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Falsche Prioritäten

Im Labor der TU München spricht ein Professor mit einer Studentin. © Michaela Rehle/Reuters

Während hier ein Pakt für die Hochschulen geschlossen und dort eine Initiative gestartet wird, während Bund und Länder Milliarden um Milliarden bereitstellen, kommt ausgerechnet bei jenen wenig an, für die Universitäten und Fachhochschulen eigentlich da sind - den Studenten. Weil ein Großteil des Geldes in die Forschung fließt, leidet die Lehre. Die Studenten ringen um Seminarplätze, längst baufällige Hörsäle werden nicht saniert, auch die Digitalisierung verläuft allenfalls schleppend.

Insbesondere in den Mint-Fächern werden die Studienbedingungen schlechter. Zu diesem Urteil kommt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer neuen Studie, die der ZEIT exklusiv vorab vorliegt. So sind etwa die Mittel, die eine Hochschule im Schnitt pro Ingenieurstudent ausgibt, seit 2006 um 19 Prozent gesunken. Ebenso betroffen sind die Naturwissenschaftler mit einem finanziellen Minus von 4 Prozent pro Student und die Mediziner mit 3 Prozent. Konkret bedeutet das, dass die Professoren immer mehr Studenten betreuen müssen.

Bei mangelnder Betreuung studiert es sich schlecht, gerade in den Mint-Fächern scheitern viele in den ersten Semestern. "Abbrecherquoten von zum Teil über 50 Prozent, zum Beispiel bei den Mathematikern, sind skandalös", meint Christiane Konegen-Grenier, Wissenschaftlerin am IW und Autorin der Studie. Als Grund für die Abbrecherquoten werden nicht nur die hohen Leistungsanforderungen und die mangelnde Betreuung angegeben. Vielen Studiengängen fehle es an Praxisbezug, an digitaler und internationaler Vernetzung. Die Hochschulen sparten zugunsten der Forschung an den falschen Enden. Konegen-Grenier schlägt einen Absolventenbonus für die Hochschulen vor - als Anreiz, sich besser um ihre Studenten zu kümmern.

Im Jahr 2020 enden die Hochschulpakte, in deren Rahmen Bund und Länder seit 2007 gemeinsam investieren. Konegen-Grenier wünscht sich, dass die Politik die Förderprogramme im Anschluss mit acht Milliarden jährlich fortsetzt: "Der klare Fokus muss dann aber auf der Lehre liegen." Deutschlands fast drei Millionen Studenten hätten es verdient.

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