Was der Handelskonflikt kosten könnte

von Albert Absmeier

Was der Handelskonflikt kosten könnte
Der Zollstreit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Handelspartnern könnte in den kommenden Wochen und Monaten weiter eskalieren. Dies gilt insbesondere für den Fall, dass US-Präsident Trump seine Drohung wahr machen sollte und Strafzölle auf Autoimporte erheben ließe. Wie die Infografik von Statista zeigt, würden dies die absoluten Kosten und die Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt gegenüber den bereits eingeführten Zöllen auf Stahl und Aluminium übertreffen. Für Deutschland wäre der wirtschaftliche Schaden in absoluten Zahlen im Falle von Auto-Strafzöllen höher als für China, Kanada oder andere EU-Länder. Den Schaden durch die Strafzölle für Aluminium und Stahl mitgerechnet, wäre Kanada insgesamt am stärksten belastet. Matthias Janson



https://de.statista.com/infografik/14652/prognose-des-wirtschaftlichen-schadens-der-us-strafzoelle/

 



 


Handelskonflikt: Trump hat eine »verzerrte Wahrnehmung«
11. Juni 2018



Illustration: Absmeier




Der ifo-Handelsexperte Gabriel Felbermayr hat US-Präsident Donald Trump eine »verzerrte Wahrnehmung« vorgeworfen. »Er spricht nur von dem US-Defizit bei den Waren, verschweigt aber, dass die USA bei Dienstleistungen und Unternehmensgewinnen einen massiven Überschuss gegenüber der EU erwirtschaften«, sagte Felbermayr am Freitag zum Auftakt des G7-Gipfels. »Nach den eigenen Zahlen der Amerikaner steht unter dem Strich der Leistungsbilanz ein Plus von 14 Milliarden Dollar für die USA. Diese ›schwarze Null‹ steht dort übrigens schon seit 2008. Die USA haben Wettbewerbsvorteile in der ›New Economy‹, vor allem bei digitalen Dienstleistungen: Apple, Amazon, Facebook, Google und Konsorten lassen grüßen. In der ›Old Economy‹, bei Autos, Maschinen, diversen Konsumgüter, sogar bei Nahrungsmitteln, hat die EU einen Wettbewerbsvorteil.«

Felbermayr räumte ein, die Daten des US-Handelsministeriums wiesen zwar ein Leistungsbilanzdefizit mit Deutschland von 65 Milliarden Dollar aus. »Doch es ist falsch, einzelne Mitgliedsstaaten der EU herauszupicken. Die EU ist eine Zoll- und Wirtschaftsunion, in der die einzelnen Mitglieder eng verbunden sind. Der US-Überschuss in der Höhe von fast 100 Milliarden Dollar mit den Niederlanden ist zu weiten Teilen Deutschland zuzurechnen.« Denn amerikanische Internetriesen bedienten den deutschen Markt über steuerliche Niederlassungen in den Niederlanden. Ähnliche Muster gebe es mit Irland.

Felbermayr warnte: »Beide Partner sind hochgradig verletzlich. Beide würden bei einem eskalierenden Handelskrieg verlieren. Europa muss nun Einigkeit zeigen, und den Amerikanern die eigenen Zahlen verdeutlichen. Europa muss auch bereit sein, in der Digitalwirtschaft Gegenmaßnahmen in den Raum zu stellen, beispielsweise die von der EU-Kommission ins Gespräch gebrachte Digitalsteuer, falls die Amerikaner Zölle auf europäische Autos erheben sollten.«

US-Präsident Trump hatte vor dem Gipfel in einem Tweet beklagt, die USA hätten ein Defizit von 151 Milliarden Dollar mit der EU. Die Zahl des US-Wirtschaftsministeriums lautet allerdings 153 Milliarden Dollar. Die vollständigen Zahlen finden sich in der Tabelle hier:

US Leistungsbilanz nach Sektoren und Partnerländern, in Milliarden US-Dollar














Old Economy
New Economy
Leistungs-
bilanz-
saldo



Güterhandel
Dienstleistungen und Primäreinkommen



Credit
Debit
Saldo
Credit
Debit
Saldo


EU28
285
438
-153
677
510
167
14


Deutschland
53
118
-65
67
67
0
-65


Frankreich
34
49
-15
43
38
5
-10


Italien
18
50
-32
15
16
-1
-33


Vereinigtes Königreich
57
54
3
186
140
46
49


Eurozone
211
345
-134
458
342
116
-18


Niederlande
42
18
24
112
38
74
98


Rest Eurozone (Irland)
32
94
-62
158
93
65
3


Kanada
283
306
-23
126
89
37
14


Mexiko
243
320
-77
49
60
-11
-88


Japan
69
138
-69
99
109
-10
-79


China
131
506
-376
75
58
17
-358


Rest der Welt
540
654
-113
831
687
144
30


Welt
1551
2362
-811
1857
1513
344
-467



Quelle: US Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis.
https://www.bea.gov/iTable/iTable.cfm?ReqID=62&step=1#reqid=62&step=3&isuri=1&6210=1&6200=3
Bei Rückfragen: Prof. Gabriel Felbermayr Ph.D., 089/ 9224 1428; [email protected]
 



 
















 

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