Die Wismarer Wasserkunst

von Claudia Wendt

Die Wismarer Wasserkunst
Es hat etwas gedauert, aber endlich ist mein erster Artikel für meinen Wismarblog fertig! Demnächst werde ich weitere Bilder posten. Viel Spaß beim Lesen!

Die schönste Sehenswürdigkeit und zugleich Wahrzeichen von Wismar ist die Wasserkunst. Sie steht auf dem Marktplatz, der mit 10.000 m², zu einem der größten Deutschlands gehört. Gebaut wurde sie nach den Plänen des Utrechter Baumeisters Philipp Brandin.
Was ist die „Wasserkunst“?
Der Begriff „Wasserkunst“ bezeichnet ein mittelalterliches Schöpf- und Pumpwerk, mit dem man die Wasserversorgung der Stadt, durch Förderung, Hebung und Führung von Wasser sicherte. Aufsicht über die Wasserkunst hatte der Kunstmeister.
Was waren die Aufgaben der Wasserkunst?
Wo vorher ein kleiner Brunnen genügte, musste mit wachsender Bevölkerungszahl etwas Größeres her. Die 1602 erbaute Wasserkunst war bis 1897 das zentrale Wasserreservoir von Wismar und diente der Stadtversorgung, mit Frischwasser. 220 Häuser und 16 öffentliche Schöpfstellen wurden von ihr mit Wasser versorgt. Die Wasserkunst fungierte als zentrale Verteilerstelle, bei der das hölzerne Röhrenleitsystem des Wassers zusammenführte.
Wie funktionierte die Wasserversorgung von Wismar?
In den ersten Jahrhunderten nach der Stadtgründung versorgten sich die Wismarer Einwohner mit Trinkwasser aus einfachen Brunnen selber. Ab ca. 1430 wurden Wasserträger und -fahrer eingesetzt, die bei Bedarf Wasser auslieferten. Im 16. Jahrhundert fiel es in den Aufgabenbereich der Wismarer Stadtväter, die Wasserversorgung der Stadt zu sichern. Dazu gehörtel nicht nur die Trinkwasserversorgung, sondern die Bereitstellung von Lösch- und Betriebswasser, Bewässerung der Wallgräben, Speisung der Wassermühlen und die Gartenbewässerung. Der Wasserbedarf von Wohn- und Arbeitsstätten musste gedeckt werden. Mit wachsender Einwohnerzahl stieg der Bedarf nach Frischwasser, weshalb Techniken zur Wasserspeicherung, -transport und -verteilung entwickelt wurden. 1563 erbaute man auf dem Marktplatz einen hölzernen Laufbrunnen, über dem zwischen 1579 und 1602 die Wasserkunst errichtet wurde. 1897 stellte die Wasserkunst ihren Betrieb ein.
Wo kam das Wasser her?
Die Wasserkunst speiste zerst der Mühlenteich. 1570 leitete man das erste Wasser von der Metelsdorfer Quelle, südlich von Wismar, ab. Durch Holzrohre floss es in ein Sammelbecken, einen hölzernen Brunnen in der Altwismarstraße. Ab 1602 diente die Wasserkunst der Wasserversorgung von der Metelsdorfer Quelle. Mit dem Bau des neuen Wasserturms, wurde ab 1682 die Stadt von einem Wassergemisch von Mühlenteich und Metelsdorfer Quelle versorgt.
Die Wasserkunst als Prestigeobjekt?
Wasserkünste wurden im Mittelalter an zentralen Punkten der Städte errichtet. Gerne setzten Stadtveranwortliche diese als Prestigeobjekt an Ort und Stelle. Deshalb wurden sie besonders kunstvoll gestaltet. Einige Landesherren sahen darin eine Gelegenheit, sich selber ein Denkmal zu setzen. Für die Bürger waren die Brunnen Wasserlieferanten und Kommunikationsstelle. Dort erfuhr man den aktuellen Tratsch. Ob von der eigenen Stadt oder Nachbarstädten, man vernahm und verbreitete Neuigkeiten.

Wasserkunst Wismar

Streitpunkt Wasserkunst
Zum Nutze oder nur Zier?
Es stellt sich die Frage, wer die Wasserkunst eigentlich erbaut hat? Philipp Brandin legte den Entwurf für die Wasserkunst , einen „stenern Kasten“ 1579 vor. Er bekam 200 Taler Anzahlung. Der Stein sollte aus Gotland geliefert werden. Da der Kunstmeister fürchtete, dass dieser entzwei bricht, erklärte Brandin sich bereit, die Wasserkunst zu unterhalten. Es kam zu Streitigkeiten zwischen der Bürgerschaft und dem Stadtrat. Für die Vollendung des Bauwerks wurde kein Geld zur Verfügung gestellt. Brandin drohte eine Entschädigung zu verlangen, wenn er nicht mehr gefördert würde. 1581 wurde kein Stein gesetzt. Verhandlungen über den Weiterbau der Wasserkunst verliefen erfolglos. 1590 trat Brandin Steine für ihm vorgeleistete 200 Taler ab. Der Kasten sollte inwandig mit Grabsteinen ausgekleidet werden. Die Kosten schätzte man auf 600 Taler.

Streitigkeiten bezüglich der Finanzierung verzögerten den Bau. ⅓ Mehrkosten wurden für den Kasten veranschlagt, der höchstens 20 Jahre hielte. Der damalige Bürgermeister, Hinrich Schabbell, rechnete mit 1000 Talern, da die notwendigen Steine nicht da waren. Der Bürgermeister bestellte die Steine bei Gotland. Diese lagen dann ungenutzt vor Ort und verärgerten die Bürger. Die Gemeinde gab weitere 100 Taler dazu. Nach einer erneuten Beschwerde verärgerter Bürger verweigerte man die Auszahlung der nötigen Summe, um den Bau zu beenden. Trotzdem wurde der Bau, dank des Rates, endlich begonnen. Die Bevölkerung murrte und argwöhnte, dass die Wasserkunst nur zur Zierde da war. Sie schien nicht zweckdienlich zu sein.

1594 erklärte sich der Bürgerausschuss mit dem Bau der Wasserkunst einverstanden, in dem Jahr, in welchen Brandin starb. Somit ist unklar, wer 1595 und 1596 die Bautätigkeiten an der Wasserkunst übernahm. 1596 fehlten ungefähr 1000 Steine. 1600 beschloss der Rat, die Wasserkunst nicht fertig zu bauen, da die fehlenden Steine nicht in der nötigen Qualität gebrannt werden konnten. Am 11. Septemberr 1600 findet sich eine Notiz zu einer Besprechung zwischen dem Rat und einem unbekannten Steinmetz darüber, wie der Bau zu verlaufen habe. Aus der Stadtabrechnung am 19. Dezember 1601 zu ersehen ist, dass es sich um den Lübecker Meister Heinrich Dammert handelte.

„Heinrich Dammert, steinwirkern von Lubeck, auff rechnung zu verfertigung des arbeits, so an dem sterinen wasserkasten zu verfertigen. laut der quitung den 19. Decembris ao. etc. 1601.“ (Techen: Die Wismarsche Wasserkunst und Meister Heinrich Dammert. In: Mitteilungen des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde. S.63)

Am 11. August 1602 bat der Rat Herzog Ulrich in einem Schreiben an den König von Dänemark, das Verbot gotländische Steine nach Wismar zu verschiffen, aufzuheben. Diese würden für die Wasserkunst benötigt. Das tat er, nachdem eine Schute gezwungen war, ohne Steine nach Wismar zurückzukehren. 1602 wurde der Bau der Wasserkunst beendet. Nachweislich hierfür ist die Inschrift an der Wismarer Wasserkunst.
Vom verstorbenen Baumeister und der Architektur
Der Erbauer der Wasserkunst
Philipp Brandin wird die Wasserkunst im Allgemeinen zugeschrieben. Friedrich Techen (1859-1936) bezweifelte den Bau durch Philipp Brandin und schrieb ihn dem Lübecker Meister Heinrich Dämmert zu. Philipp Brandin verstarb bereits 1594, bevor der Bau der Wasserkunst offiziell begonnen wurde. Dämmert, wurde in den Rechnungsbüchern von St. Petri im Bezug auf Bau- und Kunstdenkmäler von Lübeck genannt. In einem wismarschen Protokoll wird in der Bestallung des Lübecker Rates bezeichnet. Mitgearbeitet haben Steinmetze, Maurer und Dachdecker. Die Ausgaben flossen in gotländische Steine, Bauholz, Mauer- und Backsteine, Dielen und Bretter.
„Nix und Nixe“
An der Ostseite der Wasserkunst finden sich zwei Bronzefiguren, die als Wasserspeier fungieren. Im Volksmund wurden sie „Adam und Eva“, „Nix und Nixe“ oder „Frauloch und Mannloch“ genannt. 1861 installierte sie Heinrich Thormann. Die bronzenen Originalfiguren wurden 1897, als der neue Wasserturm die Wasserkunst ablöste, entfernt und ans stattgeschichtliche Museum, dem „Schabbellhaus“ übergeben.
Die Architektur der Wasserkunst
Die Pläne für die Wasserkunst schuf Philipp Brandin. Die Wasserkunst ist zwölfseitig in Tempelform nach dem Vorbild italienischer Renaissance gebaut. Der Pavillon wird von zwölf männlichen und weiblichen Hermenpilastern, ursprünglich aus Sandstein, gegliedert. Auf ihnen ruht die glockenförmige Haube.

 

 

 

Die Laterne ist besonders gestaltet wie der Pavillon und wird von Hermenpilastern, früher aus Holz, getragen. Über dem Eisengitter befinden sich Spruchplatten, die in goldener Schrift den lateinischen Text wiedergeben, der von der Trinkwasserversorgung früherer Zeiten spricht. Unter dem Eisengitter befindet sich die deutsche Übersetzung.

Auf Wikipedia findet ihr eine Querschnittszeichnung, von einem Rekonstruktionsvorschlag der Wasserkunst aus dem Jahre 1858. Es handelt sich um eine Variante mit offenem Rundbecken, die nicht realisiert wurde.

Zwischen 1860 und 1861 wurde die Wasserkunst wegen Abnutzungserscheinungen restauriert. Ein weiterer Grund für die Restauration war die zu kleine Beckengröße. Die Leitung der Arbeiten hatte Heinrich Thormann inne. Nachdem die Holzrohre durch Gusseiserne ersetzt wurden, ließ dieser die Wasserkunst auf einen Sockel setzen und mit Rasen verzieren. Das Institut für Denkmalpflege Schwerin unterstützte eine umfassende Restaurierung von 1966 bis 1976.

Die Steinarbeiten unterstützte der Schweriner Bildhauer Rolf Lange, seine Familienangehörige Siegfried, Dietmar und Ingrid Lange, sowie Hannelore Colmsee. Dazu zählen ein Klempnermeister Zelder aus Schwerin, der Holzbildhauer Figurski aus Güstrow, der Wismarer Schmiedemeister Heinrich Schoknecht und andere Fachleute. Thormann platzierte unter den beiden Bronzefiguren „Nix und Nixe“, welche er hinsetzte, einen Hoch- und einen Tiefbehälter. Erneut fand eine Restauration von 1966 bis 1976 statt.

Zwischen 1972 und 1976 wurden am Kupferdach, an den Spruchplatten, sowie am Dachreiter weitere Restaurationsarbeiten durchgeführt. Alle Sandsteindetails und die hölzernen Teile der Laternen wurden durch Kopien ersetzt. 1998 fand der neueste Restaurationseingriff an den Wasserspeiern „Nix und Nixe“ statt. Die sechsseitigen Laternen auf der Wasserkunst entsprechen denen auf dem Dachreiter vom Leichenhaus von St. Petri. 1998 wurde die Wasserkunst das letzte mal ausgebessert. Dabei wurde von Nix und Nixe eine Kopie angefertigt und diese aufgestellt.

Laufbrunnen als Wasserversorgung
Laufbrunnen wurden seit dem 16. Jahrhundert eingesetzt. Quellwasser schätzte man als gesünder ein, da die Verunreinigungen geringer waren. Mit ihnen wurde der Zugriff auf Quellwasser erleichtert. Das Wasser wurde quellnah aufgefangen und durch hölzerne Rohrleitungen zum Brunnen geleitet. Als Rohrleitungen verband man ausgehölte Holzstämme.

Die Rohre verlegte man unter der Erde, um sie im Falle einer Belagerung nicht angreifbar zu machen. Dadurch konnte die Stadt im Kriegsfall mit Frischwasser versorgt werden.

Die Leitungen verzweigten sich in der Stadt zum Brunnen, zu Herrschaftsgebäuden, vornehmen Bürgerhäusern, Klöstern, Stiftungen, Pfarr- und Wirtshäusern, Gerbereien, Badhäusern, Dienstwohnungen und anderen städtischen Gebäuden.

Das Wasser sammelte man in hölzernen, steinernen und seit dem 18. Jh. gusseisernen Trögen. Überlaufendes Wasser wurde in weitere Becken geleitet.

Wenn private Häuser an das Verteilungsnetz angeschlossen werden wollten, mussten sie Gebühren zahlen.

Die einfache Bevölkerung holte ihr Wasser von öffentlichen Lauf- oder Schöpfbrunnen. Wenn die Bevölkerung den Verlauf der Rohre kannte, kam es vor, dass sie versuchte, diese anzubohren und Wasser abzuzweigen.

Für die Instandhaltung des Laufbrunnens war der Brunnenmeister bzw. der Kunstmeister verantwortlich.

Bei Wikipedia findet ihr mehr zum Thema Laufbrunnen.

Die Inschrift der Wasserkunst
Lateinisches Original und Deutsche Übersetzung

Ich möchte versuchen die Inschrift in lateinischer Sprache nach Wortlaut wiederzugeben. Ich werde die Abbildungen der Inschrift zusätzlich einfügen. Falls ihr Fehler entdeckt bitte ich um Hinweise.

Über und unter dem Gitter rund um die Wasserkunst wird in lateinischer Sprache beschrieben, wie die Trinkwasserversorgung früher vonstatten ging. Die Inschrift ist von 1861.
Lateinische Inschrift
 

Lateinische Inschrift der Wasserkunst

Anno Domini nostri Jesu Christi
CIC IC LXXi (1661)
structura haecce exstitit
Anno Dominico

Lateinische Inschrift der Wasserkunst

zyn oeo (habe leider noch nicht herausgefunden, was die Zeichen bedeuten)
SPQW
Johannes Tritze de Heiderstorf
Misniae oppido oriundus
fontem feliciter aperuit.

Inschrift Latein 1

Soli Deo sit Gloria:
Sint gratiae soli Deo;
Hanc civitatem is protegat,
concordia o semper beet.

Lateinische Inschrift der Wasserkunst

Dulcis aqae dum permultis urgebat
ab annis
Wismariam, finis nescia, pauperies;

Lateinische Inschrift der Wasserkunst

Vidumus advehier zythi dostoribus
undas
Ex puteis, parvo at saepius, aere, gravi.

Lateinische Inschrift der Wasserkunst

Nil igitur non cura patrum tentavit,
ut esset
Civibus haud salsae copia maior aquae.

Lateinische Inschrift der Wasserkunst

Pars his consuluit puteis accersere
lymphas
Pars ex Schwerini nititur arte, lacu.

Lateinische Inschrift der Wasserkunst

At licet eximiis rem sumptibus aggrederetur
Destitit, incassum dum labor omnis
abit.

Lateinische Inschrift der Wasserkunst

Sed patrum, o miserate deus, conamina
nobis
nunc, te dante, fluit fons salientis aquae.

Lateinische Inschrift der Wasserkunst

Hunc tu clementi posthac bonitate perennem
Wismariae serves: hancce tibi hospitium.

Lateinische Inschrift der Wasserkunst

Namque hac structura cev civibus affluit unda,
Hos tibi sic gratos percupimusque pios.
Deutsche Inschrift
Inschrift deutsch1

„Brunnen, Wasser in Tonnen verkauft, und eine Leitung die Grube entlang,

Inschrift deutsch2

befriedigten nicht die Bedürfnisse der Stadt, und deshalb führte man

Inschrift deutsch3

1571 durch Röhren frisches Quellwasser von Metelsdorf auf den Markt.

Inschrift deutsch4

Kriegsnot wegen richtete man 1682 das Pumpwerk ein, welches

Inschrift deutsch5

Flusswasser aus dem Mühlgraben herbeibrachte und vereinigte beides

Inschrift deutsch6

Wasser nach der Belagerung von 1715. Des Behälters Schadhaftigkeit und

Inschrift deutsch7

Kleinheit wegen ist die alte Kunst bis auf den Grund niedergenommen

Inschrift deutsch8

und neu eingerichtet vergrössert wieder erbaut worden im Jahre 1861.

Inschrift deutsch9

Möge durch des barmherzigen Gottes Gnade der Fleiss und die

Inschrift deutsch10

Treue der Vorsteher auf lange Zeit hin dies der Gesundheit, Reinlichkeit

Inschrift deutsch11

und öffentlichen Seicherheit gewidmete Werk unserer Stadt erhalten.

Inschrift deutsch12

Anno 1861.

 


Wie funktionierte die Wasserkunst?
Aufbau der Wasserkunst
Die Wasserkunst bestand aus einem Pumpwerk, einem antreibenden Wasserrad, einem Hochbehälter und dem Röhrensystem. Im Hochbehälter lagerte man Wasser. Das Röhrensystem bestand aus ausgehöhlten Baumstämmen. Durch diese Vorrichtungen, war die Wasserkunst in der Lage Wasserdruck zu erzeugen. Somit war es möglich, Orte zu beliefern, die eine höher Lage hatten.
Die Funktionsweise der Wasserkunst
Das Wasser der Metelsdorfer Quelle wurde in mehreren „Wasserkisten“ aufgefangen. Hölzerne Rohre leiteten das Wasser entsprechend zu. Von den Kisten führten zwei hölzerne Leitungen mit Bohrungen von 2 ½ Zoll Durchmesser weg. Die beiden Leitungen waren nicht miteinander verbunden, weshalb sie „Mannsrohr“ und „Weibsrohr“ genannt wurden. Mit 29 „Grundablässen“ konnten die Rohre gesäubert werden. Das Wasser überwand den Galgenberg, durch das Mecklenburger Tor und erreichte durch die Mecklenburger Straße die Wasserkunst. Von dort wurde es durch die in die „Wasserkumme“ geführt und vermischte sich mit dem Wasser vom Mühlenteich.

5 Leitungen führten von der Wasserkunst in die Stadt. Anlaufstellen waren die Mecklenburger Straße, Dankwartstraße und Fürstenhof, Krämer- und Bohrstraße, Lübsche Straße, Altwismar- und Bademutterstraße. Zusätzlich versorgten weitere Rohrleitungen Häuser der Stadt.
Nebenstraßen hatten keine Wasserversorgung. Die Bewohner von Nebenstraßen bekamen ihr Wasser von „Freipfosten“, die in der Stadt verteilt waren, kostenlos. Dazu gehörten mitunter „Adam und Eva“ („Nix und Nixe“) an der Wasserkunst. Durch Hebeldruck ließen sie Wasser ab. Wer Wasseranschluss hatte, zahlte Wassergeld, welches von der Taxkommission geschätzt wurde. Für Brauer, Branntweinbrenner und Mälzer war es ein erheblicher Kostenfaktor.
Der Kunstmeister
Aufsicht über die Wasserkunst führte der „Kunstmeister“. Bei Amtsantritt legte er einen Eid ab. Er hatte auf die Wasserleitung und -kunst Acht zu geben, zusammen mit einem Gehilfen. Sie mussten die Rohre reinigen, ausbessern, alte Rohre austauschen, wenn nötig und das Wasser aus der Wasserkunst verteilen. Sie durften keine Geld- oder Geschenkforderungen annehmen. Wo nötig, wurde das Wasser kostenlos verteilt. Gehilfen des Kunstmeisters waren die Rohrleger vom „Bohrhof“ in der Gerberstraße. Diese stellten die Ersatzrohre her. Verbraucher mussten auf den Zustrom des Wassers entsprechend der Zuteilung warten. Nicht jederzeit war Wasser verfügbar. Die Kumme, in welche das Wasser lief, befand sich in den jeweiligen Häusern, unter der Dielung im Erdgeschoss. Im Sommer wurde öfter zur Sparsamkeit ermahnt. Es wurde sogar unter Strafe gestellt, das Wasser nicht rechtzeitig wieder abzustellen.


Der Untergang der Wismarer Wasserkunst

Von 1579-1602 dauerten Planung und Bau der Wasserkunst. Während einer Belagerung durch dänische, hannoversche und preußische Truppen, wurde der alte Wasserturm 1715 über Holzleitungen mit der Wasserkunst verbunden. Von 1715 bis 1897 war die Wasserkunst die Sammel- und Verteilungsstelle von Wasser, welches sich aus Meteldsdorfer Quelle und Mühlenteich zugleich speiste. 1816 wurde die Wasserkunst im Innern erneuert und außen renoviert. 1858 bezeichnete ein Kommissionsbericht die Wasserkunst als baufällig und einsturzgefährdet. Die Leitungen hatten nur noch einen Durchfluss von 1 Zoll. An manchen Tagen floss kein Wasser mehr durch die Rohre. Mitunter wurde von der Bevölkerung über das ungenießbare Trinkwasser geklagt.

Die hölzernen Leitungen innerhalb der Stadt ersetzte man gegen während der Bauarbeiten der Chassee Wismar-Gadebusch durch Ton- und gusseiserne Rohre. Die fünf Hauptstränge, welche in die Stadt führten, wurden nicht ausgetauscht. Die Trinkwasserqualität änderte sich nicht. Die Anlage zerfiel und der Wasserbehälter wurde zu klein. 1861 wurde die Wasserkunst nach den Plänen von Heinrich Thormann rekonstruiert. 1892 befürchtete man eine Cholera-Epedemie. Wasserentnahme zum Spülen von Haushaltsgegenständen wurde unter polizeilichen Auflagen verboten. 3. November 1897 wurde die Wasserkunst durch eine neue Wasserversorgung abgelöst. Die Figuren „Nix und Nixe“ wurden an das städtische Museum gegeben. Ihr Betrieb wurde eingestellt.

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserkunst_Wismar

Bernd Herrmann, Christine Dahlke (Hg.): Schauplätze der Umweltgeschichte Werkstattbericht, Graduiertenkolleg 1024 Interdisziplinäre Umweltgeschichte, Universitätsverlag Göttingen 2008, s.195-197.

Friedrich Techen: Die Wismarsche Wasserkunst und Meister Heinrich Dammert. In: Mitteilungen des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde. 1919.

Das schöne Detail: Architekturdetails Wismars von der Gotik bis zum 20. Jh. Hg. Vom Rat der Stadt Wismar. Abteilung Kultur. Wismar, 1989.

Nugent, Thomas: Travels through Germany. Vol. I. London 1768.

Siegfried Berndt: Von Wismars Wasserkünsten. In: Wismarer Beiträge; Heft 8. Hanse Druck, Wismar, 1992.

 

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