Sylvia Meise

Freie Journalistin, Frankfurt

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Feature

Familie&Co 4/18: Feuer - "Die vier Elemente", Teil 1

Bloß nichts anbrennen lassen!

 

„Hands on“ statt „Hände weg“ – dieser Ansatz gilt nun auch fürs Feuer. Denn, gerade wenn es verboten ist wird es gefährlich, weil Kinder dann heimlich zündeln. Der Berliner Künstler Kain Karawahn zeigt Kindern, wie man ein Gutes Feuer macht. Regelmäßig begleitet er Feuerlern-Projekte mit Kitas und Schulen.


Bevor es losgeht, werden die Eltern informiert. Die meisten seien zunächst skeptisch und fragen, ob man die Kinder so nicht erst recht auf dumme Gedanken bringt. Um sie von der Notwendigkeit des Projekts zu überzeugen, schildert Karawahn ihnen den typischen Ablauf eines Brandfalls: „Stellen Sie sich vor, Sie sind fünf Jahre alt, haben irgendwo ein Päckchen Streichhölzer gefunden – und wissen genau: Feuer machen ist verboten.“


Angst vor Strafe


Es braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, dass sich dieses Kind einen versteckten Ort sucht. Der Künstler beschreibt, was passiert, wenn ein Hölzchen brennt: „Wie alle Kinder ohne Feuerkompetenz hält es dann das Streichholz mit der Flamme nach unten. Und zwar so lange, bis es am Finger weh tut, dann lässt es los. Das brennende Holz fällt auf den Teppichboden, aufs Plüschtier oder aufs Bett...“  Je länger es brannte, umso geringer die Chance, dass es beim Runterfallen ausgeht.

Und jetzt? Karawahn schildert das fatale Muster, das Versicherungen erkannt haben: „Statt sich bemerkbar zu machen, versteckt sich das Kind unterm Bett oder im Schrank. Aus Angst vor Strafe geht es nicht zu seinen Eltern. Ein Kind, das mit Feuer scheitert, schreit nicht.“

Verantwortung entzünden


Schreckliche Kinderlogik. Gibt es keinen Rauchmelder, kann es erstickt sein, bis die Erwachsenen überhaupt etwas mitbekommen. Was für andere frühkindliche Bildungsprozesse selbstverständlich ist, muss also auch beim Feuer gelten: Je mehr Übung Kinder darin haben, desto besser wissen sie, wie sie sich verhalten müssen - auch im Ernstfall.


Die Kita-Workshops in Berlin dauern eine Woche. Am ersten Tag lernen Kinder ab fünf Jahren vom Feuer-Experten Karawahn: „Wenn du ein schönes Feuer machen willst, brauchst du einen Plan. Der Platz muss sicher sein, da darf nichts rumliegen, was nicht brennen soll, aber brennen könnte. Meine Kleidung muss sicher sein, meine Haare.“ Und dann bekommen eine Hausaufgabe: „Bitte deine Eltern um Streichhölzer und zeige ihnen, was du hier in der Kita gelernt hast.“


Am Ende lockt immer ein Familien-Feuerfest, bei dem jede Familie am Feuer seines Kindes sein Essen brutzelt.


Es begeistert den Berliner, wie schnell Kinder verstehen, was wichtig ist und wie genau die jüngeren Kinder in den Kitas sich von den älteren Kindern das richtige Verhalten abschauen. Karawahn ist überzeugt: „Diese Faszination sitzt tief in uns drin. Sozusagen von der Evolution eingebrannt. Wir sind schließlich das einzige Lebewesen der Erde, das Feuer machen kann.“


Wie viel Spaß Kinder dabei haben können, zeigt das Kinderbuch „Feuerabenteuer“ das er zusammen mit der Berliner Kita Arche ghemacht hat (Beschreibung des Projekts, Fotos von den Aktionen der Kita-Kinder sowie ihren eigenen Bildern. Preis: 17 Euro 90. Bezug über http://mitfeuerspielen.de/).


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Feuer-Führerschein


In Kain Karawahns Feuerprojekten lernen Kinder als Erstes, wie man ein „schönes Feuer“ erkennt: „Wenn du, deine Freunde und der Platz nach dem Feuer genauso aussehen, wie vorher.“ Dann übt er mit ihnen Streichhölzer anzünden, weil „Kinder das brennenden Ende immer nach unten halten. Also üben wir den Dreh nach oben.“

Eltern empfiehlt er, regelmäßig mit den Kindern zu üben: „Sagt ihnen: Du willst Feuer machen? Hol mich dazu. Ich will sehen, wie gut du das kannst.“ Für den Notfall nicht drohen, sondern den Kindern einprägen: „Hilfe rufen und einen Erwachsenen holen, den du kennst.“