Das vordynastische Zeitalter [2]

von Claudia Wendt

Das Wüstengebiet von Ägypten war bereits früh von den Menschen bewohnt. Bevor das Land verödet war, gab es reichliche Niederschläge und das Land und fruchtbaren und ergiebigen Boden. Seit dieser Zeit gab es im Land zahlreiche geologische Veränderungen. Diese sorgten dafür, dass die Regengüsse ausblieben und die fruchtbare Erde austrocknet. Großteils wurden die ägyptischen Lande unbewohnbar.
Die Steinzeit
Zu einer Zeit als das Land noch fruchtbar war, lebte dort ein Volk, von dem heute nur noch die Feuersteinwerkzeuge zu finden sind. Es war das paäolithische Zeitalter. Die Vorfahren der Ägypter weisen Verwandtschaftsmerkmale mit den Libyen oder Nordafrikanern auf. Aber auch Eigenschaften der ostafrikanischen Stämme, wie zum Beispiel die Galla, Somali und Bedscha wurden nachgewiesen. Sie Mitische Tomaten wanderten von Asien aus in das Niltal und prägten die Sprache des afrikanischen Volkes. Die Sprache ist Semitisch geprägt, mit Elementen der afrikanischen Vorgänger. Diese Vermischung ist 3000 Jahre lang ungefähr nachvollziehbar.

Dazu kam eine symmetrische Einwanderung aus Asien. Das Volk kam wahrscheinlich über die Landenge von Suez, wie auch später die Mohammedaner. Archäologische Funde bestätigen die Verwandtschaft des ägyptischen Volkes mit den Libyen. Man fand archaische Tongefäße, die noch heute von libyschen Kabylen hergestellt werden. In ägyptischen Denkmälern finden sich Darstellungen von „Punt“-leuten oder Somali, die den Ägyptern selbst sehr ähnlich sehen.
Die vordynastische Zeit
Die Kleidung
Die vordynastischen Ägypter waren dunkelhaarig. Die Männer waren mit einem Fell über den Schultern oder einem kurzen weißen Leinenschutz um die Lenden bekleidet. Frauen trugen lange Gewänder aus Leinen, die von den Schultern bis zu den Knöcheln hinabreichten. In Ägypten finden sich aber auch unbekleidete Statuetten dieses Volkes. Sandalen wurden zu dieser Zeit bereits getragen.
Schmuck
Körper wurden mit Tätowierungen geschmückt. Als Schmuckstücke trug man Finger- und Armringe, Anhänger aus Stein, Elfenbein und Knochen, Perlenketten aus Feuerstein, Quarz, Karneol oder Achat. Die Frauen verzierten ihr Haar Elfenbein kämmen und Haarnadeln. Augenlider und das Gesicht wurden mit Schminke verziert. Männer und Frauen nutzten dafür gleichermaßen Paletten aus bearbeiteten Schiefer, wo grüne Farbe aus Malachit vertrieben wurde. Man baute Hütten aus Schilfgeflecht und bewarf diese mit Lehm. Später nutzte man für den Bau der Häuser auch getrocknete Ziegelsteine.
Narmer-Palette

Vor- und Rückseite der Narmer-Palette, der Schminktafel des Königs Narmer (Menes?). Grüner Schiefer. Aus Hierankopolis. 1. Dynastie um 3400 v. Chr. Kairo, Museum Lizenz: Creativ Commons Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Narmer_Palette.jpg

Die Kunst
Die vordynastischen Kulturen waren bereits mechanisch sehr geschickt und künstlerisch veranlagt. Zum Salben nutzte man Elfenbeinlöffel, die einen reich verzierten Griff mit geschnitzten Tierfiguren hatten. Tongefäße in verschiedensten Formen wurden gefunden, die mit verschiedenen Techniken gefertigt wurden. Man fand geglättete rote und schwarze Tongefäße mit eingeritzt geometrischen Zeichnungen oder Korbmustern. Es finden sich dabei rohe Darstellungen von Schiffen, Menschen, Tieren, Vögeln, Fischen oder Bäumen. Perlen, Anhängsel und anderer Schmuck überzog man mit einem farbigen Glasfluss. Gefunden wurden auch zahlreiche rohe Statuetten, die aus Holz, Elfenbein oder Stein bestanden. Sie bilden den Anfang von plastischer Kunst. Es gibt drei große steinerne Statuetten, die den Gott Min von Koptos darstellen.
Ruderschiffe und Wasservögel - Malerei auf einem vorgeschichtlichen Tongefäß - Breasted

Breasted, J. H.: Geschichte Ägyptens. Parkland Verlag. 2001.

Töpferkünste wichen verschiedenen Steinarbeiten. Vom Ende der vordynastischen Zeit finden sich Schalen und Gefäße aus Steinarten, wie zum Beispiel die Diorit und Porphyr. Feuerstein wurde ebenfalls hervorragend bearbeitet.

Messer verzierte Mann Holz-, Elfenbein- oder Goldblechgriffen. Äxte setzte man aus Steinen und Feuersteinen zusammen. Kriegskeulen waren mit einem birnenfarbigen Knauf versehen. Dieser ist auch später in Babylonien verwendet worden. Sie sind die Hauptkriegswaffen dieser Zeit. Es folgte die Verwendung von Waffen und Geräten aus Kupfer. Inzwischen bearbeitete man auch Gold, Silber und Blei. Auf den Kunstgegenständen findet sich eine Darstellung des ägyptischen Elefanten, der zu dieser Zeit noch in Ägypten lebte. Tongefäße auch zeigen Giraffen und Nilpferde. In Zeichnungen sind Jagdszenen der Ägypter dargestellt. Sie finden sich auf Felsen im Niltal. In der Kunst zeigen sich z. B. Jagdboote, die auf dem Nil fuhren.
Bauern und Jäger
Die Ägypter waren zuerst als Ackerbauern tätig. Sie hatten eine uralte Religion, die bereits mit Symbolen und Zeichen primitive Vorstellungen des acker- und viehzuchttreibenden Volkes verraten. Die Ägypter dieser Zeit waren geschickte Fischer. Gejagt wurden von den Ägyptern Löwen und Ochsen mit Bogen und Pfeilen. In leichten Kähnen jagten sie mit Harpunen und Lanzen Nilpferde oder Krokodile. Zu dieser Zeit war der Elefant in Ägypten noch heimisch. Giraffen und Nilpferde sind später in Ägypten ausgestorben.
Schifffahrt und Handel
Schifffahrt und Handel entstanden allmählich in der vordynastischen Zeit. Jagdboote und stattliche Fahrzeuge mit vielen Rudern und einem Steuerruder befuhren den Nil. Ebenso fuhren Segelschiffe auf dem Nil. Mit den Abzeichen der Schiffe und Boote war der Ausfahrtshafen erkennbar. Gekreuzte Pfeile stehen zum Beispiel für die Göttin Neith von Saïs. Ein Elefant steht für Elephantine. Aus dem Süden Ägyptens kam Elfenbein zum Handeln. Diese Zeichen sind den Hieroglyphen für die späteren ägyptischen Gaue ähnlich.
Ägyptische Kleinstaaterei
In der Zeit des ältesten Ägypten fanden sich Spuren von Kleinstaaterei. Dabei handelte es sich um Verwaltungs- oder Lehnsbezirke, die "Gaue" genannt wurden. Man fand Spuren von ungefähr 20 solcher Staaten in Oberägypten. Sie verteilten sich entlang des Flusses. Die ersten bedeutenden Städte entwickelten sich. Das Stadtfürstentum Babylonien war eines davon. Jede Stadt bzw. jeder Kleinstaat bzw. jedes kleine Königreich hatte eine Ortsgottheit. Auf dem Markt traf sich die tributpflichtige Bevölkerung des umliegenden Landes.
Ober- und Unterägypten
Die verschiedenen kleinen Staaten verschmolzen zu 2 großen einheitlichen Reichen. Von Helden, Eroberern, Kriegen und Belagerungen ist wenig bekannt. Sicher ist, dass es bis über 4000 vor Christus hinausging. Über die beiden entstandenen Reiche ist ebenfalls wenig bekannt. Sie haben sich im Süden und im Norden gebildet. Vom Westen her strömten Libyer ein. Andere fremde Völker kamen ebenfalls über das Nildelta. Das westliche Delta nahm einen libyschen Charakter an. Bekannt ist, dass der ägyptische König mit libyschen Eindringlingen kämpfen musste. Die Bevölkerung im Norden war stark libyschen.

Der Tempel in Saïs befand sich im westlichen Delta. Er war ein Hauptmittelpunkt des libyschen Einflusses in Ägypten. Sein Name bedeutet „Haus des Königs von Unterägypten“ (bzw. des Deltas). Die Libyer trugen das Abzeichen der Hauptgöttin Neith auf den Armen tituliert. Es ist möglich, dass Saïs die Residenz eines libyschen Delta Königs gewesen ist. Saïs konnte aufgrund des libyschen Einflusses nicht als Residenzstadt der Regierung genutzt werden.

Buto galt als Hauptstadt des Nordreiches. Dort herrschte der ägyptische Einfluss vor. Als Wappen oder Abzeichen des Nordreiches galt die Papyruspflanze. Sie war zahlreich in den Marschen vertreten. Den König stellte man mit einem Biene dar. Er trug eine eigentümlich geformte rote Krone auf dem Haupt. Diese Zeichen finden sich auch in der späteren Hieroglyphenschrift wieder. Roth galt als Farbe des Nordreiches. Das Schatzhaus des Nordreiches wurde Anführungsstriche unten rotes Haus“ genannt.

Quellen:

vgl. Breasted, J. H.: Geschichte Ägyptens. Parkland Verlag. 2001.

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