Anja Lang

Freie Fachautorin für Medizinthemen, Landsberg bei München

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Kontaktlinsen: Falsche Pflege kann die Sehkraft kosten

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Geschrieben von Melanie Heide

Kontaktlinsen sind praktisch und äußerst beliebt. Mehr als drei Millionen Deutsche tragen sie regelmäßig. Denn, anders als Brillen, verändern Kontaktlinsen das natürliche Aussehen nicht. Sie vertropfen nicht bei Regen und laufen bei Temperaturunterschieden nicht an. Viele Sehprobleme, wie zum Beispiel eine Hornhautverkrümmung, können sie außerdem besser ausgleichen, als das herkömmliche Augenglas. Denn Kontaktlinsen liegen direkt auf der Hornhaut und können sich dort besonders gut anpassen. Mittlerweile gibt es Kontaklinsen sogar als Zwei-Stärken-Linsen. Die Lage direkt auf dem Auge ist aber nicht nur eine Chance, sondern auch eine Gefahr. Wer nicht die richtigen Linsen hat, sie falsch pflegt oder zu lange trägt, der kann seinen Augen schwere Schäden zufügen.

Das Auge braucht Sauerstoff

Die Hornhaut des Auges ist ein klares Gewebe ohne Gefäße. Damit die Transparenz erhalten bleibt, wird sie über den Tränenfilm mit Sauerstoff versorgt. Kontaktlinsen können dies behindern, vor allem, wenn sie zu lange getragen werden. "Der Körper hilft sich dann selbst: Kleine Äderchen sprießen in die Hornhaut ein und führen mit dem Blut Sauerstoff heran", erklärt Prof. Berthold Seitz, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar. Das Heimtückische daran: Betroffene spüren davon zunächst nichts. Erst im fortgeschrittenen Stadium treten Seheinschränkungen auf, gegen die aber dann faktisch nichts mehr unternommen werden kann. Denn die entstandenen Äderchen bilden sich nicht wieder zurück und stören empfindliche Ernährungs-, Befeuchtungs- und Regenerationsprozesse im Randbereich der Hornhaut.

Hornhaut-Infektionen können zur Erblindung führen

Über die Kontaktlinsen können auch Bakterien, Pilze und Amöben ins Auge gelangen und sich dort vermehren. Die Folge kann eine Hornhaut-Infektion sein, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann. "Bei formstabilen Linsen ist das Risiko einer Infektion am geringsten: Pro Jahr erkrankt „nur" etwa ein Kontaktlinsen-Träger von 10.000. Bei weichen Kontaktlinsen sind es dagegen bereits zwei bis fünf", erklärt Seitz. In den relativ großen Poren der weichen Linsen können sich Krankheitserreger nämlich leichter festsetzen. Das gilt besonders, wenn diese auch nachts getragen werden. „Dies steigert das Infektionsrisiko nochmals um das Fünffache. Mangelnde Hygiene ist ein weiterer Risikofaktor", warnt der Augenspezialist.

Kontaktlinsen sind eine sichere und bequeme Alternative zur Brille, wenn man bestimmte Verhaltensmassregeln beachtet

Kontaktlinsen sollten grundsätzlich immer vom Fachmann angepasst werden. Ein erfahrener Augenarzt oder Augenoptiker sind hier die richtigen Ansprechpartner. Erst nach einer eingehenden Untersuchung ist klar, ob das Auge überhaupt für Kontaktlinsen geeignet ist. Denn nicht jedes Auge verträgt Haftschalen. Wenn ja, muss entschieden werden, welche Art von Kontaktlinse zum Einsatz kommt: Formstabile, umgangssprachlich auch „harte", Kontaktlinsen bedecken nur einen kleinen Teil des Auges. Die nötige Sauerstoffzufuhr ist deshalb hier eher selten ein Problem. Dafür braucht das Auge länger, bis es sich an den Fremdkörper gewöhnt hat. Flexible, besser bekannt als „weiche" Linsen, sind hauchfein und besonders angenehm zu tragen. Jedoch bedecken sie einen viel größeren Teil der Hornhaut, als „harte" Linsen. Welches Produkt für einen selbst wirklich in Frage kommt, kann ohne Fachberatung nur schwer entschieden werden. Die Augenoptikermeisterin Ulrike Klühspies, zuständig für die Kontaktlinsenanpassung an der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum des Saarlandes, rät deshalb dringend von Alleingängen ab, bei denen Linsen einfach nach Dioptriezahl im Internet geordert werden. Dies führt nicht selten zu unbefriedigenden Ergebnissen und die falsche Linse kann dem Auge auch noch Schäden zufügen - selbst, wenn sie subjektiv als angenehm empfunden wird.

Richtige Tragedauer beachten

Die Expertin rät die Linsen auf keinen Fall zu lange im Auge zu lassen. Die Augen brauchen Erholungsphasen. Deshalb abends und am Wochenende lieber mal auf die Brille umsteigen. „Gerade bei weichen Kontaktlinsen besteht die Gefahr, dass sie übertragen werden", erklärt Klühspies. Dabei saugen sich die Linsen regelrecht auf der Hornhaut fest und schwimmen nicht mehr auf dem Auge, wie es eigentlich der Fall sein sollte. Die Folge ist, dass die Hornhaut nicht mehr ausreichend mit Tränenflüssigkeit und damit auch nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Tückischerweise merkt der Träger davon nichts. „Im Gegenteil wird diese Lage der Linse auf dem Auge von vielen noch als besonders angenehm empfunden", erklärt Klühspies. Deshalb sollte man die Linsen nach etwa acht bis zehn Stunden Tragedauer ganz bewusst rausnehmen. Die Linsen komplett über Nacht zu tragen ist unverantwortlich und absolut tabu. Es gibt zwar inzwischen Spezial-Linsen, die bis zu dreißig Tage am Stück getragen werden können. Sie haben aber eine andere Beschaffenheit, als normale Linsen. Und sind auch nicht für jedermann geeignet.

Regelmäßige und gründliche Pflege ist unerlässlich

Nach dem Tragen müssen die Linsen immer gereinigt werden. Dazu stehen spezielle Pflegemittel zur Verfügung. Wichtig ist darauf zu achten, das richtige Pflegemittel für die jeweilige Linse zu verwenden. Also Pflegemittel, die für harte Linsen gedacht sind, nicht für weiche nehmen und umgekehrt. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Lösungen möglichst wenig Konservierungsstoffe enthalten. „Pflegemittel auf Basis von Peroxid enthalten weniger Konservierungsmittel, als sogenannte All-in-one-Produkte", erklärt die Expertin. „Der Aufwand ist zwar etwas höher, aber das empfindliche Auge wird mehr geschont." Auch sollte man nicht immer zum billigsten Produkt greifen. Moderne Mittel haben ihren Preis. „Bei sehr günstigen Angeboten, kann es vorkommen, dass veraltete Rezepturen, verwendet werden", weiß die Augenoptikermeisterin.

Falsches Sparen kann teuer werden

Besonders gefährlich fürs Auge wird es, wenn Reinigungsmittel mit Wasser gestreckt oder die Linsen sogar nur mit Wasser gereinigt werden. Hier können sich die Bakterien unkontrolliert vermehren. Dasselbe gilt für die Aufbewahrungsflüssigkeit. Sie sollte täglich gewechselt und Reste auf keinen Fall aufgehoben und wieder verwendet werden. Gefährlich wird's auch, wenn Linsenpflegemittel in kleinere Fläschchen abgefüllt wird, für unterwegs oder auf Reisen. „Diese Behälter sind nicht steril. Das kann zur Bindehautentzündung und schlimmstenfalls zu einer Hornhaut-Infektion führen", erklärt die Expertin. Deshalb hier nicht sparen und kleiner portionierte Pflegemittel in steriler Verpackung neu einkaufen. Wichtig ist auch auf die Handhygiene zu achten. Die Expertin rät, immer bevor man ins Auge greift, die Hände mit Seife zu waschen. Gerade auf den Händen befinden sich besonders viele Keime, die so sonst direkt ins Auge gelangen. Eine ausführliche und kostenlose Patientenbroschüre zum Thema Kontaktlinsen und richtige Pflege findet man übrigens auch im Internet.

Regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchführen lassen

Etwa jedes halbe Jahr sollten Kontaktlinsenträger ihre Augen von einem Augenarzt begutachten lassen. Das ist besonders wichtig, da beginnende Schädigungen vom Patienten selbst oft gar nicht bemerkt werden. Röten sich die Augen, fangen an zu brennen und jucken, kann es sein, dass die Linsen nicht vertragen werden oder eine Infektion vorliegt. Dann sollte zur weiteren Abklärung umgehend ein Augenarzt aufgesucht werden.

Checkliste Kontaktlinsenpflege:

Kontaktlinsen immer vom Fachmann anpassen lassen

Linsen nicht zu lange tragen. Die Hornhaut bekommt sonst zu wenig Sauerstoff

Linsentragen über Nacht ist absolut tabu

Regelmäßig nach dem Tragen, die Linsen mit Pflegemittel reinigen

Immer das für den Linsentyp optimierte Pflegemittel wählen

Auf Pflegemittel mit wenig Konservierungsstoffen achten

Billigprodukte können veraltete Rezepturen enthalten

Niemals Reinigungsmittel mit Wasser strecken oder bzw. Wasser zur Reinigung verwenden

Aufbewahrungsflüssigkeit nach Gebrauch wegschütten und nicht wieder verwenden

Aufbewahrungsbehälter penibel sauber halten und etwa alle drei Monate austauschen

Pflegemittel nicht umfüllen

Auf Handhygiene achten

Halbjährliche Kontrolltermine beim Augenarzt wahrnehmen

Bei Problemen sofort zum Arzt

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