Vivien Götz

Freie Journalistin, Studentin , Konstanz

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Streit um stinkende Abgase von MTU scheint beigelegt

Joachim Krüger von der Fischbacher-Runde lässt sich von David Hirt, Projektleiter Abgasnachbereitung bei MTU, den Aufbau der Filteranlage erklären. (Foto: Vivien Götz)

Friedrichshafen - Die Zeiten des Gestanks sollen vorbei sein: Seit anderthalb Jahren läuft die Abgasnachbereitungsanlage (AGN) am MTU-Werk II in Friedrichshafen-Manzell. Die Fischbacher Runde hat am Donnerstag MTU einen Besuch abgestattet, um sich über den Betrieb des Filtersystems zu informieren.

Ralf Lattner, der für die Grünen im Gemeinderat sitzt, ist als Einwohner von Manzell direkt betroffen. Er hat die Diskussion um eine mögliche Filteranlage überhaupt erst ins Rollen gebracht. „Es war manchmal schon schwer zu ertragen“, sagt er, „nicht selbstbestimmt lüften können, die Kinder nicht auf den Balkon lassen - das war schon belastend“.


Die Wirksamkeit des neuen Filtersystems müsse sich noch zeigen. „Manchmal riecht man schon noch etwas“, sagt Lattner. Dennoch ist die Fischbacher Runde zufrieden: Berthold Sterk hat den Eindruck, dass die Filteranlage bereits Wirkung zeigt: „Die schwarzen Rauchwolken, die man früher beim Segeln vom See aus gesehen hat, die gibt es nicht mehr“, sagt er. Auch Stefanie Freund hat das Gefühl, dass sich etwas tut: Seit die Anlage in Betrieb ist, gebe es viel weniger Beschwerden.


Am Anfang war der Streit

Lange Zeit war die Stimmung zwischen den Anliegern und MTU weit weniger harmonisch. Schon seit dem Frühjahr 2012 klagten Anwohner immer wieder über Rauchwolken, Gestank und rußigen Niederschlag. Die Abgase entstanden beim Testen der Motoren in den Prüfständen und gelangten ungefiltert in die Luft. Damit hielt die MTU, trotz Geruchsbelästigung, alle immissionsrechtlichen Vorgaben ein.


Der TÜV bestätigte der Firma damals in einem Gutachten, dass es keine passenden Filteranlagen für die Prüfstände gegeben habe. Das Landratsamt ordnete lediglich den Bau eines 35 Meter hohen Sammelkamins an, der die Abgase zwar nicht filterte, aber in größerer Höhe verteilen sollte. Im Februar 2013 gaben die MTU und das Landratsamt bei der Uni Rostock eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, die prüfen sollte, ob die Entwicklung einer speziellen Filteranlage realisierbar sei.


Von der Idee bis zur fertigen Filteranlage war es ein langer Weg: Fünf Jahre hat es gedauert, bis die Abgasnachbereitungsanlage 2018 in Betrieb gehen konnte. Bernd Baader, Produktionsleiter Motoren und Systeme bei MTU, betont: „Wir tun damit deutlich mehr, als gesetzlich vorgeschrieben ist.“ Die Umsetzung sei nicht immer einfach gewesen. „Wir hatten tatsächlich Schwierigkeiten eine Firma zu finden, die das Projekt mit uns realisieren konnte“, stellt Baader fest.

Mit der Konstruktion der 30 Millionen Euro teuren AGN habe die MTU zusammen mit ihrer Partnerfirma absolutes Neuland betreten. Die Entwicklung der Anlage sei vor allem deshalb so komplex, weil die Kontrollmessungen der Motoren auf keinen Fall gestört werden dürften.


„Das Datenblatt, das am Ende einer solchen Messung steht, muss absolut korrekt sein“, erklärt Andreas Kunz, stellvertretender Vorsitzender der kommerziellen Motorenentwicklung bei MTU. Weil an den beiden angeschlossenen Prüfständen immer wieder unterschiedliche Motoren getestet würden, müsse die Anlage intelligent auf die wechselnden Bedingungen reagieren können.


Erfolgreicher Pilotbetrieb

MTU ist mit dem Testbetrieb der AGN bisher zufrieden. Nach anderthalb Jahren könne man sagen, dass die Anlage 95 Prozent der Abgaspartikel aus der Luft filtere, erklärt Kunz. Die Besucher der Fischbacher Runde zeigten sich beeindruckt: “Es ist schon erstaunlich, was sich hier getan hat“, sagt Joachim Krüger, "Jetzt kann ich mir durchaus vorstellen, wieso das alles 30 Millionen Euro gekostet hat“.


Am Ende des Termins bedankte sich auch Ralf Lattner bei der MTU. Der Weg sei zwar lang und manchmal auch mühsam gewesen, aber er wisse das Engagement der Firma zu schätzen. Auch Dietmar Nützenadel, der der Fischbacher Runde vorsteht, bedankte sich für die außergewöhnliche Transparenz, mit der das Unternehmen den Bürgern entgegenkomme.


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