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Farbenfrohe Begegnungen - Echo Online

Farbenfrohe Bilder sind aktuell in der Ausstellung der Quartiers-Werkstatt Messel im Foyer des Landratsamtes zu bestaunen; hier von Annika Schmid aus der Kreis-Pressestelle. (Foto: Guido Schiek)

MESSEL/KRANICHSTEIN - „Farbe bekennen" heißt eine Kunstausstellung, die noch bis Freitag, 28. September, im Foyer und Erdgeschoss der Kreisverwaltung Darmstadt-Dieburg in Kranichstein zu sehen ist. Im Rahmen der bundesweiten Interkulturellen Wochen und ihrem Motto „Vielfalt verbindet" sind insgesamt 200 Bilder und Werke von Anwohnern und Zugewanderten zu sehen.


Die Ausstellung geht zurück auf die „Quartiers-Bühne Messel" von Sozial-Künstler Oliver Noweck. Das integrative Projekt wird für drei Jahre vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert. Die ausgestellten Werke sind in den vergangenen zwei Jahren bei einem Malkurs in Kranichstein entstanden, bei dem sich Anwohner und Menschen mit Migrationshintergrund begegnen. 89 Personen haben bisher teilgenommen.


Die Bilder im Verwaltungs-Foyer sind bunt durchmischt. Viel Wasser ist zu sehen, Leuchttürme, Naturlandschaften, aber auch einige Selbstdarstellungen. Alle haben sie etwas gemeinsam: die Künstler haben viel Farbe verwendet.


SELBST MALEN

Der Kurs „Quartiers-Atelier-Malen" trifft sich vorerst noch bis zum 3. Dezember wöchentlich montags von 17.30 Uhr bis 19.30 in der Stadtteilwerkstatt Kranichstein, Grundstraße 23 in Kranichstein. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, jeder kann vorbeikommen. Ulrike Klimm und Rena Lévano Casas unterstützen künstlerisch. (gwo)


Yuldus Abdulbekowa ist 26 Jahre alt und stammt aus Dagestan in Russland. Bereits in ihrer Kindheit fing sie an zu malen, ihre Mutter brachte sie im Alter von zwölf Jahren zu einer Malausbildung. Sie wollte immer schon malen, sagt sie - und erzählt, wie ihre Werke und von ihr mit Kindermotiven verziertes Geschirr in der Heimat regionale Popularität erlangten. Ihre technische Erfahrung sieht man den vier von ihr geschaffenen Werken auch deutlich an.


Inspiration findet Yuldus bei Bildern der Natur, die sie als Vorbild nimmt. Besonders Winterlandschaften haben es ihr angetan. Auch ihre eigene Fantasie nimmt sie als Anhaltspunkt. „Eine große Künstlerin", nennt eine der Besucherinnen Abdulbekowa.


Über die Theater-AG der Quartiers-Bühne hat Sascha Fuchs zum Malkurs gefunden. Der 21-Jährige aus Darmstadt war schon lange auf der Suche nach etwas, bei dem er andere unterstützen kann. Als Helfer ist er an der Kunstausstellung direkt beteiligt. „Ich freue mich, etwas gefunden zu haben, bei dem ich mich wohlfühle und wo ich mich engagieren kann." Jetzt plant Fuchs, eine Ausbildung in der Sozialen Kunst zu beginnen und seinen Leidenschaften weiter zu folgen.


Das hat auch Safieh Sepehrmaleki gemacht. Die 81-Jährige kommt aus dem Iran und hat davor „nie in meinem Leben gemalt." Seitdem sie zum Malkurs geht, würden auch andere mitmachen. „Sie schauen auf mich", sagt sie nicht ohne Stolz. Sepehrma-leki hat drei Bilder mit ins Foyer gebracht, alle sehr ausdrucksvoll. Eines entstammt einer Vision über die AfD - ein impulsives Bild mit viel Schwarz-Rot-Gold. Aus der Mitte starrt eine Fratze den Betrachter an. Die Iranerin interessiert sich für Gesellschaft.


Der Sozial-Künstler und Initiator Oliver Noweck erklärt das Ziel seiner Projekte: Er möchte Menschen verschiedener Hintergründe zusammenbringen und ihnen eine Perspektive schaffen. Potenziale freizusetzen und seine Teilnehmer zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen - darum geht es Noweck.


Sascha Fuchs hält fest, was vielleicht viele der ausgestellten Künstler denken: „Dieser Erfolg motiviert auf jeden Fall, weiterzumachen."

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