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torial Blog | Journalisten-App der Woche: Hindenburg

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Wer einen verlässlichen Begleiter bei der mobilen Audio-Aufnahme und sendefähigen Bearbeitung auf einem Smartphone von Apple sucht, der schaue sich Hindenburg an.

Leider gibt es auch im Jahr acht nach der Präsentation des ersten iPhones keine Audio-App, die Journalistinnen und Journalisten so einfach, intuitiv und verlässlich Audios bearbeiten lässt wie dies iMovie für Videos tut. Schade.


Erstmal Lite

Wer nach langem Suchen und Ausprobieren nach Qualität lechzt, dem sei die App Hindenburg Field Recorder empfohlen. Sie kostet 29,99 Euro. Und das ist eine ganze Menge Geld für eine 3,1 MB große App. Aber Qualität kostet nun mal. Und außerdem kann man ja erstmal die kostenlose Lite-Version testen. Die nimmt zwar nur eine Minute lang auf - aber zum Testen bietet sie sonst den kompletten Funktionsumfang.


Hindenburg macht vieles richtig und kann einiges, was auf den ersten Blick selbstverständlich scheint, aber nicht selbstverständlich ist. Angefangen bei dem professionellen Interface und einer durchdachten Logik. Dreht man dem Gesprächspartner das Telefon zu, damit er oder sie in das eingebaute Audio-Mikrofon spricht, dann dreht sich das Interface mit. Das machen nicht alle Audio-Programme.


WAV, ALAC, AAC oder MP2

Die Macher der App haben mitgedacht und eine App geschaffen die gut mit externer Mikrofon-Hardware umgeht, das heißt, sie in den allermeisten Fällen unterstützt. Auch das ist nicht immer selbstverständlich im Apple-Universum. Die aufgenommenen Audios kann man in den Formaten WAV, ALAC, AAC oder MP2 exportieren, und zwar in drei unterschiedlichen Abtastraten (48 kHz, 44,1 kHz, 22 kHz) und in drei verschiedenen Bitraten (192 kbps, 160 kbps, 128 kbps). Neben dem Senden an iTunes oder per Mail bietet die App auch einen direkten FTP-Upload. Sehr praktisch.


Was Hindenburg nicht kann und was meiner Ansicht nach das größte Manko der App ist: Es gibt keinen Mehrspurschnitt. Möglich ist das Produzieren von sendefähigen kleinen Radiobeiträgen auf einer Spur mit einer gut funktionierenden Kreuzblende, aber eine schöne Reportage mit viel Atmo kriegt man auf dem Smartphone-Screen nicht gebaut. Dafür bietet Hindenburg als Ergänzung eine Desktop-Software, die sehr anständig ist, aber auch noch mal in der Pro-Version 350 Euro kostet.


Komplette Infrastruktur

Wer allerdings nach einem ersten Test von der mobilen App überzeugt ist und sein Geld mit dem Radiomachen von unterwegs verdient, der sollte sich ernsthaft überlegen, ob sich die Anschaffung einer kompletten Infrastruktur nicht lohnt. Aufnehmen auf dem Smartphone und bei Bedarf auf dem Desktop-PC weiterverarbeiten. Lobenswert ist auf jeden Fall das volle Angebot an Tutorial-Videos und einer umfassenden Anleitung, die man sich als PDF herunterladen kann.


Denn zugegeben: Einmal richtig einarbeiten muss man sich in die App schon. Vor allem das Editieren des Audios ist nicht komplett selbsterklärend und bringt Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer meiner Mobile Reporting Seminare öfter an den Rand des Wahnsinns. Wenn es dann allerdings einmal hingehauen hat, entfaltet die App eine schlichte Eleganz. Vor allem durch die Möglichkeit, Audio-Schnipsel zu favorisieren. Möglich werden so schnell und einfach produzierte kleine O-Ton Stücke. Definitiv sendefähig.


Hindenburg, iOS 29,99 Euro in der Vollversion, kostenlos in der Lite Version

Eine professionelle Audiolösung für das Smartphone, die ihren Preis hat. Nicht perfekt, aber meine persönliche Empfehlung für die Produktion von kurzen, sendefähigen Radiostücken auf dem Smartphone.

Alternativ und mit Mehrspurschnitt, aber für mich persönlich leider immer wieder unbedienbar: Voddio. Wer ein Android Gerät sein eigen nennt, dem empfehle ich nach wie vor Tapemachine Recorder, das ich hier in den nächsten Wochen vorstelle.


Habt Ihr eine Lieblingsaudio-App: Welche ist es und warum ist es diese oder jene?

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