher", als die Front-National-Kandidatin „mit ihrem Sachverstand, klaren Thesen und einer realistischen Vision über die richtigen Antworten verfügt, Stagnation und übertriebene politische Korrektheit zu beenden".

► Voller Kritik meldete sich dagegen AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel zu Wort. Sie warf Le Pen am Montag vor: „Der Front National hat eine ganz klare ultrasozialistische Handschrift."

Le Pens Chancen im Juni Doch Le Pen plant schon die nächste Attacke! Bei den Parlamentswahlen im Juni könnte der Front National erstmals mit einer signifikanten Zahl von Parlamentariern in die Nationalversammlung einziehen.

Bislang hatte das Mehrheitswahlrecht verhindert, dass die Partei viele Abgeordnete in das Parlament abstellt - trotz hohen Stimmanteilen bei den Wahlen. In jedem Wahlkreis muss ein Sieger bestimmt werden, der das Mandat im Parlament bestimmt.

Bislang hatte der Front National nur zwei Sitze bei der Wahl 2012 errungen, eine davon gehörte Marine Le Pens Nichte Marion Maréchal-Le Pen, die mit damals 22 Jahren die jüngste Abgeordnete aller Zeiten wurde.

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