Uta Schindler

Freie Wissenschaftsjournalistin & Filmautorin, Stuttgart

2 Abos und 0 Abonnenten
Artikel

Verursacht Kälte eine Erkältung?

2td37ahfdr detail image 299540

Bild: © iStock / Meggj (Ausschnitt)

"Zieh dich warm an, damit du dich nicht erkältest!" Mütze, Schal und Handschuhe schützen vor Kälte – Viren wehren sie allerdings nicht ab. Und gilt nicht: Ohne Viren, keine Erkältung? Schon - aber wer sich dick einpackt, ist trotzdem gut beraten.

Erkältung durch Kälte? Die Kälte steckt zwar im Namen, nicht aber hinter der Erkältung. Denn für "den Schnupfen" braucht es immer auch einen Krankheitserreger: gelegentlich Bakterien, in rund 95 Prozent aller Fälle aber allerlei verschiedene Viren. Die häufigsten Schuldigen von rund 200 bekannten Erkältungsviren sind dabei Rhino-, Entero- und Mastadenoviren, dazu kommen Vertreter der Corona- und Paramyxoviridae-Familien. Der klassische Schnupfen, ein sogenannte grippaler Infekt, geht dabei in 40 Prozent der Fälle auf das Konto von Rhinoviren. Aber eine Erkältung ohne Viren, verursacht allein durch Kälte – unmöglich.

Stellt sich die Frage, warum man trotzdem Kälte so häufig für eine Erkältung verantwortlich macht. Klar, die Schnupfensaison liegt in der kalten Jahreszeit: Laut Robert-Koch-Institut erreicht die Zahl der Atemwegserkrankungen, zu denen die Erkältung zählt, im Januar ein erstes Hoch, steigt weiter bis März und sinkt, wenn es draußen wieder wärmer wird. Logisch, dass "Kälte" oder "kalt" in vielen Sprachen im Krankheitsbegriff des gemeinen Schnupfens zu finden sind. Schon die alten Römer vermuteten einen Zusammenhang zwischen Kälte und Erkältung. Begründet sich der Mythos vielleicht in einer Verwechslung – nämlich dem Missverständnis von Ursache und Wirkung?...

Zum Original