Thomas Hürner

Freier Journalist und Autor, Augsburg

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Klubs auf Reisen im DFB-Pokal: Heimspiele in der Fremde

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In Würzburg werden an diesem Wochenende keine Fahnen im heimischen Stadion geschwenkt Foto: DPA

Die Duelle zwischen Klein und Groß seien das, was den besonderen Charme des nationalen Pokals ausmache, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel erst kürzlich, als er sich zu den Forderungen einiger Profivereine äußerte, künftig die erste Runde des Wettbewerbs zu überspringen. Besonders reizvoll sind für unterklassige Klubs die Duelle vor heimischer Kulisse. Diese garantieren nicht nur ein zumeist ausverkauftes Stadion und damit hohe Zuschauereinnahmen, es ist auch ein Höhepunkt für Fans und Spieler, wenn traditionsreiche Bundesligaklubs zu Gast sind. Allerdings bedenken die Verantwortlichen kleiner Klubs auch ökonomische Vorteile, die mit einer Austragung auf neutralem Platz verbunden sind.

Gleich neun Klubs spielen in der ersten Pokalrunde, trotz Heimrecht, in fremden Stadien. Meist weil die eigenen Stadien zu klein sind, aber auch weil die Auflagen des DFB in der Kürze der Zeit für Amateurklubs nur schwer zu erfüllen sind. Da die Zuschauereinnahmen bei einem Umzug in ein größeres Stadion aber steigen, nehmen kleine Vereine diesen Umstand gerne in Kauf. Nicht so bei den Würzburger Kickers (3. Liga) und der TuS Koblenz (Regionalliga). Beide Klubs wollten gerne vor heimischer Kulisse antreten. Die Suche nach alternativen Spielstätten gestaltete sich in beiden Fällen schwierig.

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Im Falle der Würzburger Kickers kann das Spiel gegen Werder Bremen aus Lärmschutzgründen nicht im heimischen Stadion am Dallenberg ausgetragen werden, weil es inmitten eines Wohngebiets liegt und einige Anwohner nach der offiziellen Ansetzung des Spieltags erwirkten, dass das Spiel am Samstag nicht später als 19.30 Uhr angepfiffen werden darf. Der DFB terminierte das Pokalspiel gegen Werder Bremen auf 20.45 Uhr. Ein von den Würzburgern gestellter Antrag, das Spiel zeitlich vorzuverlegen, wurde vom DFB abgelehnt. Sogar der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt schaltete sich ein und bat in einem Brief an Grindel um eine Verlegung. Vergebens, der DFB beharrt auf dem Termin. Der Vorstandsvorsitzende des Klubs, Daniel Sauer, möchte dem DFB jedoch keinen Vorwurf machen: „So ein Spieltag ist ein enormer Koordinationsaufwand, es gibt bei allen Spielen Sicherheitsauflagen und Verpflichtungen gegenüber den TV-Sendern. Der DFB hat schlüssig begründet, warum eine andere Uhrzeit nicht umsetzbar gewesen wäre."

Weniger nachvollziehen könne er jedoch die klagenden Nachbarn, immerhin sei in der vergangenen Spielzeit auch das ein oder andere Abendspiel möglich gewesen. Besonders bedauerlich sei die Schärfe, die im Laufe der Diskussionen mit den lediglich sechs Klägern aufgekommen sei, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Mehrzahl der Anwohner positiv gestimmt war und es in der Vergangenheit keine Probleme bei Abendspielen gegeben habe. In der Konsequenz versuchte der Klub, das Spiel im nahegelegenen Schweinfurt auszutragen. Auch das war aber nicht möglich, weil dort einen Tag vorher im DFB-Pokal gespielt wird. Nun weichen die Würzburger für das Spiel ins 120 Kilometer entfernte Offenbach aus, was mit einem organisatorischen Mehraufwand und finanziellen Einbußen verbunden ist.

Der Klub muss das Stadion mieten, auch ist aufgrund der Distanz nicht mit den gleichen Einnahmen aus dem Kartenverkauf zu rechnen. „Wir versuchen den Fans hinsichtlich Stornierungen bereits gekaufter Tickets entgegenzukommen", sagt Sauer. Ein Stadionbesuch könnte sich für Reiselustige aber lohnen: Schon vor zwei Jahren wäre den Würzburgern im Pokal gegen Werder Bremen fast eine Überraschung gelungen, erst in der Verlängerung schieden die Kickers aus.

Auf eine Pokalüberraschung vor heimischer Kulisse haben sie auch in Koblenz gehofft. Am Stadion Oberwerth wird derzeit die Leichtathletikbahn saniert, entgegen der Erwartung wurden die Arbeiten nicht rechtzeitig zum Pokalspiel an diesem Freitag gegen Dynamo Dresden fertig. Deshalb muss der Klub auf das 430 Kilometer entfernte Zwickau ausweichen. „Aus dem Heimspiel wird dadurch ein Auswärtsspiel", sagt Arnd Gelhard, der Präsident des Klubs. Über 50 Stadien seien zuvor angefragt worden, überall gab es Absagen. „Zwickau war unser letzter Strohhalm", sagt Gelhard und fügt hinzu: „Ich hätte mir von den anderen Vereinen schon ein wenig mehr Solidarität erhofft." Auch ein einfacher Tausch des Heimrechts und damit die Austragung des Spiels in Dresden war nicht möglich, weil die Durchführungsbestimmungen des DFB vorsehen, dass das Heimrecht nicht getauscht werden darf.

Die Koblenzer wollten das Spiel eigentlich auch in Offenbach austragen, erhielten trotz mehrmaliger Bitten aber keine Freigabe. Nach der Zusage für Zwickau wurde einen Tag später offiziell vermeldet, dass die Würzburger in Offenbach spielen dürfen. „Dass das dann auf einmal geht, verstehe ich nicht so wirklich", sagt Gelhard. Die Polizei hat das Spiel als Hochsicherheitsspiel eingestuft und deshalb ihr Veto eingelegt. Die beiden Klubs verbindet keine besondere Rivalität, deswegen spekuliert der Präsident, dass diese Entscheidung mit den Dynamo-Anhängern zusammenhängt.

Die Enttäuschung innerhalb der Koblenzer Anhängerschaft sei enorm, sie hätten sich schon lange auf eine besondere Pokalnacht im heimischen Stadion oder zumindest in der Nähe gefreut. Immerhin gibt es freiwillige finanzielle Unterstützung der Stadt Koblenz. Es sei nur fair, dem Verein bei den Mehrkosten Unterstützung zu bieten, sagte Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig, denn „die TuS kann schließlich nichts dafür, dass ausgerechnet während der Sanierungsphase des Stadions so eine sportliche Großchance geboten wird". Der Betrag wurde auf 50 000 Euro festgelegt.

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