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Ritt auf der künstlichen Welle: Fluss-Surfen wird immer beliebter

Linus Reulein surft bei Waiblingen mit einem Bungee-Seil auf der Iller. Fotos: dpa

Im Wasser auf einer Welle reiten, ohne lange Fahrt ans Meer und ohne ewiges Warten auf ausreichend Brandung: Immer mehr Menschen surfen auf künstlich erzeugten Wellen auf Flüssen und Seen in ganz Deutschland. Ob auf einer sogenannten stehenden Welle oder beim Brückensurfen mittels eines Seils im Kampf gegen die Strömung - das Surfen auf künstlichen Wellen habe in Deutschland, aber auch weltweit extrem zugenommen, sagt Michael Zirlewagen vom Deutschen Wellenreitverband, kurz DWV.

Im DWV sind als Dachverband vor allem die professionellen Surfer und ihre Vereine vertreten, die Wellenreiten oft auch als Leistungssport betreiben. Zirlewagen beobachtet aber mit Freude, dass es immer mehr Amateursurfer gibt. Er geht deshalb davon aus, dass sich in ein paar Jahren mehr und bessere junge Surfer entwickeln werden. Positiv sieht Zirlewagen neben dem sportlichen Aspekt vor allem, dass sich immer mehr Vereine für den Surfsport gründen und sogar eigene künstliche Wellen bauen. Das sei umso bemerkenswerter, da Surfen ja kein Gruppensport sei.

Einer dieser Vereine sitzt in Ulm. 2019 ins Leben gerufen, hat die Gruppe Ulm Surfing bereits rund 100 Mitstreiter, wie Surfer Linus Reulein sagt. Das große Ziel: eine stehende Welle in Ulm. Als Vorbild dient die inzwischen weit bekannte Eisbachwelle in München. Bis es soweit ist, muss für die Ulmer Surfer eine Brücke an der Iller im Süden der Stadt herhalten. Mit einem modifizierten Bungeeseil, das an der Brücke hängt, stemmen sich die Surfer gegen die Strömung. Bei Wind und Wetter kommen sie hierher.

"Das Ganze ist eine super Übung für das Surfen im Meer", sagt Linus Reulein. Man müsse nicht lange auf eine Welle warten. Die Fahrt ans Meer fällt ebenso weg. Mit dem Rad kommen die Ulmer Surfer nachmittags regelmäßig an den Fluss und können so Minute um Minute auf der Welle aneinanderreihen.

Während die Ulmer ihre stehende Welle in der Stadt noch planen, sind andere bereits weiter. An vielen Orten im ganzen Land entstehen neue Wellen, weitere sind in Planung. So hat etwa in Pforzheim der Verein "Blackforestwave" eine der ersten stehenden Wellen in Baden-Württemberg umgesetzt. Nach der ersten Idee 2014 hat es der Verein sieben Jahre später zu seiner eigenen Welle im Metzelgraben, einer Ableitung der Nagold in der Innenstadt, geschafft.

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