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Alkoholfreies Bier nach dem Sport: Ist das sinnvoll?

Egal ob Fußball, Freeclimbing, Boxen oder ein Marathonlauf - glaubt man Werbeversprechen, gibt es etwas Verbindendes zwischen all diesen Sportarten: das alkoholfreie Bier zur Erfrischung danach. Beim Jubeln oder zur Erholung wird es flaschenweise herumgereicht. Doch ist alkoholfreies Bier als Getränk nach dem Sport wirklich gut geeignet? Oder sogar besser als andere Getränke?

Schweißproduktion von mehreren Faktoren abhängig

Wer Sport treibt und schwitzt, muss seinen Körper ausreichend mit Flüssigkeit versorgen, um leistungsfähig und gesund zu bleiben. Eine Person mit 70 Kilogramm Körpergewicht verliert bei 18 Grad Außentemperatur und einem Lauftempo von 10 km/h rund 0,8 Liter pro Stunde. Wer 90 Kilogramm wiegt, produziert unter denselben Bedingungen etwa einen Liter Schweiß. Generell gilt: Je schwerer der Sportler, je intensiver die Belastung und je wärmer die Umgebungstemperatur, desto höher ist die Schweißrate. Aber auch noch andere Aspekte wie der Trainingszustand sind relevant. Die verlorene Flüssigkeit gilt es beim oder nach dem Sport wieder aufzufüllen .

Alkoholfreies (Weizen-) Bier als isotonisches Getränk

Nicht nur die getrunkene Flüssigkeit selbst spielt eine Rolle für den Wasserhaushalt - auch ihre Zusammensetzung beeinflusst, wie gut der Körper sie aufnehmen kann. Bei isotonischen Getränken, die Elektrolyte enthalten, funktioniert das besonders gut: „Isotonische Getränke enthalten die gleiche Anzahl gelöster Teilchen wie unser Blut", erklärt die Ökotrophologin Dr. Heike Niemeier. „Dadurch werden sie besonders schnell vom Körper aufgenommen, der Stoffwechsel kann auch nach dem Sport effizient und zielgerichtet ablaufen." Zudem versorgen isotonische Getränke den Körper mit Mineralstoffen, die er beim Schwitzen verloren hat.

Hier kommt alkoholfreies Bier ins Spiel: Insbesondere alkoholfreies Weizenbier enthält laut Niemeier neben Flüssigkeit, Kohlenhydraten und B-Vitaminen auch Hefe. Sie alle machen das Bier isotonisch. Aber ist es deshalb ein besonders gesundes Sportgetränk? Das kann man so nicht klar sagen. Denn: „Die Studienlage ist spärlich", sagt die Ernährungsberaterin Susanne Schmidt-Tesch vom Institut für Ernährungsmedizin der TU München. Die wenigen zum Thema verfügbaren Studien sind selten eindeutig und wurden oft an zu wenigen Probanden durchgeführt, um verlässliche Aussagen treffen zu können.

Für wen alkoholfreies Bier eher nicht in Frage kommt

Für manche Menschen kann alkoholfreies Bier, genauer die Purine in der Hefe, eventuell sogar Probleme schaffen, statt nur den Durst zu löschen. Gichtpatient:innen sollten laut Niemeier beispielsweise nicht viel davon trinken.

Auch Stefan Wenger würde seinen Klient:innen von alkoholfreiem Bier abraten. Er arbeitet bei der Suchtberatung Condrobs e.V. in München mit aktuellen und ehemaligen suchtkranken Menschen zusammen. „Der Konsum von alkoholfreiem Bier baut diese kleine Hürde des Verzichts auf Bier langsam ab, die sich die Betroffenen mühsam aufgebaut haben", erklärt der Experte. „Der Schritt, zum ‚echten' Bier zu greifen, wird damit realistischer." Geschmack, Optik, Haptik: All das könnten Trigger sein, die das Suchtgedächnis ansprechen, an Erfahrungen von früher andocken - und dadurch Sehnsüchte weckten, die mit dem Konsum von Alkohol assoziiert sind. „Auch Biere mit einem Gehalt von 0,0 % bergen dieses Risiko", betont Wenger.

Isotonische Fertig-Drinks oft sehr zuckerhaltig

Wer seinem Körper nach dem Sport Mineralstoffe, Vitamine und Kohlenhydrate einverleiben will, braucht dafür kein Bier. Er kann etwa Obst und Gemüse essen. Neben alkoholfreiem Bier gibt es zudem auch andere, gezielt isotonische Getränke zu kaufen, Iso-Drinks genannt. Sie enthalten allerdings häufig viel Zucker statt der Salze, die der Körper nach dem Schwitzen vor allem bräuchte. Es lohnt sich deshalb, einen Blick auf die Inhaltsstoffe zu werfen: Ein Liter sollte nicht mehr als 60 bis 80 Gramm Kohlenhydrate sowie etwa ein Gramm Salz enthalten.

Wer braucht überhaupt isotonische Getränke?

Egal ob Bier oder anderes Getränk: Isotonische Getränken können sinnvoll sein, wenn man sich länger als eine Stunde lang verausgabt hat. Sie sind aber kein Muss nach dem Sport. Gerade Freizeitsportler brauchen meist keine schnelle Kohlenhydrat- und Elektrolytzufuhr im Gegenteil können das sogar unnötige Kalorien sein. Bei kürzeren Anstrengungen reicht es, pures Wasser zu trinken.

Wer unbedingt Geschmack will, greift statt zum alkoholfreien Bier besser zu Schorlen. Die sind in Sachen Energiegehalt laut Susanne Schmidt-Tesch oft sinnvoller. Am besten einfach selbst herstellen: dazu Mineralwasser mit Apfelsaft im Verhältnis 3:1 mischen.

Für niemanden sinnvoll: Alkohol nach dem Sport

Dass alle Sportler:innen bei der Regeneration auf ein alkoholfreies Bier zurückgreifen sollten, wie es die Werbung suggeriert, ist also falsch. Was hingegen klar ist: Von alkoholhaltigem (Weizen-)bier nach dem Sport sollte man auf jeden Fall die Finger lassen. Es hemmt die Fettverbrennung, weil der Körper zuerst den Alkohol verbrennen muss. „Der kann von unserem Körper nicht eingelagert werden", erklärt Niemeier. Außerdem wirkt Alkohol entwässernd und hätte den gegenteiligen Effekt von dem, was man erreichen will: durchs Schwitzen verlorene Flüssigkeit nachfüllen.

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