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Petfluencer: "Mein Igel hat mich gerettet"

Wenn ich mit meinem Igel an einem Touristen-Hotspot wie dem Eiffelturm auftauche, dann bildet sich um mich schnell eine kleine Traube von Fans, die quietschen. Aber nicht meinetwegen, sondern wegen des Igels. Der hat auf einen Account, dem 1,9 Millionen Menschen folgen. Und zwar aus der ganzen Welt.

Talitha Girnus

28, ist Petfluencerin und lebt in Wiesbaden.

Meine Liebe zu Igeln begann mit Sehnsucht. Mein damaliger Freund zog nach Schweden, und wir führten plötzlich eine Fernbeziehung. Er fing an, mir Igel-Fotos zu schicken, um mich aufzuheitern, weil ich ihn so vermisste. Ich wartete gerade auf mein tägliches Igel-Bild, als ich einfach anfing zu googeln: "Igel als Haustier". Dann ging es ganz schnell, ich fand einen Züchter und bekam "Pokee", meinen ersten Afrikanischen Weißbauchigel.

Weil sie mich selbst so glücklich gemacht haben, fing ich an, Fotos von Pokee auf dem Instagram-Account "Mr. Pokee" zu teilen. Mein Igel posierte zwischen Avocados, in Blumenwiesen oder mit Sonnenbrille. Vor zwei Jahren erreichte ich dann eine Million Follower. Zahlen und Statistiken sind mir nicht wirklich wichtig, nur einmal wurde mir klar, wie viele Menschen ich mit meinen Bildern erreiche: Ich war auf einem Ed-Sheeran-Konzert, das Londoner Wembley-Stadion war ausverkauft. 80.000 Fans waren da. Und so viele Leute, sogar noch viel mehr, liken die Fotos von mir!

Nach meinem Studium begann ich als Unternehmensberaterin zu arbeiten, den Instagram-Account führte ich in meiner Freizeit. Ich fing an, Postkarten und Kalender zu verkaufen. Wie viel Geld ich damit verdiente, will ich nicht verraten. Aber es reichte, dass ich kündigen konnte. Mr. Pokee hat mich sozusagen gerettet. Schon allein die Kalender in Umschläge zu stecken machte mich glücklicher als mein vorheriger Job.

Vor einem Jahr habe ich mich selbstständig gemacht, um mich Vollzeit um den Account zu kümmern. Zwei Monate später ist Pokee gestorben. Für mich brach eine Welt zusammen, ich war unglaublich traurig und bin erst mal nach Neuseeland geflogen, um mich zu trösten. Auf Instagram bekam ich Hunderte von Nachrichten aus der Fan-Community. Eine davon war von einer jungen Frau, die leider gegen ihren Igel allergisch war. Nach meiner Reise adoptierte ich ihn und machte weiter mit den Igel-Fotos.

Ich habe ihn umgetauft in "Herbee", nach dem alten VW Käfer von Disney, wegen seiner großen Kulleraugen. Ich kraule seinen Bauch und singe ihm Lieder vor. Gerade am liebsten den Song Lava, der von zwei verliebten Vulkanen mitten im Pazifik handelt.

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