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Künstliche Intelligenz: Wie Deutschland KI normieren will

Blaupause für KI: Auch für Künstliche Intelligenz soll es künftig Normen geben. Bild: IMAGO

Deutschland hängt bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz zurück. Nun greift der Bund an - mit typisch deutscher Strategie: globale Standards soll die Bundesrepublik ausgerechnet bei der Normung von KI setzen.


Dass ein Blatt Papier in den Umschlag passt und eine Schraube in die zugehörige Mutter, regeln in Deutschland Normen. Sie legen auch fest, wie viel Gewicht eine Toilette tragen muss und welche Maße Küchenmöbel benötigen, damit sie den Rücken nicht belasten. Standards zur Informationssicherheit sind heute ebenso genormt wie die Abläufe, Handgriffe und Maßnahmen, die eine bestimmte Qualität von Produkten oder Dienstleistungen sicherstellen sollen. Und damit nicht genug: Im Mai empfahlen Wissenschaftler, Berater und Unternehmensvertreter sogar, Start-ups und Gründer sollten sich künftig ebenfalls zertifizieren lassen.

Offenbar ist es das, was die deutsche Welt in ihrem Innersten zusammenhält: Normen. Das Kürzel DIN ist heute so typisch deutsch wie das Reinheitsgebot.

Doch etwas hat sich geändert, seit das Deutsche Institut für Normung (damals noch unter anderem Namen) 1918 die erste DIN-Norm veröffentlichte - für einen Kegelstift, ein Verbindungsstück, das man im Maschinenbau braucht: Die zu standardisierenden Dinge wurden immer abstrakter.

Nun soll sich das DIN auf Drängen der Bundesregierung eine besonders schwer greifbare Technologie vornehmen: die künstliche Intelligenz (KI). Unter dem Label wird gemeinhin alles zusammengefasst, was mit dem Lernen von Maschinen und der Automatisierung von intelligentem Verhalten zu tun hat. Das Vorhaben ist Teil der KI-Strategie, mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Minister Deutschland fit machen wollen für die Zukunft - eine Zukunft, in der lernende Softwaresysteme die Lebens- und Arbeitswelt radikal verändern werden.

Apple, Google und Amazon haben gerade angekündigt, gemeinsame Standards für smarte Technologie zu schaffen, etwa für Smart-Home-Geräte wie Alexa und Siri. Und Deutschland, bislang führend in Sachen Standardisierung, will mitspielen, wenn es darum geht, die Standards zu setzen.

Was künstliche Intelligenz 2019 gelernt hat - und wie sie im neuen Jahr noch schlauer wird.

Bis zum nächsten Herbst will das Wirtschaftsministerium mit dem DIN, dem Elektrotechnikverband VDE, Wissenschaftlern und Unternehmensvertretern einen Plan erarbeiten, wie sich KI normieren ließe. Stefan Schnorr ist als Leiter der Abteilung Digital- und Innovationspolitik im Bundeswirtschaftsministerium Teil der neuen DIN-Offensive. Aber er besteht darauf, dass dahinter keine Kontrolllust der Regierung stecke: „Es geht nicht darum, zu sagen: Haha, wo können wir noch regulieren?"

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