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Carsharing in den USA - Umdenken im Autoland

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Ausgerechnet im Automekka Nordamerika soll Carsharing massiv expandieren. Vorbild ist das texanische Austin, in dem sich mehr als 20.000 Menschen Autos teilen. Bis 2016 will alleine Daimler in 30 Städten mit einem Konzept präsent sein. Der Konzern will dann auf Elektroautos setzen.

Sie sind weiß, winzig und wendig - und sollen nach dem Willen von Daimler auch jenseits des klassischen Verkaufsgeschäfts viel Geld einbringen. Die Rede ist von Tausenden neuen Miet-Smarts, die der Stuttgarter Konzern nach eigenen Angaben in den nächsten Jahren in Europa und Nordamerika auf den Markt bringt.

Car2go in Washington D.C.: Auch in der US-amerikanischen Hauptstadt startete Daimler Ende März mit seinem Carsharing-Konzept. (Foto: Chip Somodevilla/AFP)

Bis 2016 will Daimler mit seiner Carsharing-Tochter Car2go in 40 bis 50 europäischen und 30 nordamerikanischen Städten vertreten sein, sagte Daimler-Forschungsvorstand Thomas Weber Anfang April auf einer Veranstaltung in Stuttgart. Für die Branche entwickelt sich die einstige Nische immer mehr zum ernsthaften Geschäftszweig: Auch BMW und Volkswagen reagieren mit eigenen Angeboten auf den Trend, dass vor allem jüngere Leute nicht mehr zwangsläufig ein eigenes Auto kaufen.

Ausgerechnet im Automekka Nordamerika will Car2go in den nächsten Jahren massiv expandieren. Als großes Vorbild gilt die texanische Hauptstadt Austin, von der aus Car2go sein komplettes Nordamerika-Geschäft abwickelt. Nach Ulm war Austin vor vier Jahren die zweite Stadt, in der Daimler das neue Geschäftsmodell ausprobierte - mit erstaunlichem Erfolg. "Wir haben mit 200 Autos angefangen, die zunächst nur den Bediensteten der Stadtverwaltung zur Verfügung standen", schildert Car2go-Mitarbeiterin Katie Stafford die Entwicklung in Austin. "Heute haben wir mehr als 300 Fahrzeuge, die auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind."

Dass Car2go ausgerechnet im konservativen Texas wächst, liegt vor allem am alternativen Lebensstil der Hauptstadt: Seit Jahren zieht es Vegetarier, Hippies und Homosexuelle in die Metropole, die genau das Gegenteil des ländlichen Ranch-Lebens verkörpert. Ein weiterer Faktor, der die Stadt für neue Verkehrsmodelle prädestiniert, ist die Bevölkerungsexplosion. Austin ist eine der am schnellsten wachsenden Städte der USA. "Jedes Jahr kommen etwa 60 000 Einwohner hinzu", sagt Stafford. "Da merken selbst viele Amerikaner, dass es nicht mehr nur um Autos geht, sondern darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen." Es droht der Verkehrskollaps, zumal es bis heute keine Pläne für ein Straßen- oder U-Bahn-Netz gibt.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Die seit Monaten steigenden Benzinpreise gehen selbst an den autoverliebten Amerikanern nicht spurlos vorbei. Obwohl durstige Geländewagen und Pick-ups noch immer das Straßenbild dominieren, machen die steigenden Kosten alternative Verkehrsmodelle attraktiver. "In der Generation meiner Eltern musste noch jeder ein eigenes Auto haben", sagt zum Beispiel Heather Yarmi, die in einem Coffeeshop im Zentrum von Austin arbeitet.

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