Vivien Götz

Freie Journalistin, Studentin , Konstanz

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Artikel

Gerd Voss leitet seit fünf Jahren den Kressbronner Bürgerbus


Ehrenamtliche Helfer bleiben meistens im Hintergrund. Deshalb stellt die „Schwäbische Zeitung“ derzeit immer wieder Menschen vor, die sich in Kressbronn für die Allgemeinheit engagieren. Für den sechsten Teil dieser Serie waren wir mit Gerd Voss unterwegs, der in Kressbronn den Bürgerbus organisiert.

„Wir haben ein kleines Problem, wir müssen nachher auf einen Termin“, entschuldigt sich Gerd Voss gleich zu Beginn des Gesprächs. Der VW-Bus, mit dem die Fahrer des Bürgerbusses sonst unterwegs sind, ist seit gestern in der Werkstatt. Und den Leihwagen muss Voss persönlich fahren – deshalb hat er unvorhergesehen Dienst. Der Kressbronner Bürgerbus ist außerhalb der Schulzeiten als Rufbus konzipiert, und für kurz nach 10 Uhr wurde eine Fahrt vom Campingplatz Gohren zum Bahnhof bestellt.

Organisiert wird der Betrieb über das Bodo-Callcenter. Über ein Programm bekommt der Fahrer die angefragten Fahrten auf einem Tablet im Bus angezeigt und kann die Aufträge bestätigen. „Unsere Rentnerbande muss sich mit diesen technischen Aspekten schon auch auseinandersetzen“, erzählt Gerd Voss und spielt damit auf das Alter der ehrenamtlichen Fahrer an. Bis auf eine Ausnahme sind alle in Pension. Voss selbst ist mit seinen 78 Jahren einer der Ältesten.

Insgesamt 18 Fahrer sind an dem Projekt „Bürgerbus“ beteiligt, das in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag feiert. Von Montag bis Freitag sind sie unterwegs. Morgens geht es schon um kurz vor sieben los, mit den ersten Schulbusrunden nach Retterschen und Berg. Der reguläre Schulbus fährt nicht so weit ins Hinterland.

Von 8 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr ist der Bürgerbus dann als Rufbus in das Bodo-Nahverkehrsnetz eingebunden. Das bringt einige organisatorische Vorteile mit sich, aber auch Regeln, über die sich das Team nicht hinwegsetzen kann. „Wir dürfen während der Rufbuszeiten zum Beispiel nur im Ortsgebiet unterwegs sein. Nicht alle können das so gut verstehen, und manche Bürger wünschen sich, dass wir zum Beispiel auch zu den Fachärzten und Krankenhäusern in den umliegenden Gemeinden fahren – aber das geht halt einfach nicht“, erklärt Gerd Voss.

Der 78-Jährige stammt eigentlich aus Remscheid in Nordrhein-Westfalen. 1959 lernte er bei einem Urlaub in Kressbronn seine Frau kennen. Die gebürtige Kressbronnerin folgte ihm zwar zunächst in den Norden, in der Rente habe es sie dann aber wieder an den See gezogen, erzählt er. Mit dem Personentransport hat Gerd Voss schon vor seiner Zeit beim Bürgerbus viel Erfahrung gesammelt. In Remscheid war er viele Jahre in der Berufsfeuerwehr, die auch für den Krankentransport verantwortlich war.

Im Krankenhaus habe er immer wieder mit Taxifahrern zu tun gehabt, einer habe dann mal gefragt, ob Voss nicht hin und wieder aushelfen könne. „Ich hatte bei der Berufsfeuerwehr damals relativ viel Freizeit, und außerdem habe ich ein Haus gebaut, da konnte ich das Geld natürlich auch gut gebrauchen“, erinnert sich Voss. Irgendwann seien ihm die Taxis dann zu klein geworden. „Ich hatte einfach mal Lust, das kleine gegen das große Auto zu tauschen“, erzählt er. Den Lkw-Führerschein hatte er durch seine Arbeit bei der Berufsfeuerwehr ohnehin schon gemacht, und so fuhr er auch noch ab und zu Reisebusse, einmal sogar bis nach Spanien.

Trotz Dienst bei der Berufsfeuerwehr und den Schichten als Taxifahrer engagierte sich Gerd Voss nebenher auch noch jahrelang bei der DLRG, unter anderem als Rettungstaucher. „Diese Vorliebe für Vereine, die man den Deutschen nachsagt, das war bei mir vielleicht ein bisschen ausgeprägter“, gibt er lächelnd zu.

„Mein Traum wäre natürlich so um die 40 Fahrer und ein zweiter Bus, dann könnten wir auch die Wochenenden und den sozialen Bereich bedienen. Aber das wird, glaube ich, ein Traum bleiben“, sagt Gerhard Voss mit Blick auf die aktuelle Ausstattung des Bürgerbusses. Die ehrenamtlichen Fahrer müssen alle fünf Jahre durch eine ärztliche Untersuchung und einen leistungspsychologischen Test nachweisen, dass sie in der Lage sind, Personen zu transportieren.

„Wir sind ja alle nicht mehr die Jüngsten, und dieser Test steht jetzt dann wieder an. Da kann sich schon schnell was ändern, und plötzlich fallen Fahrer aus“, stellt Voss bedauernd fest. Der Bedarf an Fahrern ist also da, die „Rentnerbande“ würde sich über Unterstützung freuen.



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