Sandra Kathe

Journalistin, Übersetzerin, Frankfurt/Main

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Den Umgang mit Bienen lernen

Der neunjährige Till arbeitet schon im zweiten Jahr mit Bienen. Foto: Leonhard Hamerski

Über die vergangenen Jahre hat sich gerade im städtischen Raum ein Hobby zum Trend entwickelt, das jahrzehntelang einen Ruf als Altherren-Hobby hatte: das Imkern. Für Kinder gab es gestern am Riedberg einen Einblick.

Riedberg. Wenn der neunjährige Till auf die Brutkästen des Bienenstocks zugeht, sieht alles ganz einfach aus. Ohne Berührungsängste und Schutzkleidung löst er mit dem Stockmeißel vorsichtig klebrige Wachsstellen vom Holz. Dann zieht er einen der zehn Rahmen heraus, wo die Bienen gerade dabei sind ihre Waben aus Wachs zu bauen, und sucht mit raschen Blicken das Gewusel von Bienen ab. „Ich hab die Blaue“, ruft er ganz begeistert und die Köpfe der anderen Kindern kommen zögerlich näher.


Königin im Zentrum

Mit „der Blauen“ meint Till die Königin, die die beiden Imker Holmer Drews und Matthias Adler mit einem kleinen blauen Punkt aus Kunststoff markiert haben. „Gerade bei der ersten größeren Überprüfung nach der Winterpause ist es schön, die Königin einfach erkennen zu können“, erläutert Adler das Vorgehen, bei dem es vor allem darum geht, ob der Bienenstaat gute Überlebenschancen hat. Bis zum Sommer soll sich das Volk wieder auf knapp 50 000 Bienen vermehren. „Ohne Königin, die bis zu 2000 Eier täglich legen kann, wird das nichts“, sagt Adler und passt dabei ganz besonders gut auf, dass Till den Rahmen, auf dem auch die Königin sitzt, wieder vorsichtig in den Brutraum zurück steckt.

Für alle Kursteilnehmer bis auf Till ist es das erste Mal, dass sie so nah an Bienen herankommen. „Wir hatten in den vergangenen Wochen schon einige Theoriestunden, wo wir die Grundlagen der Arbeit mit den Bienen besprochen und die Bruträume für das neue Jahr vorbereitet haben“, erklärt Adler, der mit den Kindern vor dem Öffnen des Brutraums alles noch einmal genau erklärt. Auch die Namen der verschiedenen Werkzeuge werden durchgegangen und der sogenannte Smoker befüllt, den Imker einsetzen, um die Bienen mit Rauch abzulenken und ungestört an den Rahmen arbeiten zu können. „Nachher riecht ihr alle wie Mettwürstchen“, scherzt der 47-Jährige, der selbst seit vier Jahren leidenschaftlicher Imker ist und im Sommer über 20 Völker betreuen wird.

Im Kinderkurs, den Adler gemeinsam mit Holmer Drews in diesem Jahr ins Leben gerufen hat, sollen die Kinder alles lernen, was fürs Imkerhandwerk wichtig ist. „Neben der Arbeit mit den Bienen direkt kümmern wir uns natürlich auch ums Honig schleudern, worauf sich die vier Kursteilnehmer am meisten freuen“, erklärt Adler und freut sich, dass das Imkern auch bei Kindern so gut ankommt. Schon bei jungen Erwachsenen sei das Hobby gerade in der Stadt über die vergangenen Jahre zum Trend geworden.


Bienen zu Hause

Der 13-jährige Julius ist zwar noch nicht so routiniert wie Till, der bereits 2015 mit seinen Eltern am Erwachsenenkurs von Drews und Adler teilgenommen hatte, dafür aber nicht minder motiviert: „Ich wünsche mir schon lange ein eigenes Bienenvolk, weil ich auch gerne mal eigene Tiere haben möchte“, sagt der Teenager, der wegen einer Tierhaar-Allergie keine Haustiere haben darf. Bienen sind für ihn ein idealer Ersatz, weshalb er jetzt auch seinen Vater überzeugen konnte, an einem Imkerkurs teilzunehmen.

Streicheln könne man einige Bienen immerhin auch, verrät Till Julius und erklärt, dass die Drohnen – also die männlichen Bienen – im Gegensatz zu den Arbeiterinnen nicht stechen. In seinem eigenen Garten hat der Neunjährige inzwischen alles für ein eigenes Bienenvolk vorbereitet. Die Angst vor der Arbeit mit den Insekten hat er nach einigen Einsätzen am Bienenkasten, der sogenannten „Beute“ abgelegt. „Natürlich wird man manchmal gestochen. Aber das gehört zum Imkern eben dazu!“

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