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Tunesien schwingt sich aufs Rad

Fahrradfahren ist in Tunesien keine ganz ungefährliche Angelegenheit. Trotzdem steigen immer mehr Menschen aufs Rad um. Sie wollen das Transportmittel wieder populär machen.

S.Mersch

Ein Beitrag von Sarah Mersch aus dem Online-Magazin Afrika-Reporter

„Wir hatten einfach genug", fasst Stéphanie Pouessel zusammen, was den Ausschlag dafür gab, in Tunesien eine richtiggehende Fahrradbewegung anzustoßen. Genug von schlechter Verkehrsinfrastruktur, überfüllten Straßen und einem öffentlichen Nahverkehr, der nicht annähernd in der Lage ist, die Bewohner der tunesischen Hauptstadt einigermaßen pünktlich von A nach B zu transportieren. Deshalb wollen die Fahrradaktivisten das Radfahren demokratisieren.

Angefangen hatte alles mit einer abendlichen Fahrradtour durch Tunis, organisiert von Pouessel und einigen tunesischen Mitstreitern im April 2017. „Wir hatten damit gerechnet, dass vielleicht vier, fünf Leute kommen. Es waren einhundert", erzählt sie, und staunt bis heute ein bisschen darüber, wie schnell damals alles ging. Das Interesse war so groß, dass aus der Fahrradtour durch die Hauptstadt ein monatliches Happening und aus der spontanen Bewegung der Verein Vélorution wurde.

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Mit der monatlichen Rundfahrt wollen die Fahrradaktivisten auf sich aufmerksam machen. Tunis ist mit dem Fahrrad besser" - und gefährlich

Ein klein bisschen aus der Puste ist Oussama Tangara schon, als er bei Vélorution ankommt. 17 Kilometer ist er gerade von sich zu Hause zum Verein geradelt, über eine vierspurige Schnellstraße. „Das dauert eine gute halbe Stunde. Sonst müsste ich einen Bus nehmen, dann die Straßenbahn, nochmal umsteigen und dann noch einen Kilometer zu Fuß gehen." Das würden den 24-jährigen Studenten im besten Fall anderthalb Stunden Zeit kosten. Doch er ist fahrradverrückt, sagt er. Drei Räder hat im Wechsel im Gebrauch, mehr als zwei Dutzend weitere alte Sammlerstücke stehen bei ihm zu Hause in der Garage. Radfahren hat er als Kind gelernt, „quasi gleichzeitig mit dem Laufen." Am Wochenende gibt er beim Verein kostenlose Kurse in Fahrradreparatur. Er erklärt, wie man Probleme erkennt, Bremsen einstellt, Reifen oder die Kette wechselt oder sich selbst ein Schutzblech baut.

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