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NorthernStars: Die Robotik-Studierenden der FH Kiel

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Die "NorthernStars" mit einem älteren Modell – der Rescue-Roboter ist in Arbeit | Foto: Heidi Krautwald

Immer wieder sterben Menschen in den Trümmern eingestürzter Häuser, weil sie nicht schnell genug gefunden werden. Um das zu ändern, arbeitet an der FH Kiel die Hochschulgruppe Robotik an einem Rettungsroboter.

In Raum C12-2.72 sieht es aus wie in einem Spielzimmer für große Jungs: Vorne ein großer Multitouchtisch, auf dem kleine, würfelförmige Miniroboter Fußball spielen können. Dahinter ein paar zusammengeschobene Schreibtische, auf denen sich ein buntes Sammelsurium aus kleinen Kabeln, Steckleisten, Kabelrollen, Minimotoren und Messgeräten verteilt. Auf der Fensterbank parkt ein selbstgebauter Quadrokopter, daneben an der Wand ein Poster der Star Wars-Droiden R2-D2 und C-3PO.


Jeden Freitag trifft sich hier die Hochschulgruppe Robotik "NorthernStars" der FH Kiel. Seit Oktober 2014 arbeiten die zehn Studierenden an einem Rescue Robot. "Wenn er fertig ist, soll der Roboter verschüttete Menschen in eingestürzten Häusern finden", erklärt Hannes Eilers, einer der Leiter des Teams.


Der Roboter soll die Personen auf einer Karte markieren und dann wieder zurückkommen. Mit den Daten können dann die menschlichen Retter zielgenau arbeiten und verschüttete Personen schneller aus den Trümmern retten, als das ohne Roboter möglich wäre.

Damit der Roboter das am Ende auch kann, erarbeiten die Studenten neben einer mechanischen Konstruktion auch die elektronische Auswertung von Sensordaten und kümmern sich um die informationstechnische Verarbeitung und Analyse der Daten.

Unterstützung bekommen die Studierenden von Stefan Wolff. Der studierte Mathematiker arbeitet als Softwareentwickler bei Ferchau und hilft den Studierenden bei der Programmierung und dem Projektmanagement. "Bei der Kooperation geht es auch darum, den Studierenden Erfahrungen mit realen Projekten zu ermöglichen", sagt der 33-Jährige.

Wolff bringt Wissen und Erfahrung aus der Praxis mit und die Studierenden bringen neue Ideen und eine gute Portion Tüfftlergeist ein. "Für mich ist natürlich auch der Austausch mit den Studierenden spannend", sagt Wolff.


Der Projektplan an der Tafel im Laborraum besticht nicht durch Schönschrift, aber man kann ihn lesen: Fahrgestell, Plattform, Kollisionsvermeidung, Route, Kartierung, Budget - nur einige Punkte auf der To-do-Liste des zehnköpfigen Teams. Noch ist die Robotikgruppe aber ganz am Anfang. "Gerade probieren wir verschiedene Antriebskonzepte aus und testen Motoren", sagt Eilers.


Von der Theorie zur Praxis


Jan Imhäuser und Timo Beißer sind in einen Schaltplan vertieft und knobeln an der Stromversorgung und der Steuerung der Motoren, die den Rettungsroboter später einmal lenken sollen. Einen Tisch weiter sitzen Lasse Wetzel und Philipp Smiljies über ein sogenanntes BeagleBoard gebeugt, mit dem später die Signalverarbeitung umgesetzt werden soll. Und Tim Gensch liest nach, wie man die Schaltplatine programmieren kann.

"Am meisten Spaß macht eigentlich, dass man selbst mal was erschaffen kann", sagt Timo. "Im Studium sind die Inhalte sonst immer sehr theoretisch - hier müssen wir uns sogar die Vorgaben selbst entwickeln und können eigene Ideen umsetzen."

Mit Androiden aus Science-Fiction-Filmen hat die heutige Robotik noch nicht viel am Hut. Wer glaubt, die Arbeit in dieser Zukunftsbranche sei öde, der irrt trotzdem.

Die fünf jungen Tüftler studieren alle Mechatronik. "Wir sind aber auch offen für andere Studiengänge", sagt Hannes Eilers. Für die Studierenden ist die Arbeit im Robotikteam eine gute Möglichkeit, Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen und Einblicke in die Praxis zu bekommen. "Wir wollen den Studierenden hier die Möglichkeit geben, eigene Projekte umzusetzen und Dinge zu lernen, die man später im Berufsleben braucht", sagt Eilers. Teamfähigkeit und Problemlösekompetenz sind auf jeden Fall erforderlich.

Bis 2016 muss der Roboter fertig sein: Dann will das Kieler Team beim RoboCup, den Deutschen Meisterschaften der Rescue-Robot-Liga antreten. "Dieses Jahr fahren wir mit dem Team auch hin", sagt Eilers."Aber da schauen wir uns erst mal die Liga an - und die Konkurrenz natürlich."


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