Das Tolle an der Liebe

von Ave Aventin

Das Tolle an der Liebe
Das Tolle an der Liebe
Liebe - Erzählung von Monika Seck-Agthe
Das Tolle an der Liebe - Novelle von Monika Seck-AgtheDas Tolle an der Liebe - Novelle von Monika Seck-Agthe


Ich bin zwar nicht mehr die Allerjüngste. Im nächsten Winter werde ich dreißig. Dass ich mich verliebe, wird immer seltener. Es ist schon so viel schief gegangen. Irgendwas habe ich meistens falsch gemacht. Oft bin ich den Männern einfach zu dicht auf den Pelz gerückt.


Wenn ich mich verliebe, alles ist bunt und sprüht Funken. Ich habe das Gefühl, in den Himmel zu wachsen. Ich bin dann total aus dem Häuschen.


Es gibt Leute, die sich grundsätzlich klug verhalten, überlegt, auch wenn sie verknallt sind. Das kann ich nicht. Den Mann, in den ich verliebt bin, bombardiere ich mit Briefen. Ich rufe ihn an, ich schicke ihm kleine Päckchen, Postkarten, von überall, wo ich gerade bin, ich träume von ihm den ganzen Tag. Ich stelle mir vor, was ich mit ihm alles machen könnte. An einem weißen Strand liegen, in den Spessart fahren, zusammen in ein Beethoven-Konzert gehen. Oder einen ganzen Tag im Bett liegen, mit Obst und Pralinen und Wein.


Meinen Freundinnen liege ich in den Ohren, stundenlang. Ich erzähle, wie schön mein Geliebter ist, wie klug, wie erotisch seine Stimme klingt, dass er die ganzen typischen Männersachen eben gerade nicht hat, dass er sensibel ist und offen.


Manche sagen: "Du musst etwas taktischer sein. Wenn du den so bestürmst, haut er dir ab. Der denkt ja, du willst ihn fressen. Der kriegt doch Angst."


Das will ich dann immer nicht wahr haben. Ich sage mir, wenn einer mich richtig liebt, dann müsste er sich doch freuen, dass von meiner Seite so viel passiert. Fast jeden Tag eine Überraschung - das ist doch eigentlich schön.


Ich habe aber inzwischen selber und oft auf schmerzhafte Weise festgestellt, dass die meisten Männer es tatsächlich nicht gut aushalten, wenn man so richtig auf sie absegelt. Deshalb habe ich mit der Zeit gelernt, mich zu bremsen, wenn ich verliebt bin. Ich verkneife mir Glückwunschtelegramme, die selbst gebastelten Fotoromane, jeden zweiten Anruf, das lüsterne Ausmalen von Reiseträumen. Jedenfalls zum großen Teil (nicht alles!).


Ich habe mich schon mit vielen Männern darüber unterhalten, auch mit vielen Frauen. Ich denke, das Schwierige in der Liebe ist, seine Gefühle so zu zeigen, wie sie sind, stark und schillernd und himmelhoch, und trotzdem nicht verschlingend zu wirken, krallig und drängelig.


Wenn man sich verliebt, verliert man manchmal den Draht zu sich selbst. Man ist total durcheinander und gerät in eine Art Abhängigkeit zu dem anderen. Wenn er einen mal schief anguckt, bricht gleich die Welt zusammen.


Das müsste anders sein. Man müsste mehr Humor haben in der Liebe. Nicht alles so tierisch ernst nehmen. Nicht gleich Krach schlagen, wenn er mal nicht zur verabredeten Zeit anruft. Man müsste leichtfüßiger mit der Liebe umgehen. Man müsste mit ihr einen Walzer tanzen, anstatt sie auf einen Sockel zu stellen.


Das wäre was.


Jedesmal wenn mir eine Liebe zerbrochen ist, habe ich es mir ganz fest vorgenommen: Das nächste Mal bleibst du wenigsten mit einem Zeh auf dem Teppich. Und versuchst mal zu lernen aus deinen eigenen Erfahrungen. Das ist mir bis jetzt nicht gelungen.


Ich bin mir selbst zu theatralisch in der Liebe. Ich mag gerne romantisch schwärmen. Ich habe schon oft am Fenster gestanden und Rotz und Wasser geheult, wenn eine meiner Lieben kaputt gegangen war. Dann dachte ich: Jetzt ist alles aus. Aber das ist das Tolle an der Liebe: Solange man lebt, hört sie nie auf. Es kommt immer noch eine und noch eine. Selbst wenn man nicht damit rechnet. Oder gerade dann. Ich bin gespannt, wie es sein wird, wenn ich mich das nächste Mal verliebe. Und ich freue mich darauf.


Das Tolle an der Liebe - Monika Seck-Agthe



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