Annika Kremer

Freie Journalistin, Rheinberg

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Schweden wollen Assange in London befragen

Julian Assange

Im Gegensatz zu ihren früheren Äußerungen hat die schwedische Staatsanwaltschaft einen Antrag gestellt, WikiLeaks-Chefredakteur Julian Assange in London wegen seiner angeblichen sexuellen Übergriffe gegen zwei Schwedinnen zu befragen.

Sinneswandel der Staatsanwaltschaft

Lange Zeit hatten sich die schwedischen Behörden geweigert, Assange in England zu befragen, und auf einer Auslieferung des kontroversen Aktivisten bestanden. Assange weigerte sich jedoch, da er nach eigener Aussage befürchtete, Schweden wolle ihn an die USA ausliefern und dort solle ihm der Prozess wegen seiner Tätigkeit für WikiLeaks gemacht werden. Aus diesem Grund harrt der gebürtige Australier seit über zwei Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London aus.

Nun hat die schwedische Staatsanwaltschaft ihre Meinung anscheinend geändert. Sollte ihrem Antrag statt gegeben werden, werden Mitarbeiter nach London reisen, um Assange dort zu verhören und wahrscheinlich auch DNA-Proben von ihm zu nehmen.

Assanges schwedischer Rechtsanwalt, Per Samuelson, begrüßte Schwedens Entscheidung. Er warnte aber, es könne einige Zeit dauern, bis Assange tatsächlich befragt werden könne. Immerhin müssten sowohl die englischen als auch die ecuadorianischen Behörden ihre Einwilligung geben. "Wir begrüßen [diese Entscheidung] und sehen es auch als einen großen Sieg... für Julian Assange, dass das, was wir immer wieder gefordert haben, endlich passieren wird," so Samuelson.

Ein schwieriger Fall

Die Ereignisse rund um die schwedische Anklage gegen Assange sind äußerst kompliziert und umstritten. Dem Australier wird vorgeworfen, beim Sex mit den Frauen weiter gegangen zu sein, als diese es wollten, was nach schwedischem Recht als eine minderschwere Form der Vergewaltigung gilt. Assange gilt zwar als Womanizer und Chauvinist, beteuert in diesem Fall aber seine Unschuld. Er sieht das Vorgehen gegen ihn als politische Intrige und unterstellte einer der beteiligten Frauen sogar Verbindungen zum US-Geheimdienst CIA.

Trotz seiner zuvor positiven Einstellung zum Land Schweden - immerhin bemühte er sich, als der fragliche Vorfall passierte, um eine Aufenthaltsgenehmigung dort, da er sich Schutz durch die sehr starken schwedischen Pressefreiheits-Gesetze wünschte - erhob Assange im Umfeld dieser Vorfälle auch heftige Vorwürfe gegen die schwedischen Behörden. Diese seien mehr oder weniger der Schoßhund der USA und würden sich zu deren Erfüllungsgehilfen im Kampf gegen Whistleblower machen, so der Tenor von Assanges Äußerungen. Man darf gespannt sein, ob der nun stattgefundene Sinneswandel bei der schwedischen Staatsanwaltschaft für mehr Harmonie sorgt.

Quelle: ITV News

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