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Plagiat: Mehr als 40 Doktorarbeiten geprüft

Auch in der Doktorarbeit von Silvana Koch-Mehrin wurden Mitarbeiter von VroniPlag fündig. Foto: imago stock&people

Freiwillige werden nicht müde, verdächtige wissenschaftliche Werke zu untersuchen. Alleine VroniPlag hat mehr als 40 Doktorarbeiten geprüft.

GuttenPlag, VroniPlag, SchavanPlag - die anonyme Jagd nach Plagiaten in Doktorarbeiten begann, als im Februar 2011 erste Plagiatsstellen in der Dissertation des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) entdeckt wurden. Innerhalb kurzer Zeit entstand das GuttenPlag-Wiki, in dem sich Freiwillige anonym über die Doktorarbeit des Ministers austauschten.

Den Plagiatsjägern ist die Anonymität wichtig, weil sie die Plagiate in den Vordergrund stellen möchten und nicht sich selbst. Sie möchten nach eigenen Angaben den Ruf der Wissenschaft und der Politik verbessern.

Politiker mit Doktortitel

Nachdem die Vorwürfe gegen ihn laut wurden, erklärte zu Guttenberg, der Plagiatsvorwurf sei „abstrus". Sein aggressiver Umgang mit dem Thema hat die anonymen Plagiatsjäger gegen ihn aufgebracht. Dass Guttenberg seinen Doktortitel verlor und angesichts des wachsenden Drucks nur Tage später seinen Rücktritt erklärte, hat die Mitglieder von GuttenPlag dementsprechend nicht kalt gelassen. „Der Einzige, bei dem ich mich über den Rücktritt gefreut habe, war Karl-Theodor zu Guttenberg", erzählte GuttenPlag-Mitarbeiter „PlagDoc" 2011 im FR-Interview. Der Grund dafür sei, dass Guttenberg versucht habe, „die Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen".

VroniPlag prüft Dissertationen

Nach dem Rücktritt des Verteidigungsministers entstand aus dem Umfeld von GuttenPlag ein Wiki, das sich bis heute nicht auf eine einzelne Person konzentriert, sondern allgemein auf Dissertationen, die unter Plagiatsverdacht geraten sind. Weil Edmund Stoibers Tochter Veronica Saß mit ihrer Dissertation als erste ins Visier der Plagiatsjäger geriet, bekam das Wiki den Namen VroniPlag. Bisher hat VroniPlag über 40 Doktorarbeiten geprüft.

Auch den FDP-Politikern Georgios Chatzimarkakis und Silvana Koch-Mehrin konnten Plagiate nachgewiesen werden, beide verloren im Zuge dessen ihre Doktortitel. Koch-Mehrin klagt gegen die Entscheidung, genau wie Annette Schavan (CDU), in deren Doktorarbeit derselbe Einzelkämpfer wie im Falle des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert Plagiatsstellen entdeckt hatte. Unter dem Pseudonym „Robert Schmidt" hatte er die Vorwürfe gegen die damalige Bildungsministerin Schavan im Alleingang veröffentlicht, da die VroniPlag-Mitglieder sich mehrheitlich gegen eine Veröffentlichung ausgesprochen hatten. SchavanPlag entstand und führte dazu, dass die Ministerin letztlich ihren Doktortitel verlor und als Ministerin zurücktrat.

Robert Schmidt hat nach eigenen Angaben Spaß an der Detektivarbeit. Mit seiner Arbeit möchte er verhindern, dass akademischer Betrug erfolgreich ist, ließ er nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Schavan „Spiegel Online" wissen.

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