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LeBron James: NBA-Superstar, Aktivist, Geschäftsmann

LeBron James will mit den Los Angeles Lakers beim NBA-Re-Start in Florida eine weitere Meisterschaft gewinnen - und ist doch mehr als nur ein Basketballer. Weggefährten sehen in ihm einen künftigen Präsidenten.


LeBron James ist im Herbst seiner Karriere. In wenigen Wochen tritt der Basketball-Superstar mit den Los Angeles Lakes im Finalturnier der amerikanischen Basketballliga an, um eine weitere Meisterschaft zu gewinnen - es wäre bereits seine vierte.


Der 35-Jährige muss Titel gewinnen. Sie sind die Währung in der auf Trophäen fokussierten amerikanischen Sportwelt. James will der beste Basketballer aller Zeiten sein, besser als Michael Jordan (sechs Meisterschaften) oder Kobe Bryant (fünf Meisterschaften).


Gleichzeitig ist der 2,06-Meter-Mann nicht nur Athlet, sondern auch Geschäftsmann, Investor, Millionär. Die Corona-Pause im US-Basketball nutzte James um ein neues Projekt voranzutreiben: Gemeinsam mit seinem langjährigen Geschäftspartner und Jugendfreund Maverick Carter formte er in Los Angeles das Unternehmen Spring Hill. So hieß einst der Wohnkomplex, in dem der kleine LeBron mit seiner alleinerziehenden Mutter wohnte. Nun kommen unter dem Dach von Spring Hill James' bisherige Marketing-, Produktions- und Medienfirmen zusammen.


Das Ziel: ein Medienimperium erschaffen. Zu dem schon jetzt rund 100 Mitarbeiter, mehrere TV-Shows und Filme wie die Fortsetzung des Klassikers Space Jam gehören. Ende Juni sammelte Spring Hill 100 Millionen Dollar bei Investoren ein.


Nur der jüngste Erfolg abseits des Basketballplatzes für James: Mit dem ehemaligen Supermodel Cindy Crawford, Arnold Schwarzenegger und Ski-Star Lindsey Vonn gründete der Mann aus Akron im Bundesstaat Ohio 2018 ein Gesundheits- und Wellnessunternehmen. Im gleichen Jahr verließ er seine Heimat-Franchise aus Ohio, die Cleveland Cavaliers, und unterschrieb einen Vierjahresvertrag bei den Lakers, der ihm 153 Millionen Dollar in die Kassen spülen wird.


James hält ebenso Anteile am Kopfhörerhersteller Beats wie am FC Liverpool. Konzerne wie Coca-Cola oder Walmart werben mit seinem Gesicht. Nike stattete James sogar mit einem lebenslangen Werbevertrag aus - im Wert von knapp einer Milliarde Dollar.


Auch dabei tritt James in die Fußstapfen von Michael Jordan und Kobe Bryant. Der im Januar verunglückte Bryant hinterließ ein Geschäftsimperium, das von Investmentfirmen über Medien- und Fitnessunternehmen reichte. Jordan wurde nach dem Ende seiner Sportlerkarriere sogar Milliardär und ist Eigentümer des NBA-Teams Charlotte Hornets.


Seine späteren Erfolge erklärt James in Interviews immer wieder mit den Erfahrungen, die er an der Highschool in seiner Heimatstadt Akron sammeln konnte. Die Schule sei der Ort, an dem seine Träume Wirklichkeit geworden seien, erklärte er der „New York Times". „Wenn man in diesem Land arm und schwarz aufwächst, träumt man viel, aber man glaubt nicht wirklich, dass die Träume auch wahr werden. Hier habe ich angefangen zu glauben, dass ich es schaffen kann."


Diesen Glauben will der dreifache Familienvater weitergeben. Um benachteiligten Kindern zu helfen, eröffnete seine Stiftung 2018 eine Schule in seiner Heimatstadt Akron. Jungen und Mädchen aus sozial schwachen Familien sollen unterrichtet und bis zum Wechsel auf eine weiterführende Schule unterstützt werden. Das Motto: „We Are Family" - Wir sind Familie. Die Farben: Schwarz und Weiß.


Als James einmal die Politik Donald Trumps als „lachhaft und beängstigend" kritisierte, rief ihm eine politische Kommentatorin über den Sender Fox News zu: „Halt den Mund und dribbel." James reagierte auf Instagram, wo ihm rund 68 Millionen Menschen folgen, und stellte klar: „I am more than an athlete", er sei mehr als nur ein Athlet.


In den folgenden Monaten tauchte der Slogan dann immer wieder auf - in Videospielen und Werbeclips, auf Shirts und anderen Fan-Utensilien. James Sponsor Nike verkaufte den „LeBron ‚More Than An Athlete'"-Pullover für 100 Dollar. Das Sportliche ist für James politisch und das Politische hat immer auch einen ökonomischen Einschlag. Er weiß: In den USA, und nicht nur dort, ist Geld Macht.


Nicht immer trifft James den richtigen Ton: Als Daryl Morey, Manager der Houston Rockets, seine Solidarität mit den Protestanten in Hongkong bekundete, beendeten chinesische Sponsoren die Zusammenarbeit mit den Rockets. James stellte sich auf die Seite Chinas - ein wichtiger Markt für die NBA - und kritisierte Morey. Das sorgte für Empörung, Kritiker warfen James vor, Sneakerverkäufe seien ihm wichtiger als amerikanische Werte.


Inzwischen kämpft James mit anderen Stars und dem abgewandelten Slogan „More Than A Vote" (Mehr als eine Stimme) auch für die Wahlrechte von Afroamerikanern. Im Juni waren Videos aufgetaucht, die zeigten, wie schwarze Wähler im Bundesstaat Georgia stundenlang warten mussten, bevor sie ihre Stimmen abgeben konnten.


„Du musst zur Präsidentschaftswahl antreten", sagte DeMarcus Cousins, ehemaliger Mitspieler bei den Lakers, einmal zu James. Wie viele Afroamerikaner hat Cousins eine hohe Meinung von James. „Er könnte es tun: Er hat den nötigen Einfluss und ist einfach eine authentische Person", erzählte Cousins später in einem Podcast. Sportliche Erfolge, Millionen Fans und ein Medienimperium sind in dem Land, das den Bodybuilder Arnold Schwarzenegger zum Gouverneur von Kalifornien und den Schauspieler Ronald Reagan zum amerikanischen Präsidenten machte, nicht die schlechtesten Voraussetzungen für eine politische Karriere.


Angesprochen auf seine politischen Ambitionen winkt James ab: „Nein, ich denke nicht darüber nach." Er muss gewinnen - Meisterschaften, nicht Wahlen. James ist 35 Jahre alt, lange wird er nicht mehr um Titel spielen können.


Aber während sich dieses Zeitfenster schließt, öffnet sich ein anderes: Das Mindestalter für US-Präsidentschaftskandidaten beträgt 35 Jahre.


Von Steffen Herrmann

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