Timo Al-Farooq

Journalist & Area Studies Specialist, London⎜Berlin

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Artikel

Deutschland ist Weltmeister: der Doppelmoral

Das deutsche Katar-Bashing in Sachen WM 2022 ist an Respektlosigkeit, Ignoranz und Verlogenheit nicht zu übertreffen. Ein Essay

Nach Griechenland und Russland hat unser selbstgefälliges von Mutti angeführte Groko-Deutschland nun ein weiteres Opfer für seine verbalen Muskelspiele ausgemacht: Katar. Seit US-Behörden gegen die FIFA ermitteln und zum ersten Mal in der Geschichte der Regierung des Weltfußballs ordentlich rumgerührt wird in dessen Korruptionssumpf, nimmt die zuletzt abgeklungene Anti-Golfemirat-Hetze in Sachen WM 2022 in Deutschland wieder Fahrt auf, der WM-Vergabe an Katar schlägt ein Sturm wutbürgerlicher Entrüstung entgegen: die Vergabe wurde erkauft, die Menschenrechtssituation im Emirat ist katastrophal, am Golf ist es viel zu heiß, um Fußball zu spielen, eine WM im europäischen Winter würde Weihnachten in die Quere kommen.

Was soll man dazu sagen außer: eine Runde Mitleid, boo-freakin'-hoo. Plötzlich entdeckt der sonst so wetterfeste outdoorvernarrte Deutsche, daß er aus Zucker ist, geriert sich Mr Politikverdrossenheit, der an Amnesty International-Ständen in Innenstädten eine Bogenlampe macht, als würde er Ebola ausweichen wollen, als Menschenrechtler, macht der Atheist, der Religion als rückständig und die Kirchensteuer als Zwangsabgabe à la GEZ-Gebühren empfindet, einen auf wiedergeborenen Christen. Und deutsche Medien und manche Sportfunktionäre tun so, als würde die WM 2022 in Saudi-Arabien oder im selbsternannten Kalifat der IS stattfinden, statt bei einer aufstrebenden Regionalmacht und einem Mäzen des internationalen Sports.

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