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Syrien-Krieg ++ ISIS-Terror ++ Brexit - Wo es überall knallt oder brennt

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65,3 Millionen Männer, Frauen und Kinder sind weltweit auf der Flucht. Besonders der Krieg in Syrien, die instabile Sicherheitslage in Afghanistan und Krisen wie in Somalia sind die Gründe dafür, dass so viele Menschen ihre Heimat verlassen müssen.

Im Vergleich zu dem, was diese Menschen jeden Tag durchmachen müssen, erscheinen die Probleme in Europa und Nordamerika klein und bedeutungslos, doch auch hier wurden viele Länder von kleineren und größeren politischen Krisen heimgesucht.

Die Übersicht zeigt einige der wichtigsten Ereignisse von 2016 und verrät, welche Ausblicke es für 2017 gibt: Afghanistan

Zwei Jahre nach dem Abzug der Nato-Kampftruppen (Isaf) aus Afghanistan hat sich die Sicherheitslage in dem Bürgerkriegsland vergangenes Jahr massiv verschlechtert. Die Taliban haben ein Drittel des Landes wieder unter ihrer Kontrolle. Allein zwischen März und August starben knapp 5000 afghanische Soldaten - soviel wie im ganzen Jahr zuvor. Und auch zivile Opfer sind immer häufiger zu beklagen. Nach Angaben des US-Sonderbeauftragten für Afghanistan, John F. Sopko, wurden im ersten Halbjahr 2016 so viele Zivilisten getötet wie seit 2009 nicht.

Bedrückend auch: Die Taliban beschränken sich nicht mehr nur auf punktuelle Anschläge, sondern fühlen sich offenbar stark genug, wichtige Zentren des Landes zu attackieren, die vor dem Abzug fest in Händen der Isaf-Truppen waren.

So konnte im Oktober ein erneuter Angriff der Taliban auf Kundus, dem ehemaligen Standort der Bundeswehr im Norden des Landes, nur mühsam zurückgeschlagen werden.

Einschneidend für die verbliebenen deutschen Kräfte im Land war das Attentat auf das deutsche Generalkonsulat der 10. November 2016 in Masar-i-Sharif. Die Taliban setzten ein mit Sprengstoff beladenen Lkw gegen die Konsulatsmauer. Sechs Afghanen starben, 128 Menschen wurden verletzt, die deutschen Diplomaten zogen in der Folge ins nahegelegene Militärcamp Marmal um. Dort sind auch die rund 1000 Bundeswehrsoldaten untergebracht, die im Rahmen der Ausbildungsmission „Resolute Support" in Afghanistan im Einsatz sind.

Brasilien

Das muss man auch erst einmal schaffen: Der brasilianische Präsident Michel Temer ist noch unbeliebter als seine Vorgängerin Dilma Rousseff, die wegen eines Korruptionsskandals des Amtes enthoben wurde. 51 Prozent der Brasilianer halten seine Regierungsführung laut Umfragen für schlecht, nur zehn Prozent sind mit seiner Amtsführung zufrieden.

Hauptgrund: Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas steckt nach wie vor in der Krise, die sozialen Unruhen nehmen eher noch zu und auch Temer hat bereits einen Korruptionsskandal an der Backe: Ein Mitarbeiter der Baufirma Odebrecht warf dem Staatschef vor, Bestechungsgelder angenommen zu haben.

Dabei hatte sich Brasilien wegen der Olympischen Spiele so auf das Jahr 2016 gefreut. Doch auch bei dem Sportfest gab es Licht und Schatten. Schon die Eröffnung ging schief: Fußball-Idol Pelé wurde in letzter Sekunde krank, Temer wurde als Interimspräsident bei seiner Eröffnungsansprache so laut ausgepfiffen, dass niemand im Stadion verstand, was er eigentlich sagen wollte.

Frankreich

Trotz der glimpflich abgelaufenen Fußball-EM ist Frankreich 2016 in Sachen islamistischer Terror nicht zur Ruhe gekommen. Nach den beiden schweren multiplen Attentaten im Januar und November 2015 in Paris wurden bei einem weiteren Mega-Attentat in Nizza 86 Menschen getötet und 300 weitere Personen verletzt: Der Islamist Mohamed Bouhlel war bei den Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli mit einem Lkw in eine Menschenmenge gerast. Die ISIS-Terrormiliz bekannte sich zu dem Attentat.

Doch es ist bei Weitem nicht der einzige Anschlag, der Frankreich 2016 erschütterte: Nur zwölf Tage nach Nizza stürmen zwei ISIS-Terroristen eine katholische Kirche in Sainte-Etienne-du-Rouvray (Normandie) während der Messe und schneiden dem 85 Jahre alten Priester die Kehle durch. Eine Geisel musste die Tat filmen.

Der mutmaßliche Auftraggeber des Anschlags, Rachid Kassim, stand auch in Kontakt zu drei Frauen, die im September an der Kathedrale Notre-Dame in Paris eine Gasflaschen-Autobombe zünden wollten. Dieser Anschlag scheiterte, ebenso wie jener im Thalys-Zug von Amsterdam nach Paris, bei dem sich Mitreisende dem mit zwei Schusswaffen bewaffneten Attentäter Ayoub El Kahzani widersetzten, darunter drei US-Soldaten in Zivil.

Im Juni brachte ein Islamist ein Polizisten-Ehepaar um, filmte danach sein ISIS-Bekenntnis und zeigte dabei den kleinen Sohn des Paares. Ein Islam-Konvertit in Le Havre, der sich ISIS in Syrien anschließen wollte, erdrosselte seine Mutter, die sich seinen Plänen widersetzte.

Weitere Anschläge konnten verhindert werden, darunter ein Attentat auf eine Kirche in Villejuif bei Paris und auf eine Marinebasis in Toulon. Ende November verhaftete die Polizei sieben Personen in Straßburg und Marseille, die möglicherweise den Straßburger Weihnachtsmarkt treffen wollten. Die Sicherheitskräfte beobachteten eigenen Angaben zufolge 15 000 Personen, etwa 2000 von ihnen tragen einen „Gefährder"-Vermerk in ihrer Akte (Stand September). Der im November 2015 für ursprünglich drei Monate ausgerufene Notstand ist immer noch in Kraft.

Griechenland

Seit sechs Jahren herrscht in Griechenland die Finanzkrise und ein Ende ist auch nach 2016 nicht absehbar. Zwar wird immer weniger über den Grexit - also das Euro-Aus der Griechen - geredet. Doch vom Tisch ist der noch immer nicht.

Bürokratie allerorten - und nichts funktioniert. Auch die beiden Tsipras-Regierungen sind das Kernproblem des Landes nicht angegangen. Stattdessen hat Tsipras die Steuern weiter erhöht - schob das zwar auf die Gläubiger, es ist im Kern aber seiner Weigerung zu verdanken, Grundübel wie das Staatswesen und die Staatswirtschaft anzugehen.

Das Land war überschuldet (Ende 2015: -314 Mrd. Euro), es ist überschuldet (-319 Mrd. Euro) und es wird überschuldet bleiben. Da Tsipras und seine radikal linke Syriza-Partei immer mieser abschneiden in Umfragen (Wahl September 2015: 35 Prozent; jetzt: unter 16 Prozent) wird Tsipras wieder unberechenbarer für die Gläubiger: Er verteilte im Dezember Rentengeschenke, kündigte die Einstellung von 5000 Ärzten und Pflegern in den Staatsdienst an und sagte eine Mehrwertsteuer-Angleichung für Urlaubsinseln ab.

Sollte sich der Internationale Währungsfonds wie angekündigt, nicht am noch knapp 1,5 Jahre laufenden dritten Rettungspaket (86 Mrd. Euro/drei Jahre) beteiligen, droht Gefahr aus Deutschland: Dann müsste die Bundesregierung aus dem Rettungspaket aussteigen - damit wäre die Griechenland-Rettung geplatzt. Der Grexit stünde wieder einmal auf der Tagesordnung ...

Großbritannien Am frühen Morgen des 24. Juni gab es für alle EU-Befürworter die traurige Gewissheit:

Die Briten hatten bei einem Referendum für den Ausstieg aus der Europäischen Union gestimmt. Die EU steht nach dem britischen „No" vor der tiefsten Zäsur ihrer Geschichte. Erstmals will ein Mitglied die Union verlassen.

Ausblick: 2017 sollen die von den Briten hinausgezögerten Austrittsverhandlungen starten. Für sie ist zwei Jahre Zeit - nur wenn alle EU-Staaten zustimmen, kann die Frist verlängert werden.

Was passiert, wenn die Gespräche für Großbritannien nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führen, ist völlig unklar - manch einer schließt nicht aus, dass die Briten dann vielleicht doch noch ins Zweifeln kommen und eine neue Volksabstimmung organisieren. Die Austrittsverhandlungen könnten jederzeit abgebrochen werden, kündigte EU-Ratspräsident Donald Tusk bereits an.

Irak

Die Terrormiliz ISIS, die seit Juni 2014 die Millionenstadt Mossul im Norden des Landes besetzt hält, konnte in den vergangenen Monaten aus mehreren irakischen Städten wie Ramadi und Fallujah vertrieben werden. Allerdings kämpfte dort nicht nur die irakische Armee, sondern auch vom Iran kontrollierte schiitische Milizen, die kaum weniger grausam vorgehen als die sunnitische Terrormiliz ISIS.

Die Folge: Die befreiten Städte wurden massiv zerstört, Zehntausende Einwohner zu Flüchtlingen. Ein ähnliches Schicksal droht nun auch Mossul, nur würden die Auswirkungen in der zweitgrößten Stadt des Iraks entsprechend größer sein: Die irakische Armee hat bislang unter schwersten Verlusten knapp ein Viertel Mossuls von ISIS zurückerobert. Allerdings sind die durch Selbstmordattentate, Sprengfallen und Scharfschützen entstandenen Verluste so hoch, dass die schiitischen Milizen wohl bald auch direkt in den Kampf eingreifen werden.

Für die angrenzende Region Irakisch-Kurdistan, in der auch eine Ausbildungsmission der Bundeswehr stationiert ist, würde dies den Zustrom weiterer Zehntausender Flüchtlinge bedeuten. Bereits jetzt hat die Kurdenregion mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, die sich dann weiter verschärfen könnten. In Irakisch-Kurdistan ist zudem eine Ausbildungseinheit der türkischen Armee stationiert, die die kurdischen Peschmerga-Kämpfer trainiert. Von der irakischen Zentralregierung in Bagdad wird dies jedoch scharf abgelehnt.

Um die konfessionellen Spannungen weiter anzuheizen, verübt ISIS permanent Selbstmordanschläge gegen schiitische Zivilisten in der Hauptstadt Bagdad. Schiitische Milizenführer, die unter dem Kommando der Revolutionsgarden aus dem Nachbarland Iran stehen, erklärten deshalb bereits, nach der Eroberung Mossuls weiter nach Syrien marschieren zu wollen.

Iran

Das Atomabkommen mit dem Iran wurde 2016 auf die erste große Probe gestellt. Im März ließen die Revolutionsgarden mehrere Kurz- und Mittelstreckenraketen testen.

Offizielle Erklärung: Damit solle „die Stärke der iranischen Abschreckung und die Fähigkeit der Islamischen Republik, jeder Bedrohung der Revolution zu begegnen", demonstriert werden. Die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland reagierten irritiert. Die getesteten Raketen können nämlich auch Atomsprengköpfe transportieren. Die Folgen jedoch: keine.

Nach Aufhebung der Sanktionen florierte 2016 der Handel mit dem Iran. Der (Aufhol-)Bedarf aus Teheran ist enorm, die Bestelllisten sind lang: 114 Flugzeuge bei Airbus, 100 bei Boeing. Zahlreiche Bundesminister reisten 2016 in den Iran.

Die Menschenrechtslage ist unverändert schlecht. In keinem anderen Land der Welt werden (gemessen an der Bevölkerungszahl) mehr Menschen hingerichtet. Laut Amnesty International wurden allein 2015 mindestens 977 Menschen hingerichtet. Mindestens zwei Personen wurden zum Tod durch Steinigung verurteilt.

Italien

Auch die 63. Nachkriegsregierung Italiens konnte sich nicht lange an der Macht halten. Sie scheiterte ausgerechnet am Reformwillen - und an der Eitelkeit von Premierminister Matteo Renzi (41).

Der hatte, ohne ersichtlichen Grund, eine Volksabstimmung über eine Verfassungs- und Parlamentsreform mit seinem politischen Schicksal verknüpft. Und scheiterte grandios: 60 Prozent der Italiener lehnten das Vorhaben ab.

Zehn Tage später hatte Italien eine neue Regierung: Neuer Regierungschef ist Paolo Gentiloni (62). Die Probleme sind die alten: Banken, denen wegen fauler Kredite die Pleite droht. Eine horrende Arbeitslosenquote. Und Staatsschulden in Höhe von 2,2 Billionen Euro - mehr als 135 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Jemen

Im Jemen kämpfen seit September 2014 Truppen des sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi gegen die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen und andere Milizen, die dem ehemaligen Staatschef Ali Abdallah Saleh die Treue halten. Seit März 2015 fliegt ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis Luftangriffe auf die Rebellen und unterstützt damit die Hadi-Truppen.

Mitte Dezember wurde offiziell bestätigt, dass die von den Saudis geführte Koalition auch Streubomben britischer Bauart einsetzt. Streumunition ist seit 2010 durch ein internationales Abkommen geächtet, im Gegensatz zu Großbritannien ist Saudi-Arabien diesem bislang nicht beigetreten. Menschenrechtsorganisationen hatten der Militärkoalition vorgeworfen, Wohngebiete, Märkte, Schulen und Krankenhäuser mit Streubomben angegriffen zu haben.

Eingesetzt werden auch BL-755 Streubomben aus Großbritannien, was Verteidigungsminister Michael Fallon Mitte Dezember unter Berufung auf eine Untersuchung der Militärkoalition bestätigte. Die Briten gehören nicht zur Militärkoalition, verkaufen den Saudis aber Waffen. Großbritannien habe seit 1989 keine Streubomben mehr nach Saudi-Arabien geliefert, sagte Fallon. Die eingesetzte Munition stamme aus alten Beständen und sei gegen „legitime militärische Ziele" eingesetzt worden.

Obwohl das Militärbündnis versprach, den Einsatz von Streumunition zu unterlassen, meldete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch weitere Vorfälle dieser Art. In Brasilien produzierte Raketen mit Streumunition seien etwa am 6. Dezember in der Nähe von zwei Schulen in der Provinz Saada, einer Hochburg der schiitischen Huthi-Rebellen, abgefeuert worden. Bei dem Angriff waren zwei Zivilisten getötet und sechs weitere verletzt worden, darunter auch ein Kind.

In dem Konflikt wurden nach UN-Angaben bereits mehr als 7000 Menschen getötet und 37 000 weitere verletzt. Die sunnitische ISIS-Miliz und das Terrornetzwerk al-Qaida machen sich den Konflikt zunutze, um ihre Präsenz im Süden und Osten des Landes auszudehnen. In den vergangenen Monaten verübten sie vor allem in Aden immer wieder Anschläge.

Kolumbien

Nach langem Hin und Her konnte die Regierung des amtierenden Präsidenten Juan Manuel Santos (65) 2016 den über 40 Jahre alten Konflikt mit der Guerrilla-Gruppe Farc beilegen. Die Regierung und die Rebellen verabschiedeten ein Friedensabkommen, das nun umgesetzt werden soll.

Zunächst scheiterte das Abkommen an einer Volksabstimmung, nach einer Nachjustierung konnte es im November verabschiedet werden.

Für seine Friedensbemühungen wurde Santos 2016 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo hatte sich 2016 die politische Lage dramatisch zugespitzt: Die Amtszeit von Joseph Kabila endete am 19. Dezember, doch der umstrittene Präsident und seine Regierungskoalition verschoben den Wahltermin auf unbestimmte Zeit.

Ein Schritt, der Proteste der Opposition auslöste, die Kabila blutig niederschlagen ließ. Beobachter befürchteten eine landesweite Eskalation und Massaker, wenn sich der Präsident über den Stichtag hinaus weiter an die Macht klammert.

Anfang Januar dann der hoffnungsfrohe Durchbruch: Auf Vermittlung der katholischen Kirche einigten sich die Unterstützer Kabilas und die Opposition auf eine Roadmap für die nächste Wahl, die Ende 2017 stattfinden soll. Kabila soll zwar so lange an der Macht bleiben, sich aber verpflichten, kein drittes Mal zu kandidieren und keine Verfassungsänderungen vorzunehmen.

Ein Plan, der noch einige Hürden überwinden muss: Kabila hat nicht selbst unterzeichnet, und auch die konkreten Details der Roadmap sind bisher unklar.

Kuba

Revolutionsführer Fidel Castro ist im Dezember mit 90 Jahren gestorben. Die Frage nun: Und nun?

Die Frage ist nicht neu. Die Antwort auch nicht: Man weiß es nicht, aber so weitergehen kann es nicht. Das hat mit Castro nicht viel zu tun. Jedenfalls nicht mit Fidel Castro. Der war nur noch lebende Legende. Ein Idol der Alten. Für viele Jüngere nur noch ein alter Mann, ein Held von gestern.

An der Macht: seit Jahren Fidels Bruder Raul Castro. Er hat etwas Öffnung zulassen müssen - das Land ist bankrott, das Volk arm. Raul Castro hat den Papst 2015 empfangen und - wichtiger - 2016 war US-Präsident Barack Obama auf der Feindesinsel. Die US-Botschaft ist offen, es gibt Flüge und US-Touristen kommen.

Die staatlichen kubanischen Reiseunternehmen hatten große Touristen- und Hotel-Kontingente für US-Touristen reserviert. In der Erwartung eines Ansturms. Doch der Mega-Run blieb - trotz guter Buchungszahlen - bisher aus. Doch nach Einschätzung von Tourismusexperten wird das Kuba-Geschäft langsam aber mit guten Zuwachszahlen ansteigen.

Aber entscheidender wird sein: Was plant Obama-Nachfolger Donald Trump? Und: Dealt er mit Putin auch in Sachen Kuba? Trump ist einerseits ein erklärter Gegner der Öffnung gegenüber Kuba - ihn könnten aber andererseits die Geschäftsaussichten auf der Insel locken. Aber auch Russlands Präsident Putin hat Ambitionen angemeldet - etwa, um wieder einen Militärstützpunkt auf der großen Karibikinsel zu eröffnen. Fortschrittliche Kreise auf Kuba sehen die Russen-Option mit Sorge. Hoffnung macht: Wenn überhaupt etwas im privaten Sektor läuft - bei Gästezimmern und Restaurants - zeigt sich auch auf Kuba, dass es der Einzelne besser kann als der Staat.

Doch bei aller sachter Öffnung und Revolutions-Nostalgie: Die Insel war eine Diktatur, ist eine Diktatur und wird dies auf absehbare Zeit auch bleiben. Demonstrationen: noch nie wurde eine regierungskritische zugelassen. Und noch immer kommen Journalisten und Dissidenten ins Gefängnis. Auf der Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen) landet Kuba auf unterster Stufe mit Sudan und Iran.

Libyen

Seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi in 2011 herrscht Bürgerkrieg: Die Islamisten ziehen sich zwar zurück. Zwei Regierungen und ihre Milizen streiten sich aber weiter um die Herrschaft im Land. Im April hat die islamistische Regierung ihren Posten in Tripolis für die Einheitsregierung geräumt. UNO und EU unterstützen das Kabinett, das international anerkannte Parlament im östlichen Tobruk allerdings nicht. Dort setzen viele auf den ehemaligen Gaddafi-General Chalifa Haftar als Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Noch im Mai vermutete das US-Militär 6000 ISIS-Kämpfer im Land. Der Grund: Die Terrormiliz hatte die Region um die Hafenstadt Sirte in ihrer Gewalt. Nach acht Monaten Kampf ist die Stadt seit Dezember wieder frei - und ISIS vermutlich endgültig geschlagen.

Für Hunderttausende Flüchtlinge ist Libyen das Tor nach Europa. Seit dem Fall der Gaddafi-Diktatur haben es Schmuggler leichter, Menschen über das Mittelmehr zu bringen. Eine dritte Flüchtlingswelle könnte daher von dort ausgehen.

Mali

Anderthalb Jahre nach Unterzeichnung des Friedensvertrags für Mali ist das Land immer noch weit entfernt vom Frieden. Denis Tull von der Stiftung Wissenschaft und Politik in einer aktuellen Analyse: „Das Abkommen ist bislang kaum umgesetzt; der Norden Malis bleibt außerhalb staatlicher Kontrolle, während sich die Sicherheitslage im gesamten Land dramatisch verschlechtert."

Dabei sind die UNO, die EU und die ehemalige Kolonialmacht Frankreich intensiv um eine Beruhigung der Lage bemüht. Über 14 000 Blauhelme (darunter 650 Bundeswehrsoldaten) sind in Mali stationiert - vor allem im von islamistischen Milizen dominierten Norden. Und im sichereren Süden läuft die Trainingsmission der EU - mit durchwachsenem Erfolg und ebenfalls mit deutscher Beteiligung.

Der Einsatz ist alles andere als ungefährlich: Von Ende 2015 bis September 2016 wurden die UN-Soldaten insgesamt 52 Mal angegriffen, 30 Menschen starben. Und die malische Armee verzeichnet allein im Zeitraum von Juni bis September 52 Todesopfer.

Aufgeschreckt wurden die deutschen Truppen zuletzt von einem Bombenanschlag Ende November auf den Flughafen Gao in der Nähe ihres Camps. Ein mit Sprengstoff beladener Lkw wurde im inneren Bereich des Flughafengeländes zur Explosion gebracht, ein weiterer wurde sichergestellt und entschärft.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erklärte kurz danach in einem BILD-Interview, Mali sei „mit das gefährlichste Mandat, das die Bundeswehr derzeit erfüllt". 2017 sollen die Bundeswehrtruppen noch einmal aufgestockt werden. Um die Rettungskette für Notfälle sicherzustellen, will die Bundesregierung 350 Soldaten zusätzlich ins Land schicken.

Mexiko 2016 gelang dem Land endlich ein großer Erfolg im Kampf gegen das organisierte Verbrechen: Drogenboss Joaquín „El Chapo" Guzmán konnte im Januar festgenommen werden.

Derzeit befindet er sich im Hochsicherheitsgefängnis in Ciudad Juarez. Die USA fordern seine Auslieferung, weil ihm auch in den USA wegen Mordes und Drogenhandels der Prozess gemacht werden soll.

Nach aktuellen Zahlen kamen durch den mexikanischen Drogenkrieg seit 2006 mehr als 200 000 Menschen ums Leben, fast 30 000 wurden verschleppt.

Niger Das ärmste Land der Welt steht vor allem vor humanitären Problemen. Terrorismus, politische Umbrüche und steigende Flüchtlingszahlen verschärfen die Lage.

Nach seiner Wiederwahl im März steht Präsident Mahamadou Issoufou weiterhin vor dem Hauptproblem, die bittere Armut zu bekämpfen.

Die Versorgung der Bevölkerung ist desaströs, die Kindersterblichkeit dementsprechend hoch. Auch Gewalt beherrscht das Land: Politische Konflikte und Terrorismus bei Nachbarn wie Mali greifen immer wieder über. An der Grenze zu Nigeria kommt es zu blutigen Überfällen der Terrormiliz Boko Haram, im Norden und Westen wüten Ableger der Terrorgruppe al-Qaida.

Mit den Krisen der Region kommen auch immer mehr Flüchtlinge in das Land. Obwohl die Zahl der Ankommenden zuletzt gesunken ist, ist Niger mit der Versorgung überfordert.

Das Land ist die wichtigste Durchgangsstation auf dem Weg nach Libyen, von wo aus es für meisten Menschen weiter in Richtung Europa gehen soll. Doch nicht nur die Flucht über das Mittelmeer ist lebensgefährlich - viele Menschen sterben schon auf dem Weg durch die Sahara.

Beim Kampf gegen den Menschenschmuggel soll es für Niger in diesem Jahr 610 Millionen Euro EU-Hilfe geben. Das Geld soll auch in die Versorgung der Bevölkerung fließen. Mit 15 Millionen Euro will Deutschland außerdem Polizei und Militär stärken.

Nigeria

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari erklärt zwar regelmäßig, die Terrorgruppe Boko Haram sei praktisch besiegt. Doch die Islamisten versetzen das Land immer wieder in Angst und Schrecken - besonders im Norden Nigerias.

Neueste Masche: Anschläge mit zumeist zwangsrekrutierten Kindern. So sprengten sich erst wieder am 11. Dezember zwei junge Mädchen in der Regionalhauptstadt Maiduguri in der Nähe eines Marktes in die Luft, rissen drei Menschen mit in den Tod. Zwei Tage vorher hatten zwei Selbstmordattentäterinnen mehr als 50 Menschen getötet.

Der Krieg gegen die Boko Haram hat bislang 20 000 Opfer gefordert, 2,6 Millionen Menschen sind geflüchtet. Betroffen vom Terror der Islamisten sind besonders junge Männer und Kinder. Im April 2014 verschleppte die Terrororganisation 276 Schulmädchen aus der Stadt Chibok.

Obwohl die Regierung die Freilassung einiger Geiseln verhandelte und einem Mädchen im vergangenen Jahr die Flucht aus den Händen der Terroristen gelang, befinden sich immer noch fast 200 Chibok-Mädchen in der Gewalt der Islamisten.

Im Norden des Landes bringt Boko Haram immer mehr Regionen unter ihre Kontrolle. Die Stiftung Wissenschaft und Politik in einer Analyse: „Ein Bürgerkrieg kann nicht mehr ausgeschlossen werden."

Nordkorea

Zwei Atomtests, der Start einer umstrittenen Weltraumrakete und mehr als 20 Tests mit ballistischen Raketen - Nordkorea hat sich 2016 mit seinem Verhalten über alle entsprechenden Warnungen und Verbote des UN-Sicherheitsrats hinweggesetzt.

Das weitgehend isolierte Regime in Pjöngjang hielt damit auch an seinem Konfrontationskurs gegenüber der Supermacht USA fest, der es eine feindselige Politik unterstellt.

Doch seit dem Wahlsieg des Republikaners Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl im November hielt sich Nordkorea auffällig zurück, es gab zunächst keine neuen Raketentests. Schon befürchtet Südkorea, dass Pjöngjang um den Tag des Amtsantritts von Trump (20. Januar) neue Provokationen unternehmen könnte, um so die neue US-Regierung zu testen.

Experten in Washington oder Seoul haben keine Zweifel, dass Nordkorea ein zunehmend größeres Problem für die USA wird, dem Trump eine höhere Priorität geben muss. Südkorea und die USA befürchten, dass Nordkorea mit jedem Atomtest und mit erfolgreichen Tests ballistischer Raketen seinen Zielen näher kommt.

Die kommunistische Diktatur will einerseits passende Sprengköpfe für Raketen bauen, die bis zum US-Festland fliegen können, und andererseits als Atommacht anerkannt werden - ein Schritt, den die USA auf keinen Fall machen wollen.

Philippinen

Seit dem 1. Juli steht der Inselstaat im Fokus der internationalen Medien: Die Wahl Rodrigo Dutertes (71) zum Staatsoberhaupt war der Startschuss für eine beispiellos brutale Drogenpolitik. Drogenabhängige und Händler werden auf offener Straße erschossen, die Rechtsstaatlichkeit bleibt dabei auf der Strecke.

Zuletzt wurde ein Regierungsbericht veröffentlicht, der konkrete Zahlen nennt: Im umstrittenen Drogenkrieg sind bei Polizeieinsätzen bislang 2157 mutmaßliche Rauschgifthändler- oder Nutzer getötet worden. Zudem seien seit seinem Amtsantritt am 1. Juli rund 42 500 Verdächtige festgenommen worden. Die Polizei zählte auch mehr als 3000 sogenannte außergerichtliche Tötungen mit möglicher Verbindung zum Drogenmilieu. Etwa 980 000 Drogendealer und -Nutzer hätten sich überdies gestellt.

Kritiker werfen Duterte Verbindungen zu Todesschwadronen vor. Der Präsident hatte gesagt, er habe in seiner Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Davao persönlich mutmaßliche Drogenhändler getötet. Die Vereinten Nationen hatten daraufhin die philippinischen Justizbehörden aufgefordert, wegen Mordes gegen den Staatschef zu ermitteln.

Während im Süden des Landes die Terrorgruppe Abu Sayyaf, eine Organisation mit Verbindungen zu ISIS und zu al-Qaida, immer wieder Menschen zwecks Lösegeld entführt (im November wurde ein deutscher Segler entführt und seine Frau erschossen), drohten auch Drogenbanden mit Vergeltungsaktionen.

Im Laufe des zweiten Halbjahrs 2016 pöbelte der Knallhart-Staatschef immer wieder gegen wichtige Staatsoberhäupter und Organisationen, so beleidigte er Obama als „Hurensohn" und adressierte an die Vereinten Nationen: „Fickt euch!". Außerdem drohte er unter anderem mit der Auflösung von Bündnissen und Zuwendung in Richtung Russland und China.

Im Januar 2017 berät das Parlament über die Wiedereinführung der vor zehn Jahren abgeschafften Todesstrafe, Duterte kündigte schon im Wahlkampf an, diese wieder einführen zu wollen. Dazu sagte er, er plane eine Art Tagesquote für Hinrichtungen, was wiederum schärfste Kritik von allen Seiten verursachte.

Als stabiler Verbündeter der westlichen Welt verlieren die Philippinen somit immer mehr an Wert und könnten zu einer „weltweiten Zentrale für Exekutionen" werden, wie der Sprecher der philippinischen Bischofskonferenz, Jerome Secillano, es formulierte.

Somalia

Noch immer hat die Regierung in Mogadischu keine beständige und komplette Kontrolle über Somalia. Sie ist auf die Unterstützung der Friedensmission AMISOM angewiesen, um Land zurückzuerobern und Sicherheit herzustellen.

Die größte Gefahr ist nach wie vor Al-Shabaab. Zwar betonte Somalias Außenminister Abdisalam Hadliyeh Omer bei einer Rede vor der UNO die jüngsten Erfolge gegen die radikalislamische Miliz; diese kontrolliere nur noch zehn Prozent der somalischen Städte, und die Hauptstadt erlebe nach Jahrzehnten des Stillstands wieder einen Investorenboom. Experten zufolge ist Sicherheit in Somalia jedoch ein „relativer Begriff".

Ende Oktober zog Äthiopien wegen des Notstands im eigenen Land seine Friedenssoldaten aus drei somalischen Städten ab. Nur Stunden später nahmen islamistische Kämpfer die Städte wieder ein und köpften Berichten zufolge Zivilisten, die sie der Zusammenarbeit mit der Regierung beschuldigten. Ein Teil der Al-Shabaab-Kämpfer spaltete sich jüngst ab und schwor ISIS die Treue. Im Oktober konnten die selbsternannten Gotteskrieger widerstandslos die Hafenstadt Qandala erobern.

Zudem bleiben Bürgerrechte in Somalia unterdrückt. Zwischen 2010 und 2015 starben 32 Journalisten bei ihrer Arbeit. Hinzu kommt Ernährungsunsicherheit, bedingt durch die aktuelle Dürre am Horn von Afrika. Dem Welternährungsprogramm WFP zufolge, wissen 40 Prozent der Somalier nicht, woher sie ihre nächste Mahlzeit erhalten.

Gebremst wird die Entwicklung nicht zuletzt auch durch Korruption: Bei den Parlamentswahlen sollen nach Angaben der somalischen Regierung Bestechungsgelder geflossen sein.

Sudan

Der Staatspräsident Omar al-Bashir ist der erste amtierende Regierungschef, der per Haftbefehl wegen Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht wird.

Sein Regime herrscht islamisch, es gilt die Scharia. 2015 wurde er zwar wiedergewählt, doch die Wahl galt nicht als frei und demokratisch, kritische Stimmen werden brutal verfolgt. Der Sudan ist gespalten zwischen dem mehrheitlich islamischen Norden und dem mehrheitlich christlichen Süden.

In den südlichen Bundesstaaten Südkordofan und Blue Nile herrschen seit Jahren bewaffnete Konflikte mit hohen zivilen Opferzahlen. Die Regimetruppen bombardieren die Region regelmäßig aus der Luft und greifen am Boden immer wieder Dörfer an, während humanitäre Hilfsorganisationen keinen Zugang zu den Bewohnern der Krisenregionen bekommen.

Im Konflikt in der Darfur-Region wurden seit 2003 bis zu 300 000 Menschen getötet, 2,5 Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben. Viele Dörfer wurden von den Milizen zerstört, immer wieder gibt es Massaker und Massenvergewaltigungen in den Krisenregionen.

Südkorea

Ende Oktober trieb ein Polit-Skandal um Präsidentin Park Geun-Hye (64) Hunderttausende Menschen in Südkorea auf die Straße.

Hintergrund: Ein Korruptionsskandal um Choi Soon Sil, eine Vertraute Parks, die sich dank ihrer langjährigen Beziehungen zu ihrer Präsidentin-Freundin wirtschaftliche Vorteile verschafft haben soll.

Die Anklagepunkte gegen Choi lauten auf Machtmissbrauch, Nötigung und versuchten Betrug. Bei einer Verurteilung droht ihr eine mehrjährige Haftstrafe.

Die Präsidentin soll ihr erlaubt haben, sich ohne öffentliches Amt in die Regierungsgeschäfte einzumischen. Auch soll Choi Unternehmen dazu genötigt haben, ihre beiden privaten Stiftungen zu fördern. Park hatte sich für die Affäre mehrmals entschuldigt, aber Vorwürfe zurückgewiesen, in kriminelle Machenschaften verstrickt zu sein.

Außer Choi stehen weitere Menschen in dem Skandal unter Anklage, einschließlich zweier früherer Berater Parks im Präsidialamt. Park, die Immunität genießt, hatte sich bisher einer Befragung durch die zuständige Staatsanwaltschaft entzogen.

Das Parlament hatte am 9. Dezember mit großer Mehrheit für die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Park gestimmt. Die Opposition wirft Park Verstöße gegen das Grundgesetz und andere Gesetze vor.

Vor allem vor dem Hintergrund der aggressiven Territorial-Politik Chinas und den provozierenden Raketentests durch Nordkorea betrachtet man die politische Instabilität in Südkorea (und generell im indochinesischem Raum, siehe Thailand oder Philippinen) in westlichen Regierungskreisen mit großer Sorge.

Südsudan

Der Südsudan ist der jüngste Staat der Welt, erklärte 2011 unter großen internationalen Hoffnungen die Unabhängigkeit vom Sudan.

Doch ethnische Konflikte zwischen den mehr als 50 Stämmen schwelten unter der Oberfläche und im Dezember 2013 eskalierte der Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem damaligen Stellvertreter Riek Machar, die zu den beiden größten Ethnien des Landes gehören: Kiir zu den Dinka, Machar zu den Nuer. Die politische Rivalität entwickelte sich dadurch schnell zu einem landesweiten Krieg.

Seitdem wurden bei Kämpfen und ethnisch motivierten Massakern mehr als 50 000 Menschen getötet und mehr als 3,1 Millionen aus ihren Häusern vertrieben. Sechs Millionen sind von Hunger bedroht und 70 Prozent aller Schulen sind geschlossen.

Alle Versuche, die Rivalen zu einigen - darunter ein Friedensvertrag im August 2015 - scheiterten spätestens nach einigen Tagen. Berichte bezeugen Massenvergewaltigungen an Frauen und Mädchen und die Rekrutierung von Kindersoldaten.

Experten der Vereinten Nationen befürchten für die Zukunft einen Völkermord im Südsudan. Denn in den vergangenen Monaten stiegen die Aufrufe zu Gewalt und die Angriffe auf Zivilisten nur weiter. Ein von den USA eingebrachter Resolutionsentwurf für ein Waffenembargo und Sanktionen gegen den Südsudan scheiterte Ende Dezember im UN-Sicherheitsrat. Syrien

Auch im sechsten Jahr des Kriegs in Syrien, konnte dieser zu keiner friedlichen Lösung gebracht werde. Im Gegenteil: Mit Hilfe Russlands und des Irans hat es Diktator Assad geschafft, das Blatt herumzureißen und große Gebiete, die bislang von Rebellen gehalten wurden - darunter die ehemalige Millionenstadt Aleppo -, unter seine Kontrolle zu bringen. Und dies mit grausamer Gewalt gegen die Zivilbevölkerung.

Laut der NGO Syrisches Netzwerk für Menschenrechte wurden zwischen Januar und November 2016 etwa 13 000 Zivilisten bei Kampfhandlungen und gezielten Luftangriffen getötet, rund 80 Prozent davon durch die russisch-iranische Allianz um Machthaber Assad. Vor allem Russland ging gezielt gegen Zivilisten und zivile Infrastruktur vor.

Laut Amnesty International, Human Rights Watch und zahlreichen anderen Hilfsorganisationen bombardierte die russische Luftwaffe gezielt Schulen, Krankenhäuser und Hilfskonvois sowie Wohngegenden. Diese Angriffe wurden von UN-Mitgliedern als „Barbarei" und der Luftangriff auf einen UN-Hilfskonvoi von Außenminister Steinmeier als „terroristische Tat" bewertet.

Trotz aller Grausamkeiten hielten sich USA und EU weiterhin militärisch aus dem Konflikt heraus. Trotz zahlreicher Forderungen, zumindest das menschenrechtswidrige Verhalten Russlands im Konflikt zu sanktionieren, konnte sich die EU auch dazu nicht entscheiden. Zum Ende des Jahres zeigte die Strategie der „Verbrannten Erde" Russlands und des Assad-Regimes Wirkung. Nach knapp sechs Monaten der Belagerung und Aushungerung von Hunderttausenden in Aleppo, nahm die Koalition Aleppo ein, ein entscheidender Sieg im Kampf gegen die Opposition.

Lediglich ISIS wurde von Russland und Assad so gut wie gar nicht angegriffen. Die Einnahme der antiken Stadt Palmyra im März machte ISIS im Dezember rückgängig und nutzte damit aus, dass Putin und Assad ihre Armeen fast ausschließlich gegen Rebellen im Westen des Landes einsetzten. Dagegen machten die von den USA bzw. der Türkei im Norden des Landes unterstützten Kräfte große Geländegewinne und verdrängten die Terrororganisation aus mehr als 100 Städten und Dörfern.

Thailand

Große Trauer in Thailand: Im Alter von 88 Jahren starb im Oktober König Bhumibol, der in der Bevlkerung stark verehrt wurde. Menschen ließen sich sein Gesicht auf ihren Körper tätowieren, Fröhlichkeit in der Öffentlichkeit wurde untersagt und eine einjährige Trauerzeit angeordnet.

Der Nachfolger des beliebten Monarchen, der zu Lebzeiten das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt war, wurde sein Sohn Maha Vajiralongkorn (64).

Das Land gilt als tief gespalten: 2014 hat das Militär die Macht übernommen und eine „Interimsverfassung" in Kraft gesetzt, die die Militärregierung unter General Prayut Chan-o-cha (62) mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet hat. Der Militärstreich hatte monatelange bürgerkriegsähnliche Straßenproteste beendet.

Die Proteste hatten sich gegen die Absetzung der gewählten Regierung unter Premierministerin Yingluck Shinawatras gewandt. Die abgesetzte Premierministerin ist die jüngere Schwester des ehemaligen Premiers Thaksin Shinawatra (67), der 2008 nach Dubai ins Exil floh, nachdem er wegen Korruptionsvorwürfen seines Amtes enthoben worden war.

Der Uralt-Monarch Bhumibol konnte das Land sowohl moralisch als auch politisch zusammenhalten, seinem Sohn sprechen Experten die Fähigkeit dazu ab.

Die bisherige Machtbalance wird durch den neuen König in Bewegung kommen. In Washington, Berlin und London wird befrüchtet, dass ein wichtiger Verbündeter in Asien, eine der Top-20-Wirtschaftsnationen der Welt, mit dem Tod Bhumipols in einen „failed state", in einen gescheiterten Staat, abgleiten könnte.

Viele Verbündete des alten Königs sehen den neuen König als Bedrohung. Was sie besonders beunruhigt: Als Kronprinz hat Vajiralongkorn die Fühler nach dem exilierten Thaksin ausgestreckt.

Sollte der neue König nun Verbündeten des Thaksin-Clans Einfluss verschaffen, wäre dies eine Kriegserklärung an die traditionellen Eliten. Und das könnte tatsächlich Bürgerkrieg bedeuten, was für das Land mit seiner Tourismusindustrie (32 Millionen Besucher im vergangenen Jahr) ein Super-Gau wäre.

Türkei

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan (62) nutzte den Putschversuch in der Türkei am 15/16. Juli rigoros für seinen Machtausbau. Seit dem gescheiterten Militäraufstand ließ der Präsident Zehntausende seiner Kritiker verhaften - Lehrer, Richter, andere Beamte wurden suspendiert oder verhaftet. Alle regierungskritischen TV-Sender wurden geschlossen oder einfach vom Satelliten genommen. Erdogan beschuldigte den Prediger Fethullah Gülen als Drahtzieher des Putsches, ging gegen alle seiner Anhänger vor. Von den USA forderte Erdogan mehrfach die Auslieferung Gülens, der dort im Exil lebt.

Mindestens sieben Terror-Anschläge (mehr als 200 Tote) benutzte Erdogan, um den Ausnahmezustand erneut zu verlängern. Die umstrittenen Terrorgesetze, die es ihm praktisch erlauben jeden Andersdenkenden ins Gefängnis zu werfen, will Erdogan nicht zurücknehmen.

Die EU bleibt jedoch weiter dabei, die Rücknahme der Gesetze zu fordern und droht mit einem Nichtzustandekommen der Visa-Freiheit für Türken. Auch die EU-Beitrittsverhandlungen sowie die Ausweitung der Zoll-Union stehen auf dem Spiel.

Ukraine

Trotz zahlreicher Verhandlungsversuche unter Leitung Deutschlands und Frankreichs setzte sich der Krieg in der Ostukraine auch im Jahr 2016 unerbittlich fort. Bis Ende Dezember sind dabei allein in diesem Jahr 1559 ukrainische Soldaten getötet oder verletzt worden. Die Beobachter der OSZE zählten bis zu 4000 Explosionen pro Tag und registrierten weiterhin fast täglich den Einsatz schwerer Waffen wie Artillerie und Mörser.

Die von Russland unterstützten Truppen verfügte nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministers über mehr als 600 Hauptkampfpanzer - etwa doppelt so viele wie die deutsche Bundeswehr. Das Minsker-Abkommen vom September 2014, das vor allem die Einstellung der bewaffneten Feindseligkeiten und den Abzug ausländischer Truppen und Waffen vorsieht, wurde auch im dritten Jahr nicht einmal annähernd umgesetzt.

Stattdessen besteht der Kreml auf die Durchsetzung von Wahlen unter den aktuellen Bedingungen, die Ukraine lehnt das mit Blick auf die prekäre Sicherheitslage in der Region ab. Die Führer der selbsternannten Volksrepubliken betonten auch 2016, dass ihr Ziel eine Ausweitung der kontrollierten Gebiete sei - gegen jede mitgetragene Vereinbarung.

USA

Durch diese Wahl könnte sich das weltweite Machtgefüge verschieben: Am 20. November wurde der Republikaner Donald Trump zum zukünftigen US-Präsidenten gewählt. Mit rassistischen und frauenfeindlichen Sprüchen sowie zweifelhaften Polit-Parolen hatte er im Wahlkampf für einen Skandal nach dem anderen gesorgt.

Obwohl die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton mehr als 2,5 Millionen Wählerstimmen mehr erhielt, konnte sich der New Yorker Geschäftsmann in mehr US-Bundesstaaten durchsetzen und so mehr Wahlmänner hinter sich vereinen. Diese wählten ihn im Dezember offiziell zum neuen Staatsoberhaupt - am 20. Januar wird er in Washington D.C. vereidigt.

Mit Trump zieht ein Geschäftsmann ins Weiße Haus, der sein Geld mit Immobilien gemacht hat und keinerlei Erfahrungen als Politiker oder Beamter besitzt. Dementsprechend unstetig sind seine politischen Pläne. Im Wahlkampf hatte er mit populistischen Versprechen gepunktet: Seinen Wählern versprach er, eine Mauer zu Mexiko zu bauen, um illegale Einwanderung zu stoppen, zur Terror-Bekämpfung alle Muslime des Landes zu verweisen und der Wirtschaft neuen Aufschwung zu verleihen. Er wetterte gegen das Weltklima-Abkommen und gegen den Iran-Deal - beides war von seinem Vorgänger Barack Obama vorangetrieben worden.

Zu seinem Regierungsteam gehört auch Steve Bannon, der Ex-„Breitbart"-Chef, der schon vorher durch Verbindungen zu Russland auffiel: Schon im Wahlkampf hatten sich Trump und Putin positiv übereinander geäußert.

Kremlnahe Hackergruppen hatten den US-Sicherheitsbehörden zufolge Angriffe gegen Demokraten unterstützt, vertrauliche Dokumente wurden veröffentlicht, die ein schlechtes Licht auf Clinton und ihre Partei warfen. Ob sich die zwei Alpha-Tiere Trump und Putin tatsächlich so gut verstehen werden, bleibt abzuwarten. Wenn ja, könnten das schlechte Nachrichten für die Nato sein.

Auf Konfrontationskurs mit China: Im Wahlkampf hatte Trump China immer wieder scharf attackiert - dem Land vorgeworfen, die US-Wirtschaft zu „vergewaltigen" und den Klimawandel erfunden zu haben, um die USA durch die Auflagen weniger wettbewerbsfähig zu machen.

Außerdem nahm Trump den Gratulationsanruf von Taiwans Präsidentin Tsai Ying-wen entgegen - was Peking Trump so schnell nicht verzeihen wird. Denn: Die Volksrepublik China sieht die De-facto-Demokratie Taiwan als „abtrünnige Provinz" an und wirft (den wenigen) Ländern, die zu Taiwan offizielle, diplomatische Beziehungen besitzen, vor, gegen das Prinzip der „Ein-China-Politik" zu verstoßen.

Verhältnis zur EU: Kein Spitzenpolitiker der EU hatte es für denkbar gehalten, dass die Amerikaner tatsächlich Donald Trump zu ihrem neuen Präsidenten wählen. Dies hat nun Konsequenzen: Weil es mit Trump und seinen Mitarbeitern vor der Wahl keine Kontakte gab, müssen diese nun erst aufgebaut werden.

Und die Voraussetzungen dafür sind nicht die besten. Etliche EU-Politiker gaben im Wahlkampf zu verstehen, dass sie nichts von Trump halten. „Trump ist nicht nur für die EU ein Problem, sondern für die ganze Welt", sagte beispielsweise EU-Parlamentspräsident Martin Schulz.

Dass gute Beziehungen zur EU auf Trumps Prioritätenliste nicht ganz oben stehen, darf als sicher gelten. Dass der Republikaner besonders nachtragend ist, glauben allerdings in Brüssel auch nicht viele. Trump sei durch und durch Geschäftsmann, heißt es. Wenn es nützlich für ihn sei, werde er mit der EU reden.

Venezuela

265 Euro - so viel kostete eine Packung Nudeln 2016 in Venezuela. Das Land durchlebt eine schwere Wirtschafts- und Versorgungskrise, viele Grundnahrungsmittel und Medikamente sind in dem südamerikanischen Land nicht mehr erhältlich. Oder unbezahlbar.

Die Nummern im Personalausweis regeln, wer an welchen Tagen der Woche einkaufen darf. Doch auch wer sich bereits morgens in der Schlange eines staatlichen Supermarktes anstellt, kann nicht sicher sein, ob er tatsächlich auch etwas kaufen können oder vor leeren Regalen stehen wird. Die Lage für die Bürger wird immer dramatischer - weil Zehntausende zu Hamsterkäufen in das benachbarte Kolumbien reisten, wurden zeitweise die Grenzen geschlossen.

Dabei gibt es in keinem anderen Land auf der Welt so viel Erdöl-Reserven wie in Venezuela, wenngleich Experten Zweifel an der Qualität des Rohstoffes haben. Wegen des niedrigen Ölpreises verfügt das extrem vom Energiesektor abhängige Land nicht über genügend Devisen, um Rohstoffe und Importwaren einzuführen. Kritiker werfen der Regierung außerdem eine massive Misswirtschaft vor.

Die wirtschaftliche Krise hat sich in diesem Jahr auch auf die Politik ausgewirkt. Die Regierung des sozialistischen Präsidenten Nicolas Matura unterdrückte ein Gesuch des oppositionellen Bündnisses „Tisch der Demokratischen Einheit", ein Referendum zur Absetzung des Präsidenten durchzuführen. Auf internationaler Ebene wird der Regierung zunehmend ein autokratischer Stil und der Bruch von Menschenrechten vorgeworfen. Zuletzt beschloss der lateinamerikanische Wirtschaftsverband „Mercosur" im Dezember, das Land auszuschließen.

Von: R. Becker, V. Dümer, P. Fabian, H. Kautz, C. Kreder, A. Link, K. Pajdak, J. Röpcke, A. Schippmann, K. Schwirkus, B. Stritzel, P. Tiede
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