Ullrich Kroemer

Freier Sportjournalist (Print, Online), Leipzig

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Achtelfinale RB gegen VfL: Duell der Konzern-Vereine

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von Ullrich Kroemer

Im DFB-Pokal-Achtelfinale am Mittwoch (19 Uhr/ARD) empfängt RB Leipzig den VfL Wolfsburg. Beide Teams sind Botschafter großer Konzerne - das eine für Red Bull, das andere für VW. Doch was verbindet sie über diese Gemeinsamkeit hinaus?


Ralf Rangnick war vor dem Achtelfinale im DFB-Pokal zwischen Rasenballsport Leipzig und VfL Wolfsburg (19 Uhr) in bester Laune. Leipzigs Sportdirektor grinste spitzbübisch und sagte: „Ich will nicht ausschließen, dass wir am Mittwoch viele Tore sehen. Beide Mannschaften legen ihren Fokus stark auf die Offensive, da gibt es schon Parallelen." Ein beschwingtes 3:2, ließ Leipzigs Frontmann wissen, sei ihm eh lieber als ein zäher 1:0-Sieg.

Teams der Zukunft

Also waren die jüngsten Ergebnisse der Pokalkontrahenten ganz nach Rangnicks Geschmack. Sowohl der aufstrebende Verein aus der 2. Liga als auch die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga boten am Wochenende Spektakel-Spiele. In Leipzig fielen beim befreienden 3:2-Erfolg gegen Union Berlin in der ersten halben Stunde fünf Treffer. Beim 5:3-Triumph der Wolfsburger in Bremen geriet das gesamte Spiel zum Torfestival.

Doch es gibt weit mehr, was beide Klubs eint. Das Aufeinandertreffen in der erstmals im Rahmen eines RB-Spiels mit 43.348 Zuschauern ausverkauften Red-Bull-Arena - darunter knapp 2000 aus Wolfsburg - ist das Duell der Teams der Zukunft. Den beiden konzerngelenkten Vereinen - Bad Boys in der Debatte „Kommerz vs. Tradition" - traut die Szene am ehesten zu, mittelfristig Branchenprimus Bayern München Paroli bieten zu können. Maßgeblicher Erfolgsfaktor ist natürlich das Geld, das dem VW-Werksklub ebenso wie dem Red-Bull-Retortenverein reichlich zur Verfügung steht. Dazu haben beide Klubs strukturelle Vorteile.

Beide Konzerne mischen kräftig mit

Die VfL-Wolfsburg-Fußball-GmbH unterliegt als früheres Werksteam nicht der 50+1-Regel und darf somit 100-prozentige Tochter des Volkswagen-Konzerns sein. RB Leipzig ist zwar pro forma ein eingetragener Verein mit ausgelagerter Spielbetriebs-GmbH. Doch die 14 stimmberechtigten Mitglieder sind entweder Red-Bull-Mitarbeiter oder stehen dem Brause-Konzern nah. Das schürt bei den Fans in ganz Deutschland Kritik, führt aber im tagesaktuellen operativen Geschäft ähnlich wie in einer Firma in der freien Wirtschaft zu kurzen Entscheidungswegen und unkomplizierten Lösungen. Dazu können es sich beide Konzernklubs leisten, nicht nur für den Kader die besten Mitarbeiter anzulocken, sondern auch in den Geschäftsstellen.

Das stetig wachsende Red-Bull-Fußball-Imperium profitiert auf seinem Weg nach oben auch von den Erfahrungen des VfL Wolfsburg. So hat Rangnick den früheren Wolfsburger Teammanager Frank Aehlig als Sportkoordinator nach Leipzig gelotst. Jochen Sauer, bis 2012 Sportlicher Leiter des VfL, fungiert nun bei Leipzigs Schwesterklub Red Bull Salzburg als Geschäftsführer.

Zuschauer in Leipzig begeistert

Die Euphorie, die der Hunger nach hochklassigem Fußball in Leipzig entfacht, spielt „Ich weiß nicht, ob wir diese Spieler aktuell haben wollten, selbst wenn wir sie für uns begeistern könnten." Ralf Rangnick Rangnick & Co. in die Karten. Bereits aktuell in der 2. Liga liegt der Zuschauerzuspruch in der 500.000-Einwohnerstadt bei über 25.500 Fans durchschnittlich. Der VfL Wolfsburg zählt trotz jahrelanger Bundesligazugehörigkeit im Durchschnitt nur gut 2000 Anhänger mehr pro Heimspiel. Ein ungeheures Plus der Sachsen gegenüber dem Wolfsburger Umfeld. Gut möglich, dass die Leipziger wegen dieses Standort-Vorteils das Vorbild aus Niedersachsen mittelfristig überflügeln.

Und auch die Transferstrategien, mit denen beide Klubs Erfolg haben wollen, unterscheiden sich. Angesprochen auf die Millionen-Verpflichtungen der Wolfsburger Kevin de Bruyne oder André Schürrle sagt Rangnick: „Ich weiß nicht, ob wir diese Spieler aktuell haben wollten, selbst wenn wir sie für uns begeistern könnten."

Start selbst aufbauen

Spieler vom Schlage eines Schürrle oder de Bruyne hätten im Alter von 18 oder 19 Jahren besser in Rangnicks Beuteschema gepasst. „Um Schürrle zu verpflichten, brauche ich kein Scouting, da kann ich auch eine Umfrage in der Fußgängerzone machen", sagt Rangnick. Sein Ehrgeiz sei, „mit Mut und Phantasie" Spieler zu verpflichten, die sich bei RB Leipzig zu Stars entwickeln können. Am besten zu solchen, die viele Tore schießen.

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