Uta Schindler

Freie Wissenschaftsjournalistin & Filmautorin, Stuttgart

2 Abos und 2 Abonnenten
Artikel

Warum ist Norden oben?

© Maxiphoto / Getty Images / iStock (Ausschnitt)

"Nicht Ohne Seife Waschen": Da, wo oben ist, ist auf Landkarten Norden. Aber warum ist das eigentlich so?

Im Dezember 1972 ist die letzte bemannte Mondmission der NASA, Apollo 17, unterwegs zum Mond. Unterwegs schießt die Besatzung eines der berühmtesten Fotos der Erde: "The Blue Marble", die blaue Murmel. Es ist die erste Vollansicht unseres blauen Planeten. Am 23. Dezember 1972 veröffentlicht die NASA das Foto. Einen Tag später, Weihnachten 1972, ziert "The Blue Marble" weltweit die Titelseiten. Was damals keiner weiß: In der Originalaufnahme weist die Südhalbkugel nach oben. Um Verwirrung zu vermeiden, hat die NASA das Bild vor seiner Veröffentlichung um 180 Grad gedreht - also so, dass Norden oben liegt. Als die NASA knapp 43 Jahre später die Originalbilder des Apollo-Programms veröffentlicht, findet sich darunter auch die Blue-Marble-Serie - ebenfalls genordet, versteht sich.

"Oben" ist ein Konstrukt unseres Denkens. Eine Karte, bei der die nördliche Erdhälfte oben liegt, ist weder genauer noch korrekter als eine, bei der die südliche Hemisphäre obenauf ist. Gleiches gilt für das berühmte Foto aus dem Weltall. Doch es bleibt dabei: Dass unsere heutigen Landkarten in der Regel genordet sind (das heißt, Norden immer oben ist), prägt unser Weltbild. Und das sogar im übertragenen Sinn...

Zum Original