Uta Schindler

Freie Wissenschaftsjournalistin & Filmautorin, Stuttgart

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Sind alte Apfelsorten besser für Allergiker?

© malxes / Getty Images / iStock (Ausschnitt)

Tatsächlich reagieren viele Allergiker vor allem auf moderne Apfelsorten wie Braeburn, Elstar, Gala, Granny Smith oder Jonagold. Dass Allergiker alte Apfelsorten durchweg besser vertragen, stimmt deshalb aber trotzdem nicht. Denn das allergene Potenzial eines Apfels hängt nicht allein von seiner Sorte ab. Auch Anbau, Frische, Lagerung und Zubereitung können die Allergenität eines Apfels verändern: Apfel ist eben nicht gleich Apfel, und kein Allergiker gleicht dem anderen.

Es war einmal ein Biss vom Apfel, und Schneewittchen war ausgeknockt. So heftig wie in Grimms Märchen sind die Symptome einer Apfelallergie in unseren Breitengraden selten. Häufig begegnet man hier zu Lande dagegen dem so genannten oralen Allergiesyndrom, kurz OAS, einer leichteren Ausprägung der Unverträglichkeit, bei der "nur" Mund- und Rachenraum betroffen sind. Schon kurz nach dem Verzehr von ein wenig Apfel können Lippen, Zunge und Hals kribbeln, jucken oder brennen, sich taub anfühlen oder anschwellen. Manchmal zeigt sich die Unverträglichkeit in Form von Quaddeln und Bläschen auf oder im Mund.

Auch wenn sich hier schwer wiegende Beschwerden dazugesellen können, die den ganzen Körper betreffen: Apfelallergiker in Nord- und Mitteleuropa leiden in der Regel unter lokalen Reizerscheinungen, also eher milden Symptomen. In Südeuropa treten dagegen häufig schwere Reaktionen auf - bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Man unterscheidet zwei Arten von Apfelallergie: die Mal-d-1-Allergie, die hier bei uns vorkommt, und die Mal-d-3-Allergie, die in Südeuropa und im Mittelmeerraum auftritt.

Ob heftige oder leichte Reaktion: Eiweiße (Proteine), die im Apfel vorkommen, lösen die Allergie aus. Schuld an der Apfelallergie ist aber eigentlich ein Irrtum im Quadrat. Das Immunsystem verwechselt die Apfelproteine nämlich mit anderen Allergenen, also ungefährlichen Inhaltsstoffen, die es ebenso irrtümlicherweise bekämpft. Wer Äpfel nicht verträgt, ist demnach auf etwas allergisch, dem die Apfeleiweiße ähneln. Kreuzallergie heißt das Phänomen, das auftreten kann, aber nicht muss.

Wenn der Apfel mit der Birke...

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