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Reportage

Der karibische Zug: Indigene wehren sich gegen den "Tren Maya"

Der „tren maya“ ist Mexikos ehrgeizigstes Infrastrukturprojekt: Bringt der Zug Wohlstand nach Yucatan, oder mehr Gewalt und Drogenkriminalität aus Cancún?

Jaguare, Kolibris, Beuteltiere, Mahagonibäume – Nicolás Moreno kommt noch immer ins Schwärmen, wenn er die Schönheiten seiner Heimat aufzählt. Schon oft ist er mit Besuchern den „Brüllaffen-Pfad“ gegangen, doch seine Begeisterung über die Wunder des subtropischen Waldes hält bis heute an. Stolz erzählt der 46-Jährige, wie die Bewohner seines indigenen Dorfs La Mancolona versuchen, ihr Zuhause zu schützen. „Wir fällen nur so viele Bäume wie absolut nötig und forsten ständig wieder auf“, sagt er. Auch deshalb ist der „Baat’z“, wie der Pfad in der Sprache der Tzeltal genannt wird, eine touristische Attraktion.

Der Indigene führt Urlauber, Ornithologen und andere Wissenschaftler durch seine Welt der Schmetterlinge, Reptilien und eben Brüllaffen. Mittlerweile sind seine Touren durch das Dickicht auf der Halbinsel Yucatán im Südosten Mexikos zu einem Broterwerb geworden. Im Dorf bieten er und seine Mitstreiter Zelte zum Übernachten an, und wer ins Kunsthandwerk eintauchen will, kann sich von den Frauen erklären lassen, wie man aus getrockneten Orangenschalen Schüsseln bastelt. Schon auf der von Schlaglöchern und Pfützen gezeichneten Straße in die Gemeinde kündigen kleine Holzschilder ihr Ökotourismus-Projekt „La raíz del futuro“ an, Wurzel der Zukunft.

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-tren-maya-mexikos-zugstrecke-nach-yucatan-17606607.html