Su C. Steiger

Journalist / Kommunikations-Coach , Mering b. München

1 Abo und 5 Abonnenten
Artikel

Hübsch auf dem Smartphone - eCommerce für mobile optimiert

Wie bringt man den Mobile Shop perfekt auf's Handy?
Vergleich der Tools und Programme für mobil optimierte Shop Lösungen.

Seit dem 21. April ist es so weit: Google straft Shops ohne Mobile-Optimierung
im Ranking ab. Fur Online-Händler führt also kein Weg mehr daran vorbei, den Shop für den Zugriff von Tablets und Smartphones zu rüsten. Hierfür gibt es drei unterschiedliche Möglichkeiten.
Variante 1: Läuft ein Shop auf einem der drei weitverbreiteten Content-Management-
Systeme (CMS) Wordpress, Typo3 oder Drupal, empfiehlt sich die Nutzung eines Shop-Plug-ins, das auch die mobile Darstellung des Shops ermöglicht. Bei einem Plug-in handelt es sich um online verfügbare Software, die von Dritten für die jeweiligen Systeme programmiert und im Plug-in-Bereich angeboten wird. Da sie einfach zu installieren ist, kann sie sofort für die Website eingesetzt werden.
Variante 2: Shop-Software-Anbieter haben ihre Software-Lösungen für mobile
Nutzer auf verschiedene Weise optimiert. Dazu gehören zum einen spezielle Templates, die performanter agieren und den Shop auf dem Mobilgerät schneller werden lassen als eine herkömmliche mobile Website. Zum anderen simulieren sogenannte Web-Apps die Bedienung einer nativen App, zum Beispiel die Wischbewegung oder die Handhabung per Touch.
Einige Anbieter wie Couchcommerce oder Shopgate haben sich auf die für die mobile Nutzung optimierte Ausspielung des Online-Shops per Web-App (als mobile Webseite) oder mobiler App spezialisiert.
Variante 3: Shops lassen eine native Mobile App auf iOS- oder Android-Basis programmieren. Das lohnt sich meist nur für große Marken oder im B2B-Bereich.
Denn es ist gar nicht so leicht, die Konsumenten zum Download und zur konstanten
Nutzung von Shopping-Apps zu bewegen.

Für das Google-Ranking könnte sich eine installierte App auszahlen: Google hat angekündigt, Webauftritte bei der mobilen Suche zu bevorzugen, wenn zu diesen eine
mobile App auf dem Gerät installiert ist.

Plug-ins für Content- Management-Systeme

Die einfachste und bei einem kleineren Produktangebot im Shop zudem leicht handhabbare Variante ist die Installation eines Plug-in im CMS. Um ein optimales mobiles Angebot zu erreichen, sollte allerdings der gesamte Webauftritt schon im responsiven Design gestaltet sein.
Auf Wordpress-Basis stehen mehrere Plug-ins für die mobile Ausspielung von Webseiten zur Verfügung. Ein schon lange verfügbares und umfangreiches Plug-in ist „wpShopGermany“, eine Entwicklung von Maennchen1.de, Ellersleben. Es ist auf
die Bedürfnisse im Online-Handel in Deutschland abgestimmt. Ebenso verhält es sich mit „Woo Commerce German Market“ von Marketpress.de, Bergisch Gladbach. Beide Plug-ins wurden von deutschen Entwicklern, Roger Rehnelt beziehungsweise Andre Pfeiffer, gestaltet und werden regelmäßig angepasst, sodass sich Online-Händler bei der Nutzung auf
rechtssicherem Boden bewegen.
Auch für Typo3 gibt es entsprechende Plug-ins. Für ein mobiles Shopdesign relativ weitverbreitet ist das Plug-in „Multishop“ von BVB Media BV aus Aalst in den
Niederlanden. Bei Drupal bietet sich die Shop-Extension „LightCommerce“ von Creative Technologies LLC, Ulyanovsk, Russland, zur Nutzung an, die ebenfalls die mobile Shop-Darstellung unterstützt.
Wer auf Nummer sicher gehen will, kann den Shop auch mit „WP-shopified“ von Iwebix, einem in Berlin entwickelten kompletten Wordpress-E-Commerce- Template mit Woo-Commerce-Plug-in, als Basis aufsetzen. Dieses ist bereits als responsives, für den mobilen Einsatz optimiertes Website-Design verfügbar und ab 49,45 Euro erhältlich. Die Anschaffungskosten für geeignete Plug-ins beginnen bei null Euro für „Lightcommerce“ für Drupal. Hier muss jedoch mit Kosten für Anpassungen an die eigenen Bedürfnisse gerechnet werden. Das Starterpaket bei „wpShop Germany“ liegt bei 25 Euro, sowohl hier als auch bei „Woo Commerce German Market“ sind verschiedene
Ausbaustufen erhältlich. Bei Letzterem betragen die Kosten für die umfangreichere Developer- Version ca. 239 Euro.
Mit Templates zum mobilen Shop Shop-Software-Anbieter haben ebenfalls auf den Trend zur
stärkeren mobilen Nutzung reagiert und ihre Lösungen entsprechend angepasst – wie, das
zeigt die Übersicht auf den Seiten 26 – 27 der Internetworld-Printausgabe.
Eine häufig genutzte E-Commerce-Shop-Software ist Magento vom gleichnamigen Unternehmen, das wiederum eine Ebay-Tochter ist. Die Nutzer- Community hilft bei der Entwicklung spezifischer Module. So ist auch „Magento DE“ entstanden. Dies ist eine Sammlung von Erweiterungen, die den amerikanischen Shop an deutsche Anforderungen anpasst. Vertrieben wird dieses Modul von Netresearch, Leipzig, die auch die jährliche Konferenz „Meet Magento“ organisieren. Grundsätzlich sind alle Magento-Versionen ab CE 1.9x oder EE 1.14x durch ein entsprechendes Template für Mobile optimiert.
Die Magento Enterprise Edition bietet zusätzlich die Möglichkeit, auf Mobilgeräte ausgerichtete Storefronts sowie Mobile- Apps zu bauen. Da hier kundenbezogen individuelle Anpassungen nötig und sinnvoll sind, kommen häufig Dienstleister als Partner für die Implementierung zum Einsatz. Die Kosten für einen Magento- Shop sind daher sehr unterschiedlich. In der Community-Version ist ein kostenloser Einstieg möglich, Magento gibt die Lizenzkosten für die Enterprise Edition mit rund 18.000 US-Dollar jährlich an.
Die Oxid eSales GmbH aus Freiburg offeriert mit „Oxid eShop mobile“ ein Produkt, bei dem sowohl eine App für iOS oder Android als auch Mobile-optimierte Templates sowie responsive Templates für den Webshop zur Verfügung stehen. Wenn die Software vom Shop-Betreiber installiert wird, entstehen zunächst keine Kosten, bei der Nutzung des Software-as-a- Service-Angebots (SaaS) fallen projektabhängige monatliche Kosten an. Die Mobil- Version des Oxid-Shops beinhaltet unter anderem eine Social-Media-Integration,
eine automatische Eingabehilfe und erfüllt auch in der Web-App-Variante die meisten
Funktionen einer nativen App. „Shopware 5“ ist das jüngste Release des E-Commerce-Software-Anbieters Shopware AG aus Schöppingen. Ab Version 5 ist die Shop-Lösung für Mobile Commerce geeignet. Ein Einstieg in die Lösung ist kostenfrei möglich, die umfangreicheren Versionen beginnen bei 1.295 Euro und reichen bis über 20.000 Euro.
Die „Websale Shoplösung“ ist in einer für die mobile Nutzung optimierten Variante verfügbar. Durch eine zusätzliche Implementierung des ebenfalls von der Websale AG aus Stein entwickelten „Mobile-Subshop“ werden Funktionalitäten für einen mobilen Shop ergänzt. Die Einrichtungs- zuzüglich Anpassungskosten
liegen bei rund 2.000 Euro, die Funktion kann als SaaS genutzt werden.
Alle Funktionalitäten des Webshops bietet „xt:Commerce 4.2“ in einer für Mobile-optimierten Ansicht. Dabei wird der Zugriff via mobilem Endgerät vom Shop automatisch erkannt und entsprechend die Optik angepasst.
Mit dem von XT Commerce zur Verfügung gestellten iQuery-Mobile-Template ist die Einrichtung eines mobilen Shops kostenlos möglich. Weitere Mobile-Templates sind ab 200 Euro erhältlich. Die Lizenzkosten für „xt:Commerce 4.2“ bewegen sich zwischen 399 bis 1.099 Euro je nach Variante.

Zusatzfunktionen durch App-Simulation

Wenn ein Shop auf dem Mobilgerät wie eine mobile App funktioniert, ist er besonders
nutzerfreundlich. Einige Dienstleister haben sich darauf spezialisiert, bestehende Online-Shops in Apps zu „verwandeln“, um sie an den mobilen Kontext anzupassen.
Die Dienstleistung ist (fast) immer als SaaS-Lösung zu haben. Dabei wird zwischen einer Web-App und einer nativen App unterschieden. Eine native App ist eine eigens für mobile
Betriebssysteme programmierte Shop-Anwendung. Eine Web-App hingegen simuliert im Browser die Funktionen einer nativen App, zum Beispiel die Steuerung durch die Wischbewegung oder den vereinfachten Check-out.
Der Aufwand, die Mobiletaugliche Software immer wieder anzupassen, liegt hier beim Dienstleister und nicht beim Online-Händler. „Couchcommerce“, angeboten
von der Couchcommerce GmbH in Hannover, setzt auf gängige Shop-Systeme auf. Zu ihren Features zählen beispielsweise Wischbewegungen oder die Navigation über Berührung. Die Web-App ist außerdem auch offline stabil, sodass bei Funkunterbrechung der Kunde
nicht neu starten muss. Die Einstiegsversion, die vom Online-Händler selbst gehostet
werden muss, ist kostenlos. Couchcommerce bietet eine SaaS-Lösung mit umfangreicheren Funktionen ab einem monatlichen Betrag von 3.000
Euro an. Die „mobile Komplettlösung“ der Shopgate GmbH aus Butzbach stellt unter anderem auch Services wie Push-Nachrichten, Mobile Couponing oder die Einbindung von Gutscheinsystemen zur Verfügung. Es gibt zwei Abrechnungsarten für das Dienstleistungsangebot: provisionsbezogen auf Transaktionsbasis oder gegen eine monatliche Gebühr ab 39 Euro bis rund 500 Euro. Gleich, ob Komplettlösungsangebot
oder Web-App-Dienstleister: Die Nutzer schätzen eine ans Smartphone oder Tablet angepasste Produkt- und Shop-Ansicht mit bedienungsfreundlicher Navigation.

Text erschien in Ausgabe 09/2015 der Internetworld.