Gerichtsverhandlung in New York

von Ave Aventin

Gerichtsverhandlung in New York
Gerichtsverhandlung in New York
New York City um 1900 - Gerichtsverhandlung in New York
Gerichtsverhandlung - Heinz Liepman - New York
Ich war vor zwei Monaten in New York City angekommen und lebte mit zwei Freunden, die wie ich von Deutschland gekommen waren, in einem dunklen, schäbigen Zimmer, das uns Mr. Murphy, ein fetter, jähzorniger Ire, vermietet hatte.
Wir hatten kein Geld und keine Jobs und lebten von Gelegenheitsarbeiten. Mr. Murphy war ein Witwer mit fünf Kindern, und Jimmy war das jüngste. Das Haus, wo wir wohnten, war eine der riesigen Mietskasernen in dem armseligen, übervölkerten Viertel der Stadt im Süden Manhattans, in dem die erste Generation der Einwanderer lebte - Griechen, Iren, Juden, Franzosen, Deutsche, Russen und Italiener.
Als wir ungefähr drei Monate bei Mr. Murphy gewohnt hatten, wurde Jimmy krank. Von Anfang an sah es ziemlich hoffnungslos aus. Kurt, der früher ein prominenter Kinderarzt in Berlin gewesen war, ging zu Mr. Murphy.
"Mr. Murphy", sagte er, "Sie wissen, dass ich Jimmy nicht behandeln darf, da ich das amerikanische Staatsexamen noch nicht abgelegt habe. In vier Monaten wird es soweit sein, aber darauf kann Jimmy nicht warten. Sie müssen sofort einen Arzt holen."
"Können wir ihn nicht in ein Krankenhaus bringen?" fragte Mr. Murphy. "Hier zu Hause können wir nicht für ihn sorgen. Ich muss zur Arbeit gehen - wegen der anderen Kinder.."
"Jimmy kann nicht transportiert werden. Machen Sie sich deswegen keine Sorgen. Wir drei werden aufpassen.

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