Tobias Jochheim

Texte mit Herz und Hirn (Journalist), Düsseldorf

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Schalke 04: Danke fürs Kommen, Glückauf, und ... ähh

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© Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images via ZEIT Online

Schalke ist Religion, doch die Erlösung bleibt aus. Gegen Bayern leidet der Klub wie kein anderer unter der Erwartung, eine Region redefinieren und retten zu können.

Am Samstagabend war es wieder so weit. Nach zwei, drei richtig guten Wochen wurden die Schalker von den Bayern deklassiert. Die Verhältnisse geradegerückt. Der jüngste 3:0-Sieg eingeordnet: die unsanfte, aber heilsame Konfrontation mit der Wirklichkeit. Dieses 0:4 kann Schalke mittelfristig nur guttun.

Im Hype um die Verpflichtung von Kevin-Prince Boateng waren die Erwartungen der darbenden Fans einmal mehr schneller gewachsen, als es gegenüber der jungen Mannschaft fair war. Am Samstagabend zeigte sich der Teufelskreis, in dem Schalke seit Jahrzehnten gefangen ist: 60.000 Stadionbesucher dürsten nach einem ganz großen Erfolgserlebnis, so intensiv, dass es körperlich spürbar ist. Hoffend oder bangend beschwören sie dabei die glorreiche Vergangenheit. In der Gegenwart ist das lähmend für die Julian Draxlers und Adam Szalais. Ersterer lief Mal um Mal ins Abseits, Letzterer verpasste gleich zwei Traumflanken von Farfán aus bester Position. Boateng war stets bemüht, doch seine zwei satten Abschlüsse waren ebenso unplatziert wie der Steilpass, den er Szalai in die Hacken spielte statt in den Lauf. Das Duell mit Halbbruder Jérôme fand nicht statt. Chancen erspielten sich die Schalker, aber von zehn Schüssen ging nur einer aufs Tor.

"Mehr Licht" soll ja angeblich der letzte Wunsch des ollen Goethe gewesen sein. Für den FC Schalke 04 wäre das die Hölle. Fast surreal gut ausgeleuchtet ist diese Arena, die nicht zuletzt deshalb wirkt wie aus einem Videospiel entsprungen. Umso deutlicher treten die Unperfektheiten im Zentrum dieses an sich perfekten Baus hervor: Auf dem Rasen ist im kalten Schein der 212 Flutlichter der menschliche Makel - jedes Zögern, jeder verlorene Zweikampf, jedes getretene Luftloch - überdeutlich zu sehen.

Schalkes Jungstars mangelt es nicht an spielerischer Qualität, sondern an Leichtigkeit und Unbekümmertheit nach Art des jungen Lukas Podolski. Doch die ist nirgendwo so rar wie hier. Nur als Schalker kann man am Tag des großen Spiels den Fallrückzieher-Gott Klaus Fischer vorgesetzt bekommen, der Königsblau vor 37 Jahren einmal mit vier Toren einen 7:0-Triumph gegen Bayern bescherte.

Der Weg ins eigene Stadion sorgt für einen Overkill an weiteren Legenden: Die Zufahrtswege sind nach Ernst Kuzorra und Stan Libuda benannt, eine etwas breitere Asphaltfläche dazwischen heißt ehrfurchtheischend "Platz der Euro-Fighter" nach den Europacup-Siegern von 1997. Lange Schatten.

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