Sina Horsthemke

Medizin- und Sportjournalistin, München

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Schneller wieder fit

Schneller wieder fit

Sport birgt immer auch ein Verletzungsrisiko. Was nach einem Unfall zu tun ist und wie Sie wieder auf die Beine kommen

Ein unbedachter Schritt beim Joggen, ein Zusammenprall auf dem Fußballplatz, ein Sturz vom Rad: Unfälle beim Sport passieren schnell. Mehr als 4.000 Sportler verletzen sich Schätzungen zufolge jeden Tag in Deutschland. Ein Drittel der Schäden erleidet das Sprunggelenk, jede fünfte Verletzung betrifft das Knie. Vor Unfällen ist fast kein Sportler gefeit: Nur gut jeder vierte hat sich noch nie etwas getan.

Orthopäde Dr. Peter Schäferhoff ist Mannschaftsarzt des 1. FC Köln. Er kennt die klassischen Fußball-Schäden – Meniskusverletzungen, Kreuzbandrisse und Zerrungen hat er schon zuhauf behandelt. Obwohl das Kreuzband das Knie stabilisiert, muss es bei einem Riss nicht immer auf dem OP-Tisch geflickt werden, sagt der ärztliche Direktor der Kölner MediaPark Klinik. „Ist jemand älter als 60 und sitzt in seiner Freizeit eher auf dem Sofa, dann macht sein Knie das mit.“ Es seien auch die Ambitionen des Sportlers, die mit darüber entscheiden, wie seine Verletzung zu behandeln ist.

Früher mit Gips im Krankenhaus

Entscheiden sich Arzt und Patient für eine Operation, schneiden Ärzte heute so wenig wie möglich und operieren so schonend, dass der Sportler bald wieder auf die Beine kommt. Meist beginnt bereits am Tag danach der Wiederaufbau mit Physiotherapie. „Früher lagen die Leute nach einer Kreuzband- OP sechs Wochen lang eingegipst im Krankenhaus“, erzählt Schäferhoff.

Am Klinikum Osnabrück operiert sein Kollege Prof. Dr. Martin Engelhardt zahlreiche Sportlerknie. Der Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie hat es aber auch mit Überlastungsverletzungen zu tun und behandelt etwa die Knorpelschäden oder Achillessehnen von Langstreckenläufern und Triathleten, die sich im Training übernommen haben. „Sehnen und Knorpelgewebe brauchen Zeit, um sich an sportliche Belastungen zu gewöhnen“, so der Unfallchirurg. Deshalb sollten gerade Ausdauersportler den Trainingsumfang nur langsam steigern. Ein bis zwei Jahre Training empfiehlt Engelhardt zum Beispiel jenen ab 40, die einen Marathon laufen möchten.

Wer das nicht beherzigt, riskiert etwa eine Achillessehnenentzündung. Deren Heilung ist langwierig und dauert mit der richtigen Therapie „so lange, wie der Sportler die Beschwerden schon hatte“, sagt Engelhardt, der exzentrisches Krafttraining und Stoßwellentherapie zur Behandlung empfiehlt.

Schulter in Gefahr

Jeder dritte Deutsche liebt das Radfahren. Statistisch gesehen ein sicherer Sport: Während 1.000 Stunden Radfahren kommt es lediglich zu zwei Verletzungen. Das ist viermal weniger als beim Fußballspielen entstehen. Am häufigsten sind Schürfwunden und Prellungen durch Stürze vom Rad, aber auch die Schulter ist gefährdet: Die Schultereckgelenkssprengung gehört zu den häufigsten Radfahrerverletzungen. Das Gelenk verbindet Schulterblatt und Schlüsselbein und ist in Gefahr, wenn ein Radfahrer auf die Seite fällt. „Dann können die Bänder des Schulterdachs reißen“, erklärt Wolfgang Nebelung, Chefarzt der Sport-orthopädie am Marienkrankenhaus Kaiserswerth in Düsseldorf. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie hat schon viele Schultern operiert, um das Gelenk wieder in die korrekte Position zu bringen. Acht Woche nach dem Eingriff sei die Schulter „wieder belastbar“, für Wettkampfsport tauge sie frühestens nach drei Monaten wieder.

Kommt es beim Sport zu einem Unfall, sind Athleten in der Regel mit der PECH-Regel gut beraten. Sie ist die Erste-Hilfe-Regel für Sportler und steht für: Pause, Eis, Compression, Hochlegen. Der Verletzte sollte die Belastung abbrechen, die lädierte Stelle kühlen, einen Druckverband anlegen und den Körperteil hochlegen. Dies verhindert Schwellungen und lindert Schmerzen. Danach braucht es vor allem Zeit, um eine Verletzung ausheilen zu lassen. Damit dabei nicht zu viele Muskeln schwinden, empfehlen sich gelenkschonenden Sportarten wie Aquajogging. Und das Trainieren der unverletzten Seite: Studien belegen einen „Cross-over-Effekt“, von dem auch die Muskeln der verletzten Seite profitieren.

Angst erhöht das Risiko

Wie verletzungsanfällig ein Sportler ist, hängt viel von seiner Fitness ab – und auch von seinem Erbgut: Möglicherweise könnte ein Gen, das die Kollagenproduktion ankurbelt, das Risiko von Bänderrissen und Sehnenreizungen verringern. Ein anderes könnte die Heilungsdauer beeinflussen, vermuten Forscher. Was ebenfalls wissenschaftlich erwiesen ist: Die Angst vor Verletzungen führt zu Unfällen.

Nicht jeder Unfall lässt sich verhindern, vorbeugen können Sportler der einen oder anderen Verletzung aber schon: Indem sie ihr Training klug aufbauen, sich realistisch einschätzen und die Belastung langsam steigern. Eine gute allgemeine Fitness, eine saubere Technik und gründliches Aufwärmen tragen zum Verletzungsschutz bei. Sinnvoll ist ebenso, bei Beschwerden – und damit drohenden Überlastungsschäden – frühzeitig einen Physiotherapeuten oder Trainer um Rat zu fragen. Beide können Schwachstellen finden und Übungen zeigen, die muskuläre Defizite wirksam beheben.

Foto: scyther5/123RF