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Parlament von innen: Pressearbeit im Bundestag | f1rstlife

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In zwei Wochen sind Bundestagswahlen. Trotz der parlamentarischen Sommerpause ist der Wahlkampf bereits in vollem Gange. Nur wie sieht es eigentlich im Bundestag aus? Für mich bot sich dieses Jahr die Gelegenheit, durch eine einwöchige Hospitanz in die Tagespolitik einzutauchen.

Das erste Mal besichtigte ich den Deutschen Bundestag während einer Klassenfahrt nach Berlin. Ehrfürchtig betrat ich das Reichtagsgebäude mit meiner Schulkasse und den Lehrern. Die Führung durch den Plenarsaal beeindruckte mich sehr. Für Politik interessierte ich mich auch schon damals. Worte haben Einfluss auf unser Leben und das Weltgeschehen. Politiker wirkten für mich sehr distanziert, wie aus einer anderen Welt. Lange Zeit spielte sich Politik für mich vor allem in der medialen Berichterstattung ab. Nach einer Woche im Bundestag im Abgeordnetenbüro bei Michael Grosse-Brömer, dem CDU-Fraktionsgeschäftsführer, sollte sich mein Blick auf das politische Geschehen und auch auf mich selbst verändern.

Mein aufregender erster Tag im Bundestag

Montagmorgen in Berlin: Nervös stand ich auf. Heute sollte ich zum ersten Mal persönlichen Kontakt mit meinem Abgeordnetenbüro haben, um den Antrag für den Praktikantenausweis abzuholen. In der Wilhelmstraße 68 musste ich zunächst einen Sicherheitscheck passieren und wartete danach auf Frau Wagner, die wissenschaftliche Mitarbeiterin und Büroleitung meines Abgeordneten.

Die Begrüßung war sehr herzlich und locker. Danach ging es gleich ins Innere des Jakob-Kaiser-Hauses. Etwas schüchtern schaute ich mich um und folgte Frau Wagner. Das Haus ist sehr unübersichtlich. Neben ganz vielen Treppen, die nicht enden wollten, sah ich Brücken, Aufzüge und Türen. Alles sah gleich aus. Umso mehr versuchte ich mir, den Weg einzuprägen. Nach einer Aufzugfahrt und mehreren Gängen erreichten wir das Büro. Ich trat ein und sah vor mir einen großen Schreibtisch, vollgepackt mit Ordnern und Unterlagen. Frau Wagner gab mir den Antrag für meinen Praktikantenausweis und erklärte mir das Programm meiner Hospitanz.

Danach ging es sofort zur Hausdruckerei wenige Meter weiter. Ich füllte einige Formulare aus und bekam noch ein Foto für meinen Ausweis, dann war ich endlich für vier Tage „Teil des Hauses".

Pressekonferenz im Bundestag

Dienstagmorgen: Gerade an meinem ersten Praktikumstag wollte ich einen besonders guten Eindruck hinterlassen und nicht zu spät kommen. Wie befürchtet, verlief ich mich natürlich. Ich stieg im falschen Stockwerk aus dem Aufzug und traf eine Praktikantin, die mir erzählte, wie oft sie sich schon im Jakob-Kaiser-Haus verlaufen hat. Ich stieg erneut in den Aufzug und landete diesmal wenigstens im richtigen Stockwerk. Danach war ich so verwirrt, dass ich mich gar nicht mehr an die Büronummer erinnern konnte. Ich fragte eine Mitarbeiterin, die mir auf dem Gang entgegenkam, um Hilfe. Sie führte mich dann zum richtigen Büro, nicht ohne sich vorher mit mir zusammen zu verlaufen. Zum Glück war ich trotzdem noch rechtzeitig im Büro, um meinen Abgeordneten zum Pressefrühstück zu begleiten. Nach einem kurzen Small-Talk betrat ich zusammen mit Herrn Grosse-Brömer den Saal für die Pressekonferenz.

Dort warteten bereits viele Journalisten der großen Medienhäuser aus ganz Deutschland. Etwas schüchtern setzte ich mich an den ersten Tisch, mir gegenüber saß ein Journalist von NDR Info und bereitete sich auf die Pressekonferenz vor. Das Pressefrühstück begann und ich freute mich, als Herr Grosse-Brömer mich als seine Hospitantin begrüßte, die auch als Nachwuchsjournalistin arbeitet. Danach berichtete Herr Grosse-Brömer über die Neuigkeiten der Woche aus dem Parlament in dieser Märzwoche.

Ein Kernthema der Konferenz war der Umgang mit der Türkei im Hintergrund der türkischen Wahlkampfveranstaltungen in Deutschland. Die Hospitanz fand im März statt.

Alle kochen nur mit Wasser

Interessiert höre ich zu und beobachte gleichzeitig meine „Kollegen" im Saal. Der Journalist mir gegenüber notierte eifrig mit. Ich spürte deutlich seine Anspannung, keine Information zu verpassen. Während meiner Pressekonferenzen bei einem Praktikum ging es mir nicht anders. Vor mir standen Qualitätsjoghurt, Obst jeglicher Art und belegte Brote. Völlig beeindruckt betrachtete ich die Himbeere auf meinem Bruscetta. Damit hatte ich nicht gerechnet. Kurz darauf fragte mich der Journalist, der mir gegenüber saß, etwas verschämt, ob er sich ein Bruscetta nehmen dürfe. Scheinbar holten die meisten Journalisten während der Pressekonferenz ihr Frühstück nach, denn alle wirkten ziemlich ausgehungert.

Irgendwann bemerkte ich, wie der Journalist mir gegenüber anfing, auf einer Serviette weiterzuschreiben, weil ihm das Papier ausgegangen ist. Schmunzelnd gab ich ihm ein Blatt von mir. Er bedankte sich erleichtert und meinte zu mir, er wusste nicht, dass noch etwas über Trump kommt. Ich verstand seine Sorge, schließlich könnten genau diese Informationen für seine Redaktion wichtig sein.

Nach der Pressekonferenz stürmen alle Journalisten aus dem Saal. Wenige Stunden später fand ich ihre Artikel im Internet. Lediglich der Journalist von NDR Info interviewte noch Herrn Grosse-Brömer und wirkte auf mich, als würde er sich Sorgen machen, ob der Geräuschpegel während des Interviews zu hoch ist und die Aufnahmen nicht verwendbar sein könnten. Diese Sorge kenne ich als Radiomacherin nur allzu gut und mir wurde bewusst, dass meine Ängste während meiner Arbeit als Nachwuchsjournalistin sich gar nicht so sehr von den Ängsten der Berufsjournalisten unterscheiden. Die kochen auch nur mit Wasser!

Am Ende scherzte im Luther-Jahr Herr Grosse-Brömer mit einer Journalistin noch über den Playmobil-Martin-Luther, die Stimmung war sehr entspannt und ausgelassen. Ich war überrascht von der lockeren Atmosphäre. Später meinte Herr Grosse-Brömer, das gute Verhältnis musste sich am Anfang erst einmal entwickeln bis ein echtes Vertrauen entstand.

Im zweiten Teil geht es darum um die Arbeit im Abgeordnetenbüro und einer Sitzung live im Bundestag.
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