Akira - Katsuhiro Otomo

von Claudia Wendt

Akira ist einer der großartigsten Mangaklassiker, der für die Etablierung der Mangaszene, auch in Deutschland, enorm begünstigte. Gezeichnet wurde der Manga von Katsuhiro Otomo. Er ist ein phänomenales Science-Fiction-Werk, dass jede Menge Lesestoff bietet.
Die Explosion
Am 6. Dezember 1992 löscht die Explosion einer Atombombe Tokyo aus. Diese Katastrophe ist verantwortlich für den dritten Weltkrieg. Der Manga Akira setzt 38 Jahre später ein. Kaneda und Tetsuo gehören zu einer Motorradgang, die die Stadt unsicher macht. Als sie ins Sperrgebiet der Explosion fahren erscheint ein Kind auf der Straße, direkt vor Tetsuos Motorrad. Der versucht auszuweichen und baut dabei einen Unfall. Auf der Stelle tritt das Militär in Aktion, dass den Jungen und Tetsuo sofort einsammelt.

Akira Explosion
Gefährliche Kräfte
Tetsuo wird von den Militärs behandelt und entwickelt eine mächtige Psikraft. Es gibt wenige andere, die ebenfalls diese Kraft besitzen. Darunter die Jungen: Masaru und Takashi und ein Mädchen: Kyoko. Sie versuchen Tetsuo umzubringen, da er ihrer Meinung nach eine große Gefahr darstellt und Akira erwecken könnte. In das ganze mischt sich dann noch eine Rebellentruppe mit ein, der Kai und Ryu angehören. Sie versuchen zu Beginn des Mangas, Takashi zu befreien und gegen die bestehende Regierung und das Militär vorzugehen.
Akira
Tetsuo steigert seine Kräfte durch die Einnahme von Drogen. Er tötet Menschen und begibt sich zu dem Bunker, in dem Akira "auf Eis gelegt ist". Tatsächlich schafft er es, den Psibegabten Jungen aus seinem Schlaf zu wecken. Der Beginn einer weiteren großen Katastrophe ...

Tetsuo & Akira
Der Zeichenstil
Der Zeichenstil Katsuhiro Otomos ist sehr realistisch gehalten. Es ist erkennbar, dass der Künstler sich sehr von französischen und amerikanischen Künstlern beeinflussen ließ. DIe Augen sind z. B. eher klein und realistisch dargestellt. Er setzt viel auf Schraffuren und in den letzten Bänden bekommt besonders Tetsuo eine surrealistische Darstellung, als sein Körper die Kraft nicht mehr halten kann. Die Geschichte ist düster, mit vielen dunklen Flächen dargestellt. Stadtbilder und Maschinen sind realistisch und extrem detailreich. Dazu kommt die explizite Darstellung von der eskalierenden Gewalt.
Veröffentlichungen
Der Manga erschien von 1982 bis 1990 im "Young Magazine" des Kodansha Verlages. In Amerika veröffentlichten die "Epic Comics" von Marvel die Reihe. Zwischen 1987 und 1988 wurde die Reihe pausiert. 1984 bis 1993 wurde die Reihe, welche 2200 Seiten am Ende umfasste, in sechs Sammelbänden zusammengefasst. 1988 erschien Akira bei Epic Comics, einem Imprint der Marvel Comics. 2000 bis 2002 veröffentlichte Dark Horse eine originalgetreue Fassung. In Frankreich erschien Akira als Hardcover von 200 Seiten pro Band. In Italien und Spanien wurde der Manga ebenfalls veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen basierten auf der bearbeiteten US-Version. In Japan brachte man All Color Kokusaiban Akira (オールカラー国際版) heraus, eine kolorierte US-Fassung des Mangas. Es waren 12 Bände, die zwischen 1998 und 1996 erschienen. Dazu kamen sechs weitere Bände: Sotennenshoku Akira (総天然色), die 2003 bis 2004 erschienen.
Anpassungen für den Westen
In den USA spiegelte man den Manga in westliche Leserichtung. Otomo nahm dafür eigenständig viele Änderungen vor. Dazu gehörte das Entfernen von Sprechblasen und Beschriftungen. Die Zeichnungen, welche darunter lagen, komplettierte Otomo und spiegelte das ganze. Wenn es nicht störte, wurden Zeichnungen in Originalleserichtung gelassen. Mitunter wurden dafür sorgar Bilder entfernt.

Kaneda mit Motorrad
Die Farbausgabe
Für die westliche Veröffentlichung erschien eine Farbausgabe von Akira. Dafür wurden die Seiten von Steve Oliff und Olyoptics in den USA koloriert. Die Farbgebung erfolgte mit einer neuartigen computergestützten Technik, die Farbverläufe zuließ. Otomo wählte Steve Oliff selbst für die Aufgabe aus. Dadurch wurde die Reihe an den amerikanischen Comicgeschmack angepasst. Bei Kodansha wurde die englische Übersetzung vorgenommen, die erneut vom amerikanischen Verlag angepasst und von Kodansha noch einmal korrigiert wurde.
Die deutschen Veröffentlichungen
Der Carlsen Verlag brachte 1991 bis 1996 eine bearbeitete US-Fassung von Akira heraus. Insgesamt erschien die Reihe in 19 Bänden. Zusätzlich gab es einen Band 20, der Skizzen zur Serie enthielt. Dadurch wurde Akira zur ersten komplett auf deutsch erschienen Mangareihe. Der Preis war damals mit 30 DM pro Band hoch angesetzt. 2000 bis 2001 kam Akira erneut, in einer sechsbändigen schwarz-weiß Ausgabe heraus. Sie wurde unter dem Titel "Original-Edition" veröffentlicht. Die westliche Leserichtung wurde beibehalten. Im Dezember 2016 kam dann als Höhepunkt der deutschen Veröffentlichungen die limitierte Komplettbox. Sie wurde auf 1991 Stück limitiert und enthielt sechs Softcover-Bände. Diese Sonderausgabe war komplett koloriert. Die Leserichtung wurde dafür nicht geändert.
Fazit
Jeder, der mit dem Begriff Manga etwas anfangen kann, sollte Akira zumindest gelesen haben. Die Mischung des japanischen, mit amerikanisch orientiertem realistischen Zeichenstil ist nicht jedermanns Sache. Dennoch ist Akira ein Werk, dass einen Blick Wert ist. Dieser Manga war einer der Grundbausteine, die in Deutschland die Mangas nach oben gebracht haben. Ein Klassiker, der nicht für jüngere, aber für ein anspruchsvolles Publikum geeignet ist. Wer mit der Gewaltdarstellung Katsuhiro Otomos nicht klarkommt, sollte die Finger davon lassen. Akira ist trotzdem eine unbedingte Leseempfehlung.
Covergallerie
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Akira Originaledition (Carlsen Verlag)








Farbausgabe




















Akira - Der Anime
Der Manga von Akira hat natürlich eine Verfilmung erfahren, die mit zu den Erfolgreichsten im Animebereich gehören. Nachdem 1982 der Manga erschienen war, kam 1988 der Film in die japanischen Kinos und brach sämtliche Zuschauerrekorde. Ein Jahr später kam er in USA.

Die Handlung

Die Handlung unterscheidet sich etwas von der Mangavorlage. Das Grundszenario bleibt das Gleiche: 1988 wurde Tokio in einer gewaltigen Explosion zerstört, mit der Folge des Dritten Weltrkeigs. 31 Jahre Später wird die Stadt von Bürgerunruhen und Studentenaufständen erschüttert. Die Motorradgang von Kaneda macht die Stadt unsicher. Nach einem Motorradunfall werden der Junge Takashi und der verletzte Tetsuo von der Armee mitgenommen. Tetsuo verändert sich bis zum erneuten Treffen mit Kaneda. Zusammen mit Kei, einer Untergrundkämpferin, die Akiras Auferstehung verhindern will, kämpft er gegen das Militär.

Akira - Kaneda

Die Unterschiede

(Achtung: Dieser Abschnitt enthält etwas Mangaspoiler)

Es gibt einige Passagen, die Anime nicht erwähnt werden. Dazu gehören zum Beispiel Szenen, die mehr zu den Psi-Kräften der Kinder erläutern. Auch Akiras Existenz wird anders dargestellt und ein ganzer Teil des Mangas erscheint hier gar nicht erst. Nachdem Akira erwacht, wird Tokyo erneut zerstört und das große Tokyoter Reich gegründet. Im Anime findet dieser Aspekt keine Beachtung. Schade, dass solche Abschnitte des Mangas nicht miteinbezogen wurden. Auch Mutter Miyako erscheint gar nicht im Anime, die an sich eine interessante Figur ist. Takashis Tod, der zur erneuten Zerstörung der Stadt durch Akira führt, findet hier gar nicht statt.

(Spoiler Ende)

Tetsuo

Die Musik

Die Musik des Films wurde von Shinji Yamashiro komponiert. Sie ist eine interessante Variation aus japischer Klassik und moderne, Synthesizer. Die musikalische Untermalung macht den Film atmosphärisch und spannend.



Fazit

Wer den Manga gelesen hat, vermisst im Anime einiges. Trotzdem hat Katsuhiro Otomo ein bildgewaltiges Werk geschaffen. Der Anime hat trotz allem eine schlüssige Handlung. Aufgrund der Gewalt, ist er nichts für Leute, die kein Blut sehen können. Die philosophisch-wissenschaftskritische Geschichte unterhält und regt auch in heutigen Zeiten zum Nachdenken über Wissenschaftsethik an.

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Zum erfolgreichen Manga Akira von Katsuhiro Otomo erschien das Artbook Akira Club. Das Artbook wurde im Carlsen Verlag veröffentlicht.



Enthalten sind in dem Artbook Coverillustrationen, Skizzen und eine Übersicht über das Merchandising, dass rund um Akira entstanden ist. Ergänzt wird das Ganze durch Skizzen und ein Interview mit Kasuhiro Otomo.

Akira Club

Der Großteil des Buches besteht aus farbigen Titelillustrationen, chronologisch geordnet. Die Kommentare von Otomo sind leider nicht sehr originell. Einiges Material des Artbooks erschien bereits in der älteren Mangaversion in Band 20.


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Claudia Wendt

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