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Niedriger Ölpreis bringt Aserbaidschan in Schwierigkeiten

Wie viele weitere erdölexportierende Länder leidet auch Aserbaidschan unter dem anhaltend tiefen Ölpreis. Anders als der venezolanische Präsident Maduro sitzt Staatsoberhaupt Ilham Aliyev jedoch fest im Sattel. Und das, obwohl die Diversifizierung der Wirtschaft ausbleibt und der Unmut in der Bevölkerung steigt.

Aserbaidschan zählt zu den ölabhängigsten Ländern der Welt und trägt seit Eröffnung der Baku-Tiflis-Ceyhan-(BTC-)Pipeline über die Türkei nach Europa 2006 zur Diversifizierung der europäischen Ölversorgung bei. Fossile Energieträger machen 90 Prozent des Exports des Landes aus, 2015 trugen sie knapp 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.
 
Doch der erwirtschaftete Reichtum ist extrem ungleich verteilt. Laut Uwe Halbach, Kaukasus-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), dem Think-Tank der Bundesregierung, kann man die wirtschaftliche Situation in Aserbaidschan als „wealth without welfare“, also als Reichtum ohne Wohlstand, bezeichnen. Nur etwa ein Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung arbeitet im lukrativen Energiesektor. Der größte Teil der Bevölkerung muss mit sehr niedrigen Löhnen und Pensionen auskommen, die vergleichbar sind mit denen der weitaus wirtschaftsschwächeren südkaukasischen Nachbarn Armenien und Georgien. Dabei erwirtschaftet Aserbaidschan 80 Prozent der Wirtschaftsleistung der drei Staaten.

Dass bisher von einer Diversifizierung der aserbaidschanischen Wirtschaft immer nur geredet wurde, rächt sich nun: Der Einbruch des Ölpreises Ende 2014 traf dies die aserbaidschanische Wirtschaft hart. Die Wirtschaftsleistung ging 2016 zum ersten Mal seit Beginn der neunziger Jahre zurück und schrumpfte vermutlich auch 2017. Ein Trend, der auch dieses Jahr anhalten soll. „Das war nur eine Frage der Zeit“, sagt Arzu Geybullayeva, freie Journalistin aus Aserbaidschan. „Neben der einseitigen Ausrichtung der Wirtschaft sind aber auch die massive Korruption und mangelnde Gewaltenteilung im politischen System Hauptursachen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten“, sagt sie

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